Kultur | 12.04.2014

Fascht ä Familie

Text von Anna Hakopian | Bilder von zVg, Filmstill
Zum Thema «Fascht ä Familie« präsentieren Jugendliche bis 19 Jahre auf selbst- und sozialkritischer, aber auch ironischen und teilweise makaberer Weise ihr Weltansichten. Ein kleines Panorama.
"Hinter Gitter" dauert zwar nur 57 Sekunden, erzählt aber ein doppelsträngiges Familiendrama.
Bild: zVg, Filmstill

Im ausverkauften grossen Saal der Gessneralle wurde Einzel- und Gruppenproduktionen von Jugendlichen bis 19 Jahren gezeigt, die selbständig oder im Rahmen der Filmworkshops zum Thema «Fasch ä Familie« entstanden sind. Es herrschte eine lebendige und fröhliche Atmosphäre, man fühlte sich mitten in einer Klassenfahrt, da mehrheitlich Jugendliche mit ihren Lehrpersonen anwesenden waren. Moderatorin Florence Fischer erklärte den Ablauf dieser Veranstaltung, denn ausser der Jury dürfte auch jeder Gast eine Stimme für seinen Lieblingsfilm abgeben.

 

Junge fragen

Produzentin Susann Rüdlinger aus der Jury musste sich nach der Vorstellung auf der Bühne den Fragen des Publikums stellen. “Was ist anders am Produzieren von Filmen mit Jugendlichen als mit Erwachsenen?” Die herausstechende Facette der Antwort: Beim Produzieren mit Jugendlich fände ein grösser Austausch statt. “Warum gibt es so wenige Produzentinnen?” Das Produzieren von Filmen sei eine Knochenarbeit, aber Frauen wären dafür eigentlich besser geeignet als Männer. “Was macht einen guten Film aus?” Ein gutes Drehbuch, davon gehe alles aus.

 

Voyeurfilm und Knetmännchen

Die Kurzfilme trugen häufig vielversprechende Namen. Bob die Killerkatze war ein makaberer Animationsfilm über eine Katze, die eine ganze Familie terrorisierte. Damit die Killerkatze besonders wirkt, wurde sie anfangs zu gross dargestellt. In La grande strana famiglia von einer Tessiner Klasse wurden Reality Fernsehsendungen wie Jessery Store oder Big Brother aufs Korn genommen. Familie Schweinebauch wurde von einer 3. Klasse produziert. Beim Interview erzählte der Klassenlehrer, dass einige Schüler weinen mussten, weil nicht alle die gewünschte Rolle übernehmen konnten.

 

Der Knete-Animationsfilm Hinter Gitter erzählte von einem Familienvater, der im Gefängnis sitzt und beschliesst, durch ein selbstgegrabenes Loch zu seiner Familie zu gelangen. Leider hat die Familie zur selben Zeit die gleiche Idee. Ein jugendlicher Kneter aus dem Team behauptete, er hätte sich die Finger dafür blutig geknetet. Mit Frischfleisch – Kinder im Angebot erzählte eine Sekundarklasse von einer Zukunft, in der Kinder wie Waren gehandelt werden. Das ganz war mit viel Ironie gespickt – Moderatorin Fischer fand ihn “endlustig”. Wie viele der gezeigten Kurzfilme versucht er mit den Erwachsenen abzurechen. Und will zeigen, dass Freunde eine Familie sein können, weil sie einem zuhören und verstehen.