Gesellschaft | 21.03.2014

Hallo Herr und Frau Schweizer

Sie fragen sich vielleicht, warum Sie von heute an jede Woche einen Brief aus Deutschland lesen sollten. Wir antworten: weil Sie uns brauchen!
Manchmal können sich die Deutschen mit Arroganz nicht zurückhalten. Deshalb erhält Tink.ch jeden Freitag Briefpost vom grossen Kanton.
Bild: Katharina Good

Als großer Bruder der Schweiz und Vorbild für Ihr Land ist es unsere moralische Pflicht, Ihnen beratend zur Seite zu stehen. Sie merken es ja selber: seit Jahren läuft es schief in der Schweiz. Ihr Ländli tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Warum machen Sie das? Wir werden Sie von heute an wöchentlich darauf hinweisen und viele hilfreiche Tipps geben, was Sie tun können, damit sie vielleicht schon in wenigen Jahren da stehen, wo Deutschland bereits seit Jahrzehnten steht: ganz, ganz oben in der Beliebtheitsskala.

 

Bevor wir anfangen, müssen wir klarstellen, dass wir ihr Land mögen und schätzen. Wir mögen Ihre wunderschöne Hauptstadt Zürich und lieben die königliche Familie, die hoch oben in den Alpen über Wohl und Wehe der Eidgenossen wacht. Und ehrlich beeindruckt sind wir Deutsche über Ihren famosen Käse – kaum ein Brot in deutschen Haushalten kommt ohne herrlich duftenden Gouda aus.

 

Sofort, nachdem wir beschlossen hatten, diese Kolumne zu schreiben, haben wir uns zum ersten Mal mit Ihrem Land auseinandergesetzt und uns in die Presselandschaft eingelesen.

 

Was dann umgehend negativ ins Auge fällt und den geneigten ausländischen Leser verstört und fassungslos zurücklässt, ist Ihr offener, ja fast stolzer Umgang mit Ihrer rechtsnationalistischen Zunft.

 

Fast täglich lesen wir von “Natis”, die irgendetwas angeblich Großartiges geleistet haben sollen. Wir stören uns weniger an den orthografischen Mängeln – ein “t” kann man durchaus mit einem “z” vertauschen – vielmehr können wir aus eigener Erfahrung sagen, dass ein solch offensiver Umgang mit der Thematik einfach auf Dauer nicht gut gehen kann. Glauben Sie uns. Das geht so nicht!

 

Wir dürfen in Deutschland keinen Nati-Helden feiern, was wir sehr bedauerlich finden. Und auch einen Kult-Nati dürfen wir aus bestimmten Gründen, die hier nichts zu suchen haben, nicht mehr haben. So sehr wir Sie beneiden: so etwas darf man einfach nicht.

 

Sie als Schweizer können froh sein, dass nur wenige Menschen auf diesem Erdball wirklich wissen, wer Sie sind. Klar, man kennt Ihre Berge, die Fjorde und die wunderschönen Landschaften, aber nur wenige außerhalb des Landes verfolgen Ihre Medien. Nicht auszudenken, wenn noch mehr Deutsche oder – Gott bewahre – Österreicher sich ernsthaft mit der Schweiz auseinandersetzen würden und Überschriften wie “Nati-Puff in Zürich” entdeckten. Und nochmal: wir meinen das alles hier positiv! Wir wollen Euch nur helfen! Also bitte nicht falsch verstehen, wenn wir Euch zurecht maßregeln.

 

Bis nächste Woche.

 

Herzlichst,

 

Ihr Deutschland