Gesellschaft | 01.04.2014

Ein einig Volk von Uhrmachern

Text von David Bucheli | Bilder von Lynn Riegger
Steueraffären und ein umstrittener Volksentscheid haben die Schweiz international in Erklärungsnot gebracht. Jetzt nimmt die Uhren- und Schmuckindustrie das Heft in die Hand. An der Baselworld korrigiert sie das angekratzte Image und kommuniziert der Welt unsere wahren Werte: Qualität, Luxus und Tradition.
Inwiefern sich chinesische Antikorruptionsgesetze auf den Absatz des Schweizer Uhrenmarkts auswirken, erklärt die Baselworld.
Bild: Lynn Riegger

Für sieben Tage beherbergt das Basler Messezentrum die wohl exklusivste Einkaufsmeile der Welt. Was in der Schmuck- und Uhrenbranche Rang und Namen hat, buhlt in der prunkvollen Ausstellungslandschaft um Aufmerksamkeit. Und das mit Erfolg: Die vertretenen Marken ziehen hier Bestellungen an Land, die die Hälfte ihres Jahresumsatzes ausmachen. Doch die Baselworld bietet nicht nur einen fruchtbaren Marktplatz für Hersteller und Händler, sie ist auch ein gigantisches Medienereignis. Fast 4000 Journalisten aus aller Welt sorgen für ein gebührendes Echo in der Fachpresse. Die perfekte Gelegenheit also, um nicht nur Uhren, sondern auch die Marke Schweiz zu verkaufen.

 

Imagefilm ab!

Einen Tag vor der Messeröffnung herrschte grosser Andrang an der Pressekonferenz. Dass der Montreal-Saal im Basler Kongresszentrum nur einen Bruchteil der Journalisten fasst, war schon im Voraus klar. Für einen Livestream war deshalb gesorgt, als der Reihe nach René Kamm (CEO MCH Group), Sylvie Ritter (Messeleiterin), Jaques J. Duchêne (Präsident Ausstellerkomitee) und François Thiébaud (Präsident Schweizer Ausstellungskomitee) das Wort ergreifen.

Wie es sich gehört, lobten sie alle zuerst die wertvolle Arbeit der Medienschaffenden und erst dann ihre eigene. Und wenn sich die Sprecher ablösten, blieb jeweils gerade genug Zeit für die Einspielung eines Imagefilms.

 

Was heisst “Swiss Made”?

Zwischen dem gegenseitigen Schulterklopfen wurden auch ernste Themen angesprochen. In China verteuern hohe Zölle die Produkte in den oberen Preisklassen und eine Antikorruptionskampagne wirkt sich negativ auf die Verkaufszahlen aus. Schweizer Uhren waren gern gesehene “Geschenke” in den chinesischen Behörden, doch solchen Gefälligkeiten hat die Regierung nun den Kampf angesagt.

 

Auch die Volksabstimmung vom 9. Februar blieb nicht unerwähnt, denn das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative bringt die Schweizer Uhrenindustrie in eine schwierige Situation. Immerhin wird bei Swatch, Rolex und Konsorten jeder zweite Arbeitsplatz von einem Ausländer besetzt. Ob man dann noch von “Swiss Made” sprechen könne, fragt ein chinesischer Blogger mit Doktortitel und löst damit unfreiwillig einige Heiterkeit aus.

Der durchaus ernst gemeinten Frage begegnet das Redner-Quartett mit einer augenzwinkernden Charmeoffensive. Schweiz, das bedeute seit jeher Multikulti – zusammengekittet durch verbindende Werte wie Luxus, Design, Qualität und Tradition. Der aufmüpfige Asiate scheint bei den Filmeinspielern nicht aufgepasst zu haben.

 

Präzise Imagekampagne

“Ich gratuliere Ihnen zu dieser Messe, sie ist Imagepflege vom Besten für unser Land”, brachte es Bundesrat Ueli Maurer an der offiziellen Eröffnungszeremonie auf den Punkt. Die Privatwirtschaft als Botschafter, die Schweiz als Marke. Ein Konzept, das für alle Beteiligten aufgeht und die Eidgenossenschaft wieder als Schlaraffeninsel im stürmischen Ozean des Weltgeschehens positioniert. Dank einer Imagekampagne, die ebenso präzise und zuverlässig funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk.