Gesellschaft | 18.04.2014

Fünfter Brief aus Deutschland

Warum das deutsche Einwanderungsgesetzt für Schweizer verschärft werden muss und wie dies im Zusammenhang mit Karfreitag steht, erklärt der fünfte Brief aus Deutschland.
Die wahre Geschichte von Karfreitag: Ein Schweizer hat Jesus verraten.
Bild: Katharina Good

Wie jedes Jahr einen Tag vor dem heiligen Karfreitag folgen wir auch dieses Mal alten, traditionsreichen und vor allem deutschen Gebräuchen und beschimpfen den Rest der Welt. Heute Morgen sind wieder scharenweise Menschen vor dem Brandenburger Tor auf und ab marschiert und haben lautstark auf die Polen eingebrüllt. Und natürlich haben auch heute wieder tausende Deutsche vor der chilenischen Botschaft Südamerikaner verhöhnt, indem sie symbolisch ihren Kontinent besetzten. Sie haben es sicherlich in den Medien mitverfolgt.

 

Merkwürdigerweise vergessen die meisten Menschen in Deutschland an diesem wundervollen Tag, der übrigens in den meisten Bundesländern (außer in Hamburg und Bayern) ein Feiertag ist, die Schweiz. Dabei geht allerorts die Sage um, dass es seinerzeit ein Schweizer war, der Jesus Christus an Pontius Pilatus verkauft haben soll. Was läge da also näher, als die Nachfahren dieses Verräters heute zu strafen und ihre Häuser zu verbrennen und ihre Frauen zu ehelichen?

 

Als aufgeklärte Deutsche halten wir natürlich nichts von der Legende, ein Schweizer hätte Jesus auf dem Gewissen. Wir in Deutschland wissen, dass es ein Jud… eh Däne war.

 

Deshalb verstecken wir zu Ostern mit Begeisterung seit Menschengedenken bunt bemalte Eier in unseren Gärten, als Sinnbild für Irgendwas. Im Ausland versteht man leider nicht, welcher Zusammenhang zwischen Eiern und hebräischen, äh, nordischen Naturvölkern besteht. Für uns Germanen ist das mehr als offensichtlich.

 

A propos Sex: Eine Frage bleibt, die uns selbst Wikipedia nicht beantworten konnte. Weshalb wird in Ihrem Land Ostern in Form von, nun ja, “Kunst” gefeiert?

Was wir in dieser Woche sehen mussten, verschlägt selbst uns Deutschen die Sprache. Es geht um diese sexy Puppe: Statt Ihre Kinder Ostereier suchen zu lassen und einen kleinen Tagesausflug mit der Familie ins Ural-Gebirge zu unternehmen, schauen Sie also einer jungen Frau dabei zu, wie sie ihre Ostereier auf ganz eigene Weise färbt und – es tut uns Leid, aber wir möchten diesen mehr als verstörenden Akt gar nicht weiter ausführen. Gut, es fand in Köln statt. Das beweist, dass wir Deutschen die Einwanderungsgesetze für Schweizer verschärfen müssen.

 

Wir sind ratlos, peinlich berührt, schockiert und sehr erregt. Vielleicht sollten Sie Ihre Alpen-Traditionen aber dennoch nicht in die große weite Welt tragen.

 

Trotzdem frohe Ostern und bis nächste Woche.

 

Herzlichst,

Ihr Deutschland