Kultur | 05.02.2014

Ueli Maurers Pommes-Frites-Automat

Text von Joëlle Simmen | Bilder von zVg, Alexandra Stark
Liest jemand den Titel des Films im Programmheft der Solothurner Filmtage, wird diese Person im ersten Moment ins Stocken kommen. Schnell werden aber die ersten politisch angehauchten Assoziationen über Bord geworfen und die Zuschauenden können sich auf eine authentische Dokumentation einlassen.
Zwei Quereinsteiger mit Charme: Stephan Hille und Ueli Maurer.
Bild: zVg, Alexandra Stark

Der Film «Ueli Maurers Pommes-Frites-Automat« handelt nämlich nicht vom Bundesrat Ueli Maurer, sondern von seinem Namensvetter. Dieser ist Kartoffelbauer und – was viel wichtiger ist – Erfinder des Pommes-Frites-Automaten.

 

Der 70-Jährige aus dem Zürcher Unterland entspricht dem, was man unter dem Klischee eines richtigen Schweizers verstehen könnte. Er ist alteingesessen in seinem Dorf, omnipräsent bei allen Volksveranstaltungen (natürlich stets mit seinem Automaten), ist stur und durch nichts von seinem Plan abzubringen. Zehn Jahre lang tüftelte und schraubte er an einem Pommes-Frites-Automaten, an dem viele vor ihm schon gescheitert sind und der ihn im Laufe der Jahre drei Millionen Franken gekostet hat.

 

Wenn die Berufung ruft

Journalist Stephan Hille hat Ueli Maurer mit seiner Kamera begleitet. 2007, als er noch bei cash TV arbeitete, wurde er durch eine Kleinanzeige im Tagesanzeiger auf Ueli Maurer aufmerksam. Darin war die Rede von einem Kartoffelbauer, der einen Pommes-Frites-Automaten an einer Tankstelle in Kleinandelfingen für einen Langzeittest positioniert hat. «Da hat es bei mir geklingelt«, sagt Stephan Hille. Es sei wie Liebe auf die erste Kameraeinstellung gewesen, und das Thema liess den gebürtigen Dortmunder nach dem ersten Fernsehbericht nicht mehr los.

 

Dass Maurer 2009 an die weltgrösste Kartoffelmesse in Holland ging, gab Hille Anlass für einen zweiten Bericht für cash TV. Ueli Maurer zeigte sich zunehmend spannend und witzig, bis 2011 der Pommes-Frites-Automat seinen Auftritt in der Kinderquizsendung «1,2 oder 3« auf ZDF hatte. «Das ist der Moment, etwas Grösseres daraus zu machen«, dachte sich Stephan Hille, kündigte seinen Job bei cash TV, kaufte sich eine Kamera und begann, einen Film über den Kartoffel-Pommes-Frites-Automaten-Erfinder zu drehen. «Für mich war das wie eine Berufung. Ich war dazu verurteilt, diesen Film zu machen.«

 

Ein Kinofilm entsteht

Wegen Finanzierungsproblemen wurde ein Crowdfunding via wemakeit.ch ins Leben gerufen. Dadurch wurde Reto Caduff von Pixiu Films auf ihn aufmerksam. An der Premiere am 24. Januar im Palace anlässlich der Solothurner Filmtage sagte dieser über Hille: «Da kam einfach ein verrückter Typ mit einer verrückten Geschichte.« Offenbar war es auch eine überzeugende Geschichte, denn Caduff wurde zum Co-Poduzenten und gab den nötigen Input und die nötigen finanziellen Mittel, um aus dem 52-minütigen Fernsehfilm einen 72-minütigen Kinofilm entstehen zu lassen.

 

Glück muss man haben

Stephan Hille betont, dass er einige Male Glück hatte. Es seien ihm die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort begegnet. So auch der Cutter Felix Balke, der im Interview verriet, dass er auch immer wieder mal gratis an Projekten mitarbeite, die ihm Spass machen.

Auch Ueli Maurer hatte Glück und traf in den richtigen Momenten jene Menschen, die ihn schlussendlich ans Ziel brachten.

 

Es erstaunt nicht, dass die Reaktionen auf den Film seitens der Medien und des Publikums überaus positiv sind.  Wenn der charismatische Protagonist die Eigenschaften eines perfekten Pommes Frites mit einer derartigen  Leidenschaft erklärt, übersieht man gerne, dass der Film sonst wenig kinematografische Höchstleistungen erbringt und dass die Qualität der Aufnahmen zum Teil zu Wünschen übrig lässt. Das ist mitunter darauf zurückzuführen, dass die Aufnahmen vor sieben Jahren für das Fernsehprogramm konzipiert wurden, und nicht fürs Kino. Dennoch ist es allen Pommes-Frittes-Liebhabenden zu empfehlen, die Pommes Frites aus Ueli Maurers Pommes-Frites-Automaten zu probieren. Sie sind so perfekt, wie sie Ueli Maurer im Film anpreist.