Kultur | 02.03.2014

Trotz Alter keine Tiefe

Text von Simon Keller | Bilder von zVg / cineworx
Die Komödie "Enough Said" von Nicole Holofcener erntete im Vorfeld viele positive Kritiken. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Film. Leider enttäuscht er in jeder Hinsicht. Schuld daran sind vor allem das uninspirierte Drehbuch und teils schwache schauspielerische Leistungen.
Trotz reifen Schauspielern kein Film mit Tiefgang.
Bild: zVg / cineworx

In letzter Zeit hat man das Gefühl, eine erfolgreiche Komödie könne nur mit perfekt aussehenden HauptdarstellerInnen in den Zwanzigern produziert werden. Es ist erfrischend zu sehen, dass es Filme gibt, in denen unkonventionellere Protagonisten ausgewählt werden.

So auch in Enough Said: Eva (Julie Louis-Dreyfus) ist Mitte vierzig, geschieden und hat eine Tochter, die bald aufs College gehen wird. Auf einer Party lernt sie Albert kennen, der ebenfalls geschieden ist und eine Tochter im gleichen Alter hat.

 

Obwohl Albert übergewichtig und nicht allzu taktvoll ist, verstehen sich die beiden bei ihrem ersten Date gut und lassen sich bald auf eine Beziehung ein.

Ohne zu wissen, mit wem sie es zu tun hat, lernt Eva jedoch auch Alberts Exfrau kennen, die in jeder freien Sekunde über ihren Exmann herzieht. Dass der Moment der Wahrheit nicht weit weg und Dramatik vorprogrammiert ist, lässt sich leicht vorhersagen.

 

Oberflächlichkeit und Langweile

Leider ist vieles im Film vorhersehbar. Überraschungsmomente gibt es kaum, die Witze sind durchschaubar und wenig originell. Der Film versucht immer wieder verzweifelt, Komik zu erzeugen, zum Beispiel bei einem gemeinsamen Nachtessen, bei dem Eva zu viel trinkt – doch die Versuche wirken oft zu gezwungen.

 

Amerikanische Klischees

Auch der Versuch, Protagonisten mit Ecken und Kanten zu schaffen, gelingt nicht. Denn ausser der Tatsache, dass beide geschieden und nicht mehr die Allerjüngsten sind, erfüllt sich beinahe jedes amerikanische Klischee: Man lebt in einem eigenen Haus in den Suburbs, wo das Wetter immer nett ist, man hat einen ordentlichen Job, in der Freizeit geht man in schicke Restaurants oder ins Kino und das Geld fliesst zur Genüge. Kurz gesagt: Sämtliche Protagonisten haben keine wirklichen Probleme.

Und so will man diversen Figuren regelmässig eine Ohrfeige verpassen, wenn sie darüber diskutieren, wie sie die Haushaltshilfe am besten entlassen können, ob man die Möbel ständig umstellen sollte oder wie man mit Zellulite klarkommen kann.

 

Hinter dem Schein von älteren reiferen Menschen steckt genau die Oberflächlichkeit, die schon in den meisten anderen Komödien auf die Nerven geht. Dies macht die Protagonisten farblos und die Dialoge gähnend langweilig und beliebig.

 

Dürftige Schauspieler

Auch die Schauspieler können das konventionelle Drehbuch und die langweiligen Charaktere nicht retten. Im Gegenteil: Hauptdarstellerin Julie Louis-Dreyfus geht mit ihrer gekünstelten Art und der übertriebenen Mimik bald auf die Nerven und schafft es nicht, den Zuschauer in den wenigen ernsten Momenten zu berühren.

 

Auch alle anderen Darsteller sind höchstens mittelmässig. Der einzige Lichtblick ist der inzwischen verstorbene James Gandolfini, dem man den knuffigen Eigenbrödler abkauft und den man schnell ins Herz schliesst. Doch auch seine Leistung kann das schlechte Drehbuch in keiner Weise retten.

 

Mangelnde Kreativität

Somit ist der Film durchwegs ein Ärgernis. Am meisten stört jedoch nicht, dass das Drehbuch vorhersehbar, das soziale Milieu gewohnt und die Charaktere oberflächlich sind, sondern dass der Film vorgibt, reif, smart und tief zu sein.

Auf diese Weise hat er es sogar ins Programm von Art-House-Kinos geschafft, wahrscheinlich aufgrund der positiven Kritiken, die zum Trugschluss führten, es sei ein künstlerisch hochstehender Film.

 

Dass sich Filmkritiker allein mit der Tatsache begnügen, dass die Protagonisten über Vierzig und geschieden sind, zeigt auch, welch ein Einheitsbrei die heutigen (amerikanischen) Komödien sind und wie sehr echte Kreativität in diesem Genre fehlt.

Bis sich dies ändert, kann nur geraten werden, die Finger von Mogelpackungen wie Enough Said zu lassen und stattdessen lieber einen neuen Film mit Ashton Kutcher oder Mila Kunis anzuschauen. Der mag nicht besser sein, doch wenigsten weiss man da, was man bekommen wird.