Politik | 20.03.2014

Tierschutz ist Vereinssache

Text von Stephanie Bos | Bilder von Stephanie Bos
Kantonale Tierschutzaufgaben in Basel werden zu einem grossen Teil vom Verein "beider Basel" übernommen. Weil der Kanton nicht zahlen will, fehlen dem Verein sechs Millionen Franken.
Auch dieser Hund wartet im TdB-Tierheim auf ein neues Zuhause.
Bild: Stephanie Bos

Eine herkömmliche Zwei-Zimmer-Wohnung in Basel West. Ein Hund verbringt sein Leben hinter verschlossenen Türen. Gassi gehen, das gab es für ihn nie. Die Nachbarn und der Vermieter haben den Hund lange nicht zu Gesicht gekriegt. Hier werden Tierschutzgesetze gebrochen. Die Nachbarn rufen den Tierschutz beider Basel an. Es ist eine von jährlich über zweihundert Verdachtsmeldungen.

 

Die Opfer bleiben vorerst zurück

Die Tierschutzbeauftragten sind nach kurzer Zeit vor Ort. Der Besitzer des Hundes redet sich um Kopf und Kragen. Doch die Tierschützer bleiben konsequent. Das Aussehen der Wohnung verrät, was hier passiert. Der Hund verrichtet seine Notdurft auf dem Balkon. Der Betonboden ist vollständig mit Tierkot bedeckt. Ein alter Plastikstuhl steht zentimetertief im Dreck. Der Gestank brennt in der Nase. Die Tierschützer diskutieren, erklären, sehen die Not des Tieres und können im Moment dennoch nichts tun.

 

Béatrice Kirn, Geschäftsleiterin vom Tierschutzverein beider Basel erklärt, dass ihr Verein im Gegensatz zu anderen Tierschutzvereinen in der Schweiz die Tiere nicht beschlagnahmen darf. Dieses Recht obliegt allein dem Veterinäramt des Kantons Baselstadt. Der Vertreter des Staates, so Dr. Lazslo vom Veterinäramt (BS), schreitet nur in Härtefällen ein. Dann erst, wenn die Tierschützer mit Beratung nichts erreichen können, wenn Reden keine Verbesserungen bringt.

 

Der staatliche Vertreter schreitet ein

Der Tierschutzverein informiert also das Veterinäramt über den Fall mit dem Hund in der Zwei-Zimmer-Wohnung und diese gehen dieser Meldung sofort auf den Grund. Innerhalb weniger Tage sind die Beamten des Veterinäramts vor Ort. Auch sie erfassen die Lage und wissen: Hier wird gegen Tierschutzgesetze verstossen. Das Tier wird unrechtmässig gehalten. Die Bewegungsfreiheit ist nicht garantiert. Die Würde des Tieres wird missachtet. Die Beamten nehmen den Hund mit. In der Tierstation des Amtes, im Schlachthof Basel, werden beschlagnahmte Tiere “eingestallt”, wie es im Jahresbericht 2012 des Veterinäramts heisst. So auch der Hund, der dort nun auf ein hundewürdiges Dasein wartet.

 

Tiere sind Eigentum

Im Schlachthof nahe der schweizerisch- französischen Grenze kann der Hund aber nur auf Weiteres bleiben. Denn dieser Hof ist Ort der Nutztierschlachtung und deshalb Sitz des Veterinäramts. Es ist ein weiteres ihrer Aufgabengebiete, die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Hier werden Tiere für den menschlichen Verzehr geschlachtet. Kein Ort also für ein Tierheim.

 

Der Hund muss aber hier bleiben. Denn noch ist er Eigentum seines Halters. Dr. Lazslo erklärt, dass der Hund solange in öffentlichem Gewahrsam bleiben muss, bis er dem Halter rechtlich entzogen werden kann. Das bedeutet, dass ein Verfahren gegen den Halter eingeleitet werden muss. Oder dieser verzichtet nach Artikel 26 der Verordnung betreffend der Haltung von Hunden 2007 auf sein Tier und erspart sich damit auch weitere Unterkunftskosten des Hundes. Der Jahresbericht des Veterinäramts Baselstadt zeigt, dass dies bei weniger als 5 Prozent der Verdachtsfälle zutrifft.

 

Hunde-Entzug

Das Verwaltungsgericht entscheidet nach 30 Tagen, dass der Hund dem Besitzer rechtlich entzogen wird. Dann endlich gelangt er in die professionellen Hände des Tierschutzes, die das grösste Tierheim des Kantons betreiben. Béatrice Kirn sagt, dass alle beschlagnahmten Tiere im Tierheim des Tierschutz beider Basel landen.

 

Denn nachdem die rechtlichen Schritte vollzogen sind, übergibt der Staat die Tiere an den Verein. Der Hund wird fortan vom Tierschutz beider Basel betreut und weiter vermittelt. An ein neues Herrchen oder Frauchen, die sich mit Liebe um das Tier kümmern werden. Bis sich jemand findet, dauert es durchschnittlich drei Monate sagt Béatrice Kirn.

 

Die Kosten für die Unterkunft und Pflege, die dem Tierheim anfallen, trägt allein der Verein. Das sei ganz im Sinne der Spendenden meint dazu Dr. Laszlo. Obwohl der Tierschutzverein hiermit eine für das Tier notwendige Leistung erbringt, die das Veterinäramt als staatliche Vertretung nicht übernehmen kann, bezahlt der Kanton keinen Rappen an den TbB. Dass das fragwürdig ist, findet Thomas Märki von der Tierpartei Schweiz, die die Finanzierung der Tierheime als Sache des Bundes sehen. Doch die Durchsetzung dieses Statuts liegt in weiter Ferne.

 

Ein Heim für Tiere

Zurzeit wird das Tierheim umgebaut. Denn die neuen Tierschutzgesetzte verlangen Anpassungen an die bisherige Infrastruktur. Dafür hat der Tierschutzverein mit der Kampagne Basel zeigt Härz bis anhin Spenden gesammelt. Doch die Finanzierung des Baus übersteigt die Möglichkeiten des TbB. “Es fehlen rund sechs Millionen Schweizer Franken”, erzählt Béatrice Kirn. Dieses Geld wurde nun beim baselstädtischen Grossen Rat wie auch beim basellandschaftlichen Landrat in Antrag gestellt. Der Tierschutzverein erhofft sich ein zinsloses Darlehen oder eine Defizitgarantie. Weder der Grosse Rat noch der Landrat haben bis jetzt eine Entscheidung getroffen.

 

Sparmassnahmen

Solange für den Hund aus Basel West noch kein neues Zuhause gefunden werden kann, wird er den Verein, trotz Sparmassnahmen, noch einiges an Geld kosten. Doch das spielt für den TbB keine Rolle. Die Vermittlung dauert länger als drei Monate, weil die Tiere nicht dem Erstbesten, der sich meldet, abgegeben werden. Jeder Anwärter auf ein Heim-Tier wird detailliert geprüft, damit sich ein grausiges Tierschicksal wie bei unserem Hund nicht wiederholen kann.