Kultur | 23.04.2014

Der schwarze Abspann

Text von Naomi Fischer | Bilder von zVg, FIFF
Am Festival International de Film de Fribourg (kurz FIFF) wurde "Manuscripts don't Burn" von Mohammad Rasoulof gezeigt. Der Film nimmt Bezug auf reale Ereignisse in den neunziger Jahren im Iran. Damals verschwanden zahlreiche Schriftsteller und Politiker.
Die starke Zensur im Iran zwingt den Filmemacher zu vielen Nahaufnahmen und einem schwarzen Abspann.
Bild: zVg, FIFF

Zu Beginn des Films erfährt der Zuschauende allein durch Dialoge, dass im Vorfeld ein Bus mit intellektuellen Regierungskritikern hätte verunglücken sollen. Diese Geschichte schrieb einer der betroffenen Männer nieder. Im Folgenden will der Geheimdienst dieses Manuskript und zwei Kopien der Aufzeichnungen vernichten. Mit Entführung, Folter und Mord versuchen die Beamten die Dokumente zu vernichten.

Iranische Filme in Fribourg

Auch wenn der Film unter der Kategorie “Langfilme” am FIFF gezeigt wurde, hat sich die diesjährige Ausgabe des Festivals auf iranische Filme spezialisiert. Unter der Kategorie “Iranische Filmschaffende präsentieren Schlüsselwerke ihres Landes” hat das FIFF versucht iranische Filme zu finden. Es konnten jedoch nicht alle präsentiert werden. Der internationalen Verbreitung von iranischen Filmen steht vieles im Weg, und diese Lücke wollte das FIFF ansatzweise füllen. Die Kategorie soll ein besseres Verständnis für das Land und seine Kultur hervor bringen.

Zensierte Kunst

Die Gespräche unter den kritischen Intellektuellen zeigen die verschiedenen Positionen auf, in denen sich vermutlich jeder Künstler, der zensiert wird, befindet. Entweder kämpft man für seine eigene Meinungsfreiheit und riskiert unterzugehen oder man hält sich im Stillen und versucht den Rest des Lebens zu geniessen. Die dritte Option stellt die Flucht aus dem eigenen Land dar. Im Film wird sichtbar, dass Rasoulof versucht durch seine Figuren zu sprechen, da er seine Meinung anderst nicht vermitteln kann. So kommt der Film ohne grosse Thrillereffekte aus, was ihn umso beunruhigender erscheinen lässt

Restriktive Politik bis in die Gegenwart

Spätestens am Ende des Films, wird klar, wie es um Journalisten, Schriftsteller und Künstler im Iran steht. Anstatt eines Abspanns sieht man nur einen von Musik begleiteten, schwarzen Hintergrund. Dies ist eine Sicherheitsvorkehrung für Schauspieler und Schauspielerinnen und die Mitwirkenden, denn die Zensur im Iran ist hoch. Niemand möchte das Risiko eingehen und von der Regierung verfolgt werden.

Verwackelte Bilder

Weitere Folgen der restriktiven Politik gegenüber Kunst sind die oft verwackelten Bilder im Film. Zudem wurde selten in der Totale aufgenommen, es gab beinahe nur Nahaufnahmen. Das alles lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass der Film unter grösster Geheimhaltung entstand.

Eine weitere Folge der iranischen Politik zeigt sich auch im geplatzten Auftritt des Regisseurs Mohammad Rasoulof, der am Filmfest in Hamburg hätte auftreten sollen. Ihm wurde der Pass abgenommen, was seine Anreise verunmöglichte. Zudem wurde er mehrmals wegen “Gefährdung der nationalen Sicherheit” verhaftet. Trotz eines Berufsverbotes machte er immer weiter. Momentan steht er nicht unter Hausarrest, darf das Land aber nicht verlassen.