Gesellschaft | 21.03.2014

Zweiter Brief aus Deutschland

Tink.ch erhält jeden Freitag Briefpost aus Deutschland mit angebrachten Tipps und Tricks. Diese Woche zum Nationalfeiertag der Schweiz.
Auch wenn's die Deutschen mit Pünktlichkeit und Präzision nicht besonders haben: Der Chefredaktor von Tink.ch weiss damit umzugehen.
Bild: Katharina Good

Hallo Herr und Frau Schweizer,

 

Bevor wir zu unserer wöchentlichen Kolumne kommen, möchten wir Ihnen erst einmal zu Ihrem heutigen Nationalfeiertag gratulieren. Ja, da staunen Sie, was? Dass sich Deutsche in Ihrer Geschichte auskennen. Aber natürlich lernen auch unsere Schüler im Geschichtsunterricht einiges über besonders wichtige historische Ereignisse in der Schweiz. So wissen auch wir, dass es am 28. März 1922 oder 1737 – die deutschen Geschichtsbücher sind da erstaunlich uneindeutig –  zum Volksaufstand kam, als 13 – manche Autoren berichten allerdings von 12 – zornige Berner oder Neuenburger die Bastille stürmten und den König zu Fall brachten.

 

Wir sind uns sicher, dass auch heute der alten Tradition folgend wieder tausende Schweizer auf dem Andersplatz in Zürich ein kräftiges Fondue zubereiten und zu gälischer Musik Raketen in die Luft steigen lassen.

 

A propos feiern. Heute möchten wir uns ihren international gefeierten Künstlern widmen. Den Musikern, Malern, Dichtern und Denkern, die so viel – auch in Deutschland – bewegt haben.

 

Wo stünden wir heute ohne die großartigen Werke eines Schweizer Malers. Oder eines so genialen Schauspielers wie Christoph Waltz. Klar, die Gassenhauer eines DJ Ötzi hätten die Schweizer Grenzen nun nicht unbedingt verlassen müssen, aber gut.

 

Tja, merken Sie’s? Die oben genannten Künstler sind leider schon alle tot. Seit Jahren kam kaum noch bemerkenswerte Kunst aus Ihrer kleinen heilen Welt. Das liegt unserer Meinung nach an der mangelnden Armut, die sich wie die Pest zwischen St. Gallen und Genf ausgebreitet hat und nicht mal vor dem Uri Halt gemacht hat.

 

Ja, selbst in der hintersten Alm muss der gemeine Schweizer keine materiellen Sorgen leiden, das lesen wir täglich in verschiedensten Medien. Erschreckende Voraussetzungen für große Kunst.

 

Aber nicht nur das. Ihr Land verkümmert leider auch auf anderen Gebieten. Tut uns leid, das so deutlich sagen zu müssen, aber gute Freunde können sich ruhig auch mal gegenseitig auf Missstände aufmerksam machen. Wie die Schweiz das regelmäßig mit uns macht, wenn sie ständig irgendwelche Reparationen für irgendwas einfordert.

 

Leider fehlt jetzt an dieser Stelle der Platz für weitere Ausführungen, der Chefredakteur (Redakteur –  was ist daran so schwer?) zählt schon die Zeichen und pocht zudem per SMS auf die Deadline.

 

Aber wie schrieb bereits der Züricher Dichter Anton Schäbli in seinem viel zitierten Werk “Die Schlützklgi”:

 

Schmeckt das Rösti fad und schal

ist-˜s gar klumpig manches Mal

sowas ja passieren kann

Fängt man halt von vorne an.

 

Das beherzigen wir nächste Woche.

 

Herzlichst,

 

Ihr Deutschland