Kultur | 15.04.2014

In glücklicher Gefangenschaft

Text von Jutta Galizia | Bilder von Jutta Galizia
Baden im Meer der Musikwellen während ein Gewitter tobt. Das ermöglicht die Band "The Soft Moon" während ihrer ausverkauften Europa-Tour. Die drei Musiker machten als Support-Act von "Depeche" auch im Luzerner Sedel Halt.
Seelische Untiefen verarbeitet in Musik, geschehen im Album the Soft Moon.
Bild: Jutta Galizia

Louis Vasquez ist mehr als ein Musiker. Er ist Psychologe, Taucher, Künstler und Klangerforscher. Wenn er seine Musik schreibt, ähnelt dieser Vorgang einem Termin beim Psychologen. Er gräbt sich tief in sein Innerstes und holt alles Verborgene herauf: Die Ängste, Schmerzen, das innerste Wesen und die Dämonen.

 

Als Taucher erforscht er seinen eigenen Ozean und stösst dabei sowohl auf atemberaubenden Artenreichtum sowie auf furchterregende Seemonster mit aufgerissenen Mäulern und spitzen Zähnen. Als Künstler erschafft er eine Welt, die mit visuellen und hörbaren Effekten dazu einlädt, sie zu betreten und zu ergründen. Er erschafft Klänge, die uns an einen fremden Ort katapultieren. Direkt in die Seelenwelt von ihrem Urheber.

 

Ein Projekt zur Selbstfindung

“Alle Sounds kreieren eine Art Imitation meiner Biologie, meiner Existenz und meines Daseins. Ich versuche mit meiner Musik in einen Dialog mit meinem inneren Wesen zu geraten”, so Luis Vasquez gegenüber dem Journal Secretthirteen. Sein Selbstfindungs-Projekt The Soft Moon war gar nie für die Öffentlichkeit gedacht. Eigentlich wollte der Musiker mit den dunklen Klängen seine eigenen Ängste und inneren Dämonen bekämpfen, wie er in Interviews immer wieder betont.

 

Er suchte Zuflucht in einer Welt voller eiskalten, technoiden Klängen. Schon bald jedoch fand seine Musik den Weg in die Hände der Platten-Bosse des renommierten Captured Tracks-Labels und das selbstbetitelte Debutalbum avancierte 2011 zum Szeneerfolg.

 

Glücklich im Klangkäfig

Die Dämonen und Ängste brechen aus Luis heraus und übertragen sich aufs Publikum. Die tobende Menge im Sedel ist begeistert von den mechanisch ratternden Klängen irgendwo zwischen Synth-Punk, Industrial und Darkwave, durchbrochen von der mehrfach verzerrten Stimme Luis Vasquez’.

 

Vasquez, auch Produzent der Band, nutzt die Musik als Sprache, um den Ausdruck einer eigenen Welt zu finden. “Ich behandle das Projekt The Soft Moon wie ein Kunstwerk. Ich will damit eine neue Welt erschaffen, die man mit allen Sinnen begehen kann”, erzählt Luis Vasquez gegenüber Secretthirteen.

 

Verzerrte Wesen inmitten Formengewitter

Wer sich The Soft Moon anhören will, kann das auf der Website der Band. Hier gibt es neben dem Hörbaren auch visuelle Kost. In ihren Musikvideos unterstützen die Musiker ihre Klänge mit abstrakten schwarz-weissen Bildern. Striche flitzen vorbei, zwei Kreise verschmelzen zu einem einzigen, verzerrte Wesen schweben im Raum.

Das Formen-Gewitter, welches sich auf der Leinwand abspielt, inszeniert die Bewegung, den Rhythmus, sowie die Geschwindigkeit der Musik. Eine spannende Art, um sich ihr anzunähern.

 

Konzert vorbei, nachhallende Wirkung

“Ich mag es, meine Musik Retro-Futurismus zu nennen. Sie besteht zu 50 Prozent aus Zukunft und zu 50 Prozent aus Vergangenheit”, sagt Vasquez gegenüber Secretthirteen. Und die Zukunft verarbeite er in seiner Musik als Reaktion auf die Technologie. Die Zukunft habe aber auch dunkle Seiten. “Ich habe diese Alpträume. Sie kehren immer wieder und handeln vom Untergang der Welt. Ich habe das Gefühl wir Menschen sind wie ein Virus, der die Natur und die eigene Existenz zerstört. Das ist ein dunkles Gefühl und ein weiterer Nährstoff meiner Musik.”

 

Die Welt muss nur in den Träumen begraben werden. Die Welt jedoch, die während des Konzerts das Publikum umhüllte, verschwindet langsam während dem Verklingen der letzten Töne und des Applauses. Sie hallt noch ein wenig in den Köpfen nach, als wolle sie sich verabschieden. Dann geht sie unter in den Tiefen des Ozeans. Doch in den Bandmitglieder lebt sie weiter und wartet sehnsüchtigen darauf, beim nächsten Konzert wieder aufzusteigen.