Kultur | 05.03.2014

Gott segne Amerika

Als die Tarnung von Irving Rosenfeld und Sydney Prosser auffliegt, müssen sie mit dem FBI kooperieren. Gemeinsam mit dem FBI jagen sie nun bestechliche Politiker und Mafiabosse. Der Regisseur David O. Russel vertraut auf ein Starensemble für seinen dramatischen und zugleich lustigen Film über amerikanische Gauner.
Rosalyn Rosenfeld (Jennifer Lawrence) präsentiert ihren duftenden Nagellack aus der Schweiz.
Bild: zVg/Copyright Ascot Elite Entertainment Group

Zu Beginn mag sich der Zuschauer gefragt haben, ob er sich in eine 70er-Jahre Version der Oceans-Filmreihe von Steven Soderbergh verirrt habe. Doch die Verwirrung löst sich schnell auf: Hier tritt an die Stelle eines geschniegelten George Clooney ein fettleibiger, zweifelnder Protagonist. Gefolgt von einer tollpatschigen Hausfrau und einem arabischen Scheich, der eigentlich Mexikaner ist.

 

Aber von vorne: Der bierbauchige Irving Rosenfeld (Christian Bale) und seine Geliebte Sydney Prosser (Amy Adams) sind ein Gangsterpärchen, welches mit Trickbetrügereien das grosse Geld verdient. FBI Agent Richi DiMasso (Bradley Cooper) deckt die Machenschaften des Pärchens auf. Mit Hilfe der beiden versucht er an die grossen Fische der New Yorker Kriminellen, unter anderem ein angeblich korrupter Politiker (Jeremy Renner), zu gelangen.

 

Inspiration aus der Vergangenheit

American Hustle basiert auf einer wahren Geschichte. Der Film erzählt von einer FBI Operation, namens Abscam, aus dem Jahr 1978. Damals sah das FBI ein, wie wertvoll ein geschnappter Trickbetrüger für zukünftige Operationen gegen das organisierte Verbrechen sein konnte. Durch ihn erfuhren sie, dass die meisten Politiker korrupt waren und die Rückendeckung der Mafia genossen. Das FBI erfindet einen Scheich, der sein Geld in die Casino Stadt Atlantic City investieren möchte. Der Bürgermeister, der von der Idee damals begeistert war, hob kurzerhand Gesetze auf und bestach Senatoren. Die Straftaten konnten anhand von versteckten Kameras bewiesen werden. Ähnlich wie Argo wurde diese FBI-Operation nun verfilmt.

 

Das goldene Männchen

Mit insgesamt zehn Nominierungen stieg American Hustle ins Rennen um die Oscars. Als einziger Film dieses Jahr war er für die “Big Five” nominiert. Zuletzt gelang es dem Film ‚”Das Schweigen der Lämmer”‘ im Jahre 1992, die “Big Five” zu gewinnen. Als “Big Five” werden bei den Oscars die Kategorien bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin sowie bestes Drehbuch bezeichnet. Trotz der Vorschusslorbeeren ging der Film leer aus und zählt dieses Jahr zu den grossen Verlierern der Oscars.

 

Der ewige Soldat

Trotz fehlender Auszeichnungen, trumpfen die Schauspieler in American Hustle gross auf. Zum Beispiel Jeremy Renner, der spielt einen Bürgermeister, welcher unter Korruptionsverdacht steht. Bislang mimte Renner Soldaten, Kämpfer-Typen oder Überlebenskünstler. In American Hustle überzeugt er mit einer Authentizität, die anderen Charakteren im Film fehlt.

 

Zum Putzen tanzen

Dafür überzeugen diese mit andern Qualitäten, so zum Beispiel Jennifer Lawrence. Sie zeigt ihre Fähigkeiten im Umgang mit komplexen Charakteren. Nach ihrer Rolle in Silver Linings Playbook spielt sie dieses Mal eine selbstgefällige, junge Mutter.

Zum Putzen tanzt sie und auch sonst ist sie immer gut für einen Lacher. So nimmt sie nimmt zum Beispiel Alufolie und steckt diese in die Mikrowelle, weil sie nicht glauben kann, dass dies keine gute Idee ist. Resultat: ein Brand. Erst jetzt wird ihr klar, weshalb ihr Ehemann (Christian Bale) sie davor warnte.

 

Im Grunde genommen ist es eine 0815 Geschichte, die alle zwei Jahre in die Kinos kommt. Was diesen Film herausstechen lässt, ist die Umsetzung und Detailversessenheit. Nebst den Kostümen, überzeugt die Musik und in erster Linie die Schauspieler. Ein gelungenes Zusammenspiel zwischen Komödie und Kriminalgeschichte. Was Martin Scorsese, Steven Soderbergh und Quentin Tarantino können, packte David O. Russel hier in einen Film.