Kultur | 03.04.2014

“Ich freu mich wie ein Schnitzel!”

Text von Sonja Nodup | Bilder von zVg
In Zürich wurden gestern die 38. Schweizer Jugendfilmtage eröffnet. In den nächsten Tagen werden 47 Kurzfilme von Jugendlichen aus 21 Kantonen gezeigt. Am Eröffnungsabend sorgten nebst spannenden Filmen auch die Jury und eine Werbeaktion für Aufsehen.
Die 38. Schweizer Jugendfilmtage sind eröffnet.
Bild: zVg

“Anregen, aufregen und erregen” müsse ihn ein Film, meinte Jurymitglied und Filmemacher Simon Baumann (Zum Beispiel Suberg) zum Auftakt der 38. Schweizer Jugendfilmtage. Eine Forderung, der die fünf Eröffnungsfilme gerecht wurden. Die Kurzfilme, die unter dem ironischen Übertitel Fascht e Familie gezeigt wurden, reichten von makaber-lustig bis beklemmend-verstörend.

 

Gleich der erste Film (Frischfleisch – Kinder im Angebot), eine eigentlich beklemmende, aber urkomische Science Fiction-Geschichte, löste im Publikum helle Begeisterung aus und zog es in einen Bann, der bis zum bitteren Ende des letzten Films (House with small windows, eine verstörende Geschichte um Blutschuld in der Türkei) anhielt. Eine Auswahl, die das vielseitige und ernstzunehmende Potenzial der Festivalfilme aufzeigen sollte. Tatsächlich weckten die gezeigten Filme Lust auf mehr. Ein derart tolles, breites Programm finde man sonst nirgends, meinte Moderatorin Florence Fischer stolz.

 

Mut zur Peinlichkeit

Die Filme seien das “Herz der Jugendfilmtage”, erklärte Fischer. Vom Eröffnungsabend wird aber nicht zuletzt der Auftritt der Jury in Erinnerung bleiben. Das als “prominente Jury” angepriesenene Trüppchen bewies auf der Bühne einen eigensinnigen Humor und Mut zur Peinlichkeit. “Was erwartest du?”, fragte Moderatorin Fischer den Ex-Rapper und Schauspieler Carlos Leal, worauf dieser antwortete: “Nichts.” Es sei besser, nicht zu viel zu erwarten. So sei man “mehr geöffnet – like a virgin”.

 

Frank Braun, unter anderem bekannt als Geschäftsführer des Kino Riffraff und Vorstandspräsident des Fantoche, sprach indes von der “Angst, etwas zu verpassen”, die ihn mit zunehmendem Alter immer mehr plage. Er sei daher hier, um “den Anschluss” an die Jugend zu finden. Patrick Meury, letztjähriger Zweitplatzierter in der Kategorie E, trat im authentischen Traineroutfit auf die Bühne und meinte konsequenterweise auf die Frage, wie ein Gewinnerfilm sein müsse: “Er muss authentisch sein.”

 

Drei grosse Visionen

Das Filmfestival findet dieses Jahr erstmals unter der Leitung des 25-jährigen Publizistik- und BWL-Absolventen Moritz Schneider statt. Dieser stellte an der Eröffnung “drei grosse Visionen” vor, mit denen er die Stelle angetreten sei: Eine neue Zusatzlocation, eine neue Filmkategorie und ein neuer optischer Auftritt. Mit der Nutzung des Stall 6 als Festivalzentrum und -bar in einem, der Einrichtung der Handyfilm-Kategorie Mobile Movies, sowie der kompletten Überarbeitung des optischen Auftritts (im Zuge derer unter anderem der Panther, das Gesicht und Maskottchen der Jugendfilmtage, einer Verjüngungskur unterzogen wurde), hat Schneider seine “Visionen” bereits im ersten Amtsjahr umgesetzt.

 

Glücksgriff Stall 6

Die erweiterte Nutzung des bisher nur für Abendveranstaltungen gemieteten Stall 6 stellte sich bereits am Eröffnungsabend als Glücksgriff heraus: Das Lokal eignet sich mit seiner ungezwungen-familiären Atmosphäre und dem zum Verweilen einladenden Aussenbereich perfekt als Festivalzentrum.

 

Plattform für MTV Mobile

Eine etwas gar prominente Plattform bot man dem Festivalpartner MTV Mobile, der während des vorgängigen Apéros die Gäste für einen Wettbewerb zu gewinnen versuchte. Als Gewinn winkte ein Tablet, das auf der Bühne als besonders “handlich” angepriesen wurde. Immerhin nahm Moderatorin Fischer die Sache mit Humor: Das “geniale Teil” werde “zur Feier des Tages” verlost, meinte sie. Und gratulierte der Gewinnerin marketingtechnisch nicht ganz ideal zu ihrem “neuen…ähm…Sony-Gerät”.

 

Vorfreude auf mehr

Die bei Radio SRF Virus tätige Moderatorin führte souverän, sympathisch und nicht allzu ernst durch den Abend. Die Stimmung war angenehm informell und unverkrampft – nur der eine oder andere Film liess das Publikum die Luft anhalten und die Muskeln anspannen. Der gelungene Abend weckte Lust auf mehr junge Filme. Florence Fischer drückte ihre Vorfreude folgendermassen aus: “Ich freu mich wie ein Schnitzel!«


Die Schweizer Jugendfilmtage laufen noch bis zum Sonntag, 6. April, in der Gessnerallee in Zürich.

 

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