Gesellschaft | 23.03.2014

Warum Museen nicht langweilig sind

Text von Tatjana Pürro | Bilder von Tatjana Pürro
Viele Museen in Bern konnten dank der Museumsnacht ihr verstaubtes Image aufpolieren. Die Nacht im Zeichen von Geschichte, Aussergewöhnlichem und Beeindruckendem.
60 Kilometer Schweizer Staatsgeschichte werden im Schweizer Bundesarchiv von Feuer und Wasser geschützt aufbewahrt.
Bild: Tatjana Pürro

Der Abend des 21. März war lau. Hervorragende Verhältnisse für das Ereignis, das in Bern die Nacht zum Tag machen würde. Seit über zehn Jahren gibt es sie nun, die Museumsnacht Bern. 28 Ausstellungen und etliche Berner Firmen sowie Institutionen öffnen ihre Pforten für einmal auch nachts. Doch damit nicht genug. Neben den üblichen Exponaten gibt es allerorts Besonderheiten zu entdecken: Nie gesehene Sammlungen, besondere Filme, spannende Vorträge und viel Interaktives.

 

Wie Motten zum Licht

Das Logo der Museumsnacht zeigt Falter, die um eine Glühlampe schwirren. Ein ähnliches Verhalten legten auch die Teilnehmenden an den Tag. Nie bildet sich eine längere Warteschlange vor den Museen. Wo üblicherweise aufs Anstehen verzichtet wird, standen sich die Besuchende an diesem Abend die Beine in den Bauch.

 

Doch auch ohne das Schlange-stehen, gab es viel zu entdecken. Die Gebäude lockten mit bunt erleuchteten Fassaden. Die Kochergasse vor dem Bellevue Palace erinnerte an eine Filmkulisse aus dem letzten Jahrhundert. Der elegante Eingangsbereich des prunkvollen 5-Sterne Hotels war an diesem Abend die Haltestelle für 80 Oldtimer-Fahrzeuge, die eine Fahrt durch die Stadt Bern anboten. Verständlicherweise kam es auch hier zu Wartezeiten.

 

Das Gedächtnis des Staats

In der Nähe der Nationalbibliothek lud eine riesige Sammlung zum Besuch ein. Was vielen nicht bewusst ist: Diese Sammlung ist auch ausserhalb der Museumsnacht jederzeit öffentlich und unentgeltlich zugänglich. Die Rede ist von der Datensammlung des Schweizer Bundesarchivs.

 

Dort, in Räumlichkeiten, die sich zu einem grossen Teil unterirdisch erstrecken, lagert das “Gedächtnis des Staates”. Dieses enthält 60 Kilometer Unterlagen zu politischen und rechtlichen Themen, Fotos, Ton- und Filmdokumente sowie unzählige digitale Daten.

 

Normalerweise dürfen diese Daten nur in den Lesesälen betrachtet werden. Während der Museumsnacht ist es ausnahmsweise erlaubt, in die Eingeweide des Archivs hinab zu steigen. Über enge Stiegen gelangt man weiter unter die Erde. Aussehen tut es dort wie in einem militärischen Schutzbunker. Zu schützen gibt es hier viel – die Magazine müssen vor Feuer und Wasser sicher sein. Das Gedächtnis der Schweiz soll schliesslich intakt bleiben.

 

Fotosammlung “Aktivdienst Erster Weltkrieg”

Zu bestaunen gibt es abgesehen von dem Innenleben des Archivs noch eine Sammlung mit Militärfotos aus der Zeit des ersten Weltkriegs. Diese Fotos zeigt die Armee bei ihren militärischen Tätigkeiten. Diese Fotosammlung, die über fünftausend digitalisierte Glasplattennegativen beinhaltet, ist auch online auf der Seite des Bundesarchivs einzusehen. Reinschauen lohnt sich!

 

Langweilig war an diesem Abend jedenfalls keins der Museen. Jedes zeigte sich in seinen schillerndsten Farben und entführte die Besuchende genau so sehr in exotische Welten, wie ins Herz unseres eigenen Landes. Die Museumsnacht macht Lust auf mehr. Denn ein einziger Abend reicht niemals aus, um all die Wunder zu sehen, die in den Berner Museen auf Besuchende warten.