Gesellschaft | 30.03.2014

Heimkehr und doch Fernweh

Text von Tamara Keller | Bilder von zVg
Vor drei Jahren am 2. Mai traten Angela Friedel und Philipp Porsche ihre Weltreise an. In 14 Monaten erkundeten die beiden 21 Länder in Europa, Nord- und Mittelamerika und legten mehr als 21'000 Kilometer zurück. Das Besondere dabei: Für die gesamte Strecke nutzten sie als Fortbewegungsmittel das Fahrrad. Jetzt steht fest: In knapp drei Monaten werden die zwei Abenteurer wieder in die Pedale treten.
Ich packe meinen Koffer und nehme mit: zwei Velos, zwei Rucksäcke und - das wars.
Bild: zVg

Kurz nachdem Philipp und Angela die Grenze von den USA nach Mexiko überqueren, wartet dort schon Julia auf die beiden. Den Kontakt haben sie über Couchsurfing geknüpft und mit dem Taxi soll es nun zu Julia nach Hause gehen. Doch wohin mit den Fahrrädern? “Geht nicht, gibt es nicht!”, meinte Julia dazu. Es folgte eine abenteuerliche Taxifahrt, bei welcher die Fahrräder auf dem Dach des Taxis mit den Händen festgehalten wurden. Im Land der lebensfrohen Mexikaner heißt es auch: “Gesetze in Mexiko sind wie Kaugummi. Nämlich dehnbar!”

 

Die 27-jährige Angela und der 29-jährige Philipp leben zur Zeit in Lörrach, nahe der Schweizer Grenze. Von Beruf ist Philipp Elektriker und Angela gelernte Erzieherin. Wegen ihrer Reise, aber auch weil sie jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, wird sie von ihren Kindergartenkindern liebevoll “Fahrrad-Angela” genannt.

 

Bereits entdeckt

Bei der letzten Reise führte sie ihr Weg von Deutschland über Frankreich und die Benelux-Staaten nach Skandinavien. Darauf folgte Island, von wo aus Angela und Philipp mit dem Flugzeug nach Kanada reisten. Weiter verlief die Strecke über die USA, Mexiko, Belize, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und schlussendlich Panama. “Panama bildete ein schönes Ende fürs Erste: Wegen der fehlenden Grenzverbindung über Land nach Kolumbien wird es oft auch als Ende der Welt betrachtet”, erklärt die 27-Jährige.

Auf die Idee vor drei Jahren, die Welt per Fahrrad zu entdecken, kamen die beiden, “weil wir Gegner von Flugreisen und insbesondere Kurstreckenflügen sind und bis dahin noch nicht viel gereist sind.”

 

Entdeckungsdrang

“Nach 14 Monaten waren unsere Eindrücke erst einmal gesättigt und es hat uns gereicht”, erzählt Angela. Trotzdem spukte bereits bei der Heimkehr die Idee im Hinterkopf, irgendwann noch mehr zu entdecken. So erfolgte der erste Planungsschritt für die zweite Reise bereits im April 2013, indem sich Angela einen Fahrrad-Reiseführer zulegte. Vorerst aber nur, um darin stöbern. Dass es weitergehen soll, war aber definitiv klar. Nur die genauen Antworten auf die Fragen wann und wohin, blieben zunächst im Unklaren.

 

Der neue Alltag

Der Grund warum Angela und Philipp sich ausgerechnet auf zwei Rädern fortbewegen ist vor allem einer: Freiheit. “Man hat nur die Verantwortung für sich selbst, seinen Partner und die 50 Kilogramm Gepäck und Fahrräder”, beschreibt die Kindergärtnerin das Gefühl, welches auch ein großer Beweggrund für die zweite Reise ist.

 

Zudem empfinden die beiden die Freiheit als Kontraprogramm zum Alltag. “Von außen hat man oft eine abenteuerliche Vorstellung von so einem Trip”, schildert Angela die Eindrücke von Personen aus dem Umfeld. In Wirklichkeit entsteht aber eine gewisse Routine während der Reise: “Man steht auf, frühstückt, packt seine Sachen zusammen, schwingt sich auf das Rad, dann gibt es eine Mittagspause, eventuell eine Kaffeepause und am Abend sucht man sich einen neuen Schlafplatz und so weiter. Aus dem Abenteuer wird sozusagen ein neuer Alltag.”

 

Geschichten teilen

Abwechslung in den Reise-Alltag der Abenteurer brachten immer wieder neue Bekanntschaften, die sie während dem Reisen antrafen. “Glücklicherweise haben wir immer mit gleichgesinnten Fahrradreisenden Freundschaften geknüpft, wenn eine einsame und raue Gegend zu befahren bevorstand.” So haben sie auf der Fähre nach Island die beiden Reisenden Caro und Erik kennengelernt. “Es gibt nichts besseres als Geschichten zu teilen.” Da die Chemie stimmte, erkundeten sie das Land, welches vor ihnen lag dann gemeinsam. Zwischen den vier besteht auch heute noch reger Kontakt.

 

Liebe auf den ersten Blick

Die Ideen für die Planung der neuen Reiseroute tendierten oft dazu, eine ganz andere Richtung einzuschlagen. Im Gespräch war unter anderem die Türkei. “Doch irgendwie bemerkten wir, dass uns Südamerika nicht mehr los ließ. Wir hatten uns aus einem unbekannten Grund in dieses Land verliebt.” Deshalb stand fest, dass es bei der zweiten Reise weiter südlicher auf der Karte gehen wird: Geplant ist eine Strecke über Frankreich nach Portugal. Dann mit dem Flugzeug weiter nach Kanada. Dort radeln sie die Ost-Küste entlang bis in die USA nach Miami.

 

Von der US-Millionenstadt werden sie in die Hauptstadt Kolumbiens fliegen, nach Bogotá. Weiter geht es dann die Schnellstraße Panamericana entlang, bis Philipp und Angela ein weiteres “Fin del Mundo” (Ende der Welt) nämlich Ushuaia, die südlichste Stadt Argentiniens, erreichen. Das wäre vor allem im November oder Dezember machbar, da es zu dieser Zeit dort nicht so kalt und vor allem schneefrei ist.

 

Auf Worte folgen Taten

Definitiv in die Tat umgesetzt, ist der Plan seit sieben Wochen. Denn da haben die beiden den Flug von Portugal nach Kanada gebucht. Es ist die einzige Deadline, an die sie sich wirklich halten müssen. Den zweiten Flug werden sie unterwegs buchen. So sind die beiden an keinen genauen Zeitplan gebunden und können spontan an dem Ort, wo es ihnen gefällt, länger verweilen. “Wer weiss, ob wir überhaupt beim geplanten Ziel ankommen”, schmunzelt Philipp.

 

Auch die Vorbereitungen kommen allmählich ins Rollen. Päckchen für Päckchen frischen die zwei ihre Ausrüstung wieder auf. Zum Beispiel musste eine neue Kamera her, da die letzte drei Tage bevor sie wieder zuhause waren, verloren ging. “Dieses Mal haben wir zwei bestellt.”

 

Zwischenlager

Für die Zeit ihrer Abwesenheit, lagern sie all ihr Hab und Gut in einer Garage ein, künden ihre Wohnungen und sämtliche Dienstleistungen. Und der Tag, an dem die Garage wieder gefüllt wird, ist nur noch sieben Monate entfernt. Langsam aber sicher macht sich deshalb die Vorfreude bei Angela und Philipp breit.

 

Jetzt in der Vorbereitung lässt sich noch jeder Schritt planen. Doch, ob die zwei schlussendlich wirklich am Ende der Welt ankommen, mit wem sie alles gemeinsam Geschichten teilen dürfen und wie lange sie überhaupt durch die Welt bummeln werden, steht noch in den Sternen. Aber schließlich ist es das Ungewisse, was einen Teil dieses Freiheitsgefühls ausmacht.