Kultur | 30.04.2014

“Ich wusste endlich, wer ich bin”

Mimiks wird als Ausnahmetalent in der Schweizer Rap-Szene gehandelt. Zwei Jahre nach dem Überraschungserfolg des Mixtapes Jong & Hässig veröffentlicht der Luzerner Rapper nun sein Debütalbum VodkaZombieRambogang. Dieses verschafft dem Hörer einen eindrücklichen Einblick in Mimiks von Höhen und Tiefen geprägtes Leben.
Definiert sich durch den Rap: Mimiks aus Luzern.
Bild: zVg Maximilian Lederer

An diesem lauen Frühlingsabend ist Mimiks, der mit bürgerlichem Namen Angel Egli heisst, im Luzerner Concept Store Die Stiefväter anzutreffen. Haare schneiden steht auf dem Programm. “Die beiden Seiten muss ich dringend abrasieren lassen”, sagt der 22-Jährige und deutet auf seine Haarpracht.

 

Nach dem Coiffeurbesuch geht es in Richtung Altstadt. Obwohl einige Menschen unterwegs sind, spricht niemand den jungen Luzerner an. Wird man als Rapper nicht ständig erkannt? “Oh doch, dies kommt zunehmend vor”, meint Angel Egli. “Gerade heute in der Berufsschule wollten ein paar Schüler ein Foto mit mir schiessen.” Er mache da selbstverständlich mit, allerdings fände er es ein wenig komisch, wenn manche das Gefühl haben, dass er ein Star sei. Nur weil er rappe, möchte er keine Sonderbehandlung, sagt Mimiks.

 

Lego-Kamera als erster Versuch

Mit 16 Jahren kam er mit Rap zum ersten Mal in Berührung. “Zuhause hatte ich eine Kamera von Lego mit integriertem Mikrofon”, erinnert sich der Rapper lachend. “Diese schloss ich an den Computer, suchte mir irgendwelche Beats aus dem Internet und rappte mit meinem ersten selbstgeschriebenen Text drauf los.” Von nun an liess ihm das Thema Rap keine Ruhe mehr.

 

Was er mit seinem Leben anfangen sollte, wusste er damals noch nicht. Anstatt an seine Zukunft zu denken, rückte er das Nachtleben und seine Freunde in den Vordergrund. Heute bereut Mimiks, dass er nach der 6. Klasse nicht das Gymnasium besucht hat. In der Sek habe er rein gar nichts gemacht, weder gelernt, noch Hausaufgaben erledigt. “Schlussendlich stand ich mit leeren Händen da und hatte sechs Jahre meines Lebens verschwendet.” Mittlerweile hat der Luzerner dazugelernt und eine Lehre als Koch begonnen.

 

Identität gefunden

Als Angel Egli weitere Texte schrieb, wurde er sich immer bewusster, dass Rap sein Zuhause ist. “Wenn du mit einer Sportart beginnst, hörst du vielleicht nach drei Wochen wieder auf”, meint er. “Doch seit ich meinen ersten Text verfasst habe, war mir klar, dass ich damit nicht mehr aufhören werde.”

 

Für ihn sei es, als habe er durch den Rap seine Identität gefunden. “Ich wusste endlich, wer ich bin.” All die verpassten Chancen waren vergessen. 2012 wurde die Schweizer Rap-Szene aufmerksam auf den damals 20-jährigen Rapper. Ausschlaggebend war sein Mixtape Jong & Hässig. Dieses kursierte als Free-Download durch den Äther. Mit seinem unverkennbaren Sound, bestehend aus wuchtigen Beats, Doubletime und Texten, die den Nerv der Zeit treffen, konnte Angel Egli zahlreiche Fans gewinnen. Rap-Experte Ugur Gültekin, der eine Rap- und Hip-Hop-Sendung bei Joiz moderiert, betitelte Mimiks gar als Ausnahmetalent. Der Luzerner Rapper weiss, dass dies nicht von ungefähr kommt. “Ich sehe diese Ehrung als Lohn für die harte Arbeit, in die ich jahrelang investiert habe.”

 

Ohne Konzept

Mimiks Debütalbum VodkaZombieRambogang kommt bewusst ohne roten Faden aus. “Ich habe jeweils den Beat ausgesucht, der mir am besten gefällt und mit diesem geschrieben.” Diese Ungezwungenheit macht den unverkennbaren Stil von Angel Egli aus.

 

So ungezwungen das Debüt auf den ersten Blick scheinen mag: Etwa die Hälfte der fünfzehn Songs widmen sich einer ernsthaften Thematik: Sie dokumentieren die planlose Zeit des Rappers, und den Weg aus diesem Sumpf heraus. Die andere Hälfte zählt zu der Sorte von Liedern, welche “einfach in den Kopf ballern”, sagt Angel Egli.

 

 


Das Debüt des 22-Jährigen erschien am 25. April u.a. bei Ex Libris.

 

Die Plattentaufe findet am 16. Mai in der Schüür Luzern statt. Vorverkauf bei Starticket.