Kultur | 10.03.2014

Die Pointe im Detail versteckt

Wes Anderson führt in seinem neuen Film The Grand Budapest Hotel die Zuschauer über die Geschichte der Geschichte zur Geschichte des Concierge Monsieur Gustav und seinem Lehrling, dem Lobby-Boy Zéro Moustafa. Die Geschichte zeigt sich als parodistische Reise durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Satte Farben und ein aussergewöhnliches Filmformat.
Bild: zVg / Twentieth Century Fox Film Corporation

Die eigentliche Geschichte des neusten Streichs Wes Andersons ist verpackt in drei Rahmenhandlungen. Gegliedert in fünf Kapitel wird die Geschichte des Concierge Monsieur Gustav, der seine Aufmerksamkeit gerne älteren Damen schenkt, und seinem Lehrling, dem jungen Lobby-Boy Zéro Moustafa, erzählt. Als plötzlich eine von Gustavs Liebhaberinnen stirbt, beginnt die Suche nach Beweisen für die Unschuld Gustavs.

 

Die Ausführung der Geschichte soll damit enden. Stünde hier weiteres über den Inhalt des Streifens, wäre jede Pointe, Spannung und Ironie verschenkt. Der Film spricht durch die Blume, verpackt geschichtliche Ereignisse in parodistische Szenen und reist durch die Zwischenkriegszeit, den Nationalsozialismus und den Kommunismus. Das soll und darf jeder selber entdecken.

 

Der Wes-Andersons-Baukasten

The Grand Budapest Hotel ist gespickt mit Wes Andersons Markenzeichen. Markenzeichen, die zu festen Baubestandteilen seiner Filme wurden. So zum Beispiel das Fundament: Zwei Protagonisten begeben sich auf eine aufregende Reise.

Dies ist aber nicht die einzige Bausubstanz aus dem Anderson’schen Baukasten, die in seinem neusten Streifen Anwendung findet. So bilden die naiven Bilder in satten Farben, die geometrische Kameraführung und das schneller werdende Tempo des Filmes bis hin zur Explosion den typischen Rohbau eines Anderson-Filmes.

Danach wird das Haus mit dem üblichen Material verkleidet, so erzählt der Regisseur und Drehbuchautor die Geschichte wie gewohnt sanft und versieht das Ende mit einer Moral.

 

Auch bei der Belegung der Zimmer treffen die Schauspieler auf alte Nachbarn, so zum Beispiel Adrian Brody oder Bill Murray. Neu dabei ist der Jungschauspieler Toni Revolori, der die Rolle des Zero Moustafa übernimmt, und einen gelungen Einstand im Anderson-Ensemble feiert.

 

Neues und Details

Das ungewohnte Filmformat zeigt, dass sich der Regisseur mit Neuem ausprobiert und von seinem Plan abweicht. Jede Erzählebene ist gekennzeichnet durch eine bestimmte Darstellungsweise und so kommt es, dass die Hauptgeschichte in einem fast quadratischen Format zu sehen ist.

 

Unterhaltsam sind auch die vielen kleinen Details, in denen stets eine Prise Witz enthalten ist. Hierzu gehört die Jodelmusik die als Ein- und Ausklang des Filmes Anfang und Ende des Filmes markieren. Oder die Sprache des Monsieur Gustavs, der innerhalb eines Dialoges zwischen gehobener und vulgärer Sprache variiert.

 

Interpretation fakultativ

Nun bleibt jedem Zuschauer die Möglichkeit zur eigenen Interpretation. Wer kreativ und aufmerksam bleibt, entdeckt beispielsweise Parodien auf Sotchi 2014 oder die Ausländerpolitik des Westens. Ob das von Wes Anderson gewollt ist? Man müsste ihn fragen.

Doch wie der deutsche Dichter und Schriftsteller Enzensberger einmal schrieb, liegt die Interpretationsbefugnis nach der Veröffentlichung eines Werkes nicht mehr beim Künstler sondern beim Betrachter.

In diesem Film gilt die Devise: Wer möge, der wolle. Auch ohne Interpretationslust ist der Film ein Kinobesuch wert, denn es ist ein Farben-, Witz- und Kostümkunstwerk.