Kultur | 07.04.2014

Hoher Qualitätsstandart überzeugt

Die Schweizer Jugendfilmtage finden dieses Jahr zum ersten Mal mit der Spezialkategorie Musikvideos statt. Aus allen eingesandten Vorschlägen der letzten drei Jahren wurden elf Videos für die Vorführung am Donnerstagabend auserkoren. Scharfe Bilder, reduktionistische Darstellungsweisen, aber auch lockere Sommerstimmung und Sinn für Humor sorgten für Vielfältigkeit in der Spezialkategorie Musikvideos.
Die Musikvideos in schwarz-weiss könnten unterschiedlicher nicht sein.
Bild: zVg / Filmstill / Benjamin Aellen

Ein Jockey spielt Schlagzeug mit seiner Reitpeitsche, woraufhin er von schwarz gekleideten Männern mit Gasmasken verprügelt wird. Eine junge Frau spaziert nackt durch den Wald, um am Ende bekleidet und gedankenverloren in einen See zu waten. Monopoly-Geld steht in Flammen und politische Parolen werden mit Riesenafro und Sprechgesang verkündet.

Animation, Zeitraffer, Zoom, Reggae, Rap und Tech-House. Die Selektion der Vorschläge hat mehr als nur ein Themengebiet abgedeckt und sorgt damit für ein buntes Spektrum an Musikvideos. Dabei kommt die Qualität in keinem Fall zu kurz – jedes der elf Videos überzeugt mit einem hohen Grad an Professionalität.

 

Schwarz-weiss ist cool

Wenig farbenfroh ging es bei gleich mehreren Videos zu und her. Hopeless Case, sowie Ich liebe es zu reisen! und Sa Jag Det? sind allesamt in schwarz-weiss aufgenommen. Die Farbe oder eben nicht-Farbe ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit der drei Videos. Im ersten schwarz-weiss-Streifen steht rockigere Musik im Zentrum. Das Video stellt den Menschen als Automaten dar, der sich am Ende selbst ausschaltet. Ich liebe es zu reisen! ist die sarkastisch-gerappte Kritik von Kim Bollag an der Schweizer Asylpolitik.

 

Das Video zu Sa Jag Det? vermittelt reduktionistisch und mit messerscharfen Bildern eine coole Atmosphäre. Luke le Loups Chorgesang gemischt mit elektronischer Musik überzeugt durch Benjamin Aellens visuelle Umsetzung. Die Beschreibung auf der Webseite der 38. Schweizer Jugendfilmtage trifft den Nagel auf den Kopf: “Ein Ausbruch von Rhythmus und Bild in eine kraftvolle Langsamkeit.”

 

Rote Blutspritzer

Interessante Farbakzente waren bei Worldwide Electronic Suicide von Das Pferd zu sehen, dem berühmtesten Musikvertreter in der Spezialkategorie. Der Clip der Elektro-Punk Band irritiert mit einer Blut weinenden Schaufensterpuppe, sowie einem wiehernden Mann im Iron-Maiden-Shirt, pinkem Glitzerschal und rosafarbenem Tutu. Im düsteren Video sind die Farbakzente gekonnt eingesetzt. Das Pferd-˜sche Gemetzel überzeugt mit wummernden Bässen und der, den Fans bekannten, Kostüm-Manier.

 

Animation und Ironie für gute Laune

In Kontrast zu den düsteren Musikvideos stehen die gute Laune Clips, welche die Zuschauer schmunzeln liessen. Bora Bora und Wenn ich ein Junge wär sorgten für diese Abwechslung. Einige Mitwirkende von Bora Bora sassen im Publikum und beklatschten sich selbst zu ihrer Leistung. Grund zur Freude war angebracht, da circa 150 Stunden harte Arbeit in das amüsante und farbenfrohe Animationsvideo investiert wurden.

 

Wenn ich ein Junge wär beansprucht mit seinem eingängigen Rhythmus und lustigen Text die Lachmuskulatur des Publikums. So zum Beispiel mit Songzeilen wie: “Ich hätte viel Verkehr, wenn ich ein Junge wär.” Das Lied handelt von den vielen männlichen Dingen, die ein Mädchen als Junge tun würde. Doch egal ob Mädchen oder Junge, die Spezialkategorie Musikvideos war für alle Teilnehmer einen Besuch wert und erweist sich als würdiger Programmbestandteil der Schweizer Jugendfilmtage.