Kultur | 22.04.2014

Eine Pseudo-Schriftstellerin und das Leben

Text von Delilah Siegrist | Bilder von zVg, Filmstill
«Alles kann, nichts muss!" Dominique Piepermann, eine junge Frau aus der Berliner Hipster Szene, will Erfolg. Dieser scheint ihr sogar noch wichtiger zu sein als die Liebe. Dominik Locher bringt in seinem ersten Langspielfilm gegenwärtige Konflikte einer Generation auf die Leinwand.
Florentine Krafft rennt durch die Schweizer Alpen, durch das "Texas Europas".
Bild: zVg, Filmstill

Dominique versucht ihr Glück und reicht selbstzufrieden ihr erstes Roman-Manuskript ein. Zu früh gefreut – das Manuskript wird abgelehnt. Zurück auf dem Boden der Tatsachen angekommen beschließt sie, dass die Zeit nun reif für einen Wechsel ist. Gemeinsam mit ihrem Freund Deniz, einem deutsch-türkischen Dönerverkäufer, zieht sie los ins Ungewisse. Am neuen Schauplatz angekommen, erhofft sie sich neue Inspirationsquellen. So mieten die Verliebten, die sich erst seit kurzem kennen, eine alte Tankstelle im Walliser Bergtal. Dort können sie das Leben und die Liebe genießen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Sie lernen die Schweizer Mentalität kennen und machen Erfahrungen, die sie in Berlin nie gemacht hätten. Die junge Liebe wird auf eine harte Probe gestellt.

 

Neue Talente entdeckt

Die Oprecht-Preisträgerin Florentine Krafft zeigt in ihrer Rolle als Dominique, dass sie an der ZHdK einiges gelernt hat. Überzeugend präsentiert sie ihre Figur in zahlreichen Facetten.  Stolz, Verzweiflung, Angst, Glück, Liebe und Wut bringt die Hauptdarstellerin authentisch auf die Leinwand. Sie weiß, wie sie das Publikum in ihren Bann ziehen kann.

José Barros, der auch die Schauspielkunst studiert hat, steht Florentine in nichts nach. Er brilliert in seiner Rolle, zeigt sich als verliebten, stolzen, starken und dennoch sehr leicht verletzlichen Deniz mit unerwarteter Intensität. Diese beiden jungen Schauspieler sind wahre Talente und sorgen dafür, dass sich der Zuschauer während der ganzen Spielzeit ausgesprochen gut unterhalten fühlt.

 

Idyllisches Schweizer Bergtal

Die idyllischen Szenen im schweizerischen Wallis präsentieren dem Zuschauer eine “Heile Welt” in der noch alles in Ordnung ist. Dominik Locher beschreibt diese Gegend zutreffend als “das Texas Europas”. Dorthin zieht es Dominique und Deniz, die eine Auszeit von der turbulenten Großstadt Berlin nötig haben. Aus dem Chaos kommen sie in einen Ruhepol, der ihnen dabei hilft, herauszufinden, was sie sich vom Leben wünschen.

 

Stefan Künzlers Kameraführung kann nur gelobt werden. Denn durch diese werden die Szenen erst richtig faszinierend. Überzeugende Darsteller, wunderschöne Landschaften und romantische Szenerien werden präsentiert. Damit kontrastiert eine raue, ungeschliffene Seite des Wallis, die erst auf den zweiten Blick sichtbar wird.

 

Leben, lieben und fühlen lernen

Dominique lernt sich selbst im Verlauf des Films immer besser kennen. Dadurch, dass sie tut was sie will, lernt sie zu fühlen. Grenzen überschreitet sie absichtlich, um dabei neue Gefühle kennen zu lernen. Die Liebesbeziehung der beiden Berliner durchlebt Hochs und Tiefs. Deniz zeigt Dominique seine Liebe mehrmals in ihrer vollen Stärke, doch sie bleibt dabei kalt. Ihr scheint es eher der Erfolg angetan zu haben als die Liebe. Während des Films reflektiert Dominique so gut wie nie. Am Schluss erkennt sie aber doch noch wer sie ist. Sie weiß nun, dass das Leben kein Film ist und dass man getroffene Entscheidungen manchmal bereut. Der Zuschauer bemerkt am Ende des Films, dass es nun an ihm ist, sein eigenes Buch zu schreiben. Die Mitglieder der «Generation Krise» können selbst bestimmen, ob sie etwas daran ändern wollen. So könnte diese Generation bald einen ganz anderen Namen erhalten.