Kultur | 06.02.2014

Preisgekröntes Drama

«Ich will nicht überleben, ich will leben!" Mit diesem Satz des Hauptdarstellers Solomon beginnt der Film "12 years a slave". Diese Worte begleiten die Zuschauenden durch die ganze Geschichte hindurch. Das Leben von Solomon, eines angesehenen Geigenspielers aus New York, ändert sich schlagartig - durch eine fatale Entscheidung.
Sklavenarbeit auf der Baumwollplantage.
Bild: zVg/Copyright Ascot Elite Entertainment Group

12 years a slave (Regie Steve McQueen) beginnt mit einer Gruppe von Menschen, die vor einem Baumwollfeld stehen. Etwas fällt den Zuschauenden sofort auf: Die Menschen sind alle dunkelhäutig, tragen schmutzige Klamotten und blicken betrübt in die Weite. Es handelt sich um Sklaven. Einer davon ist Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor).

 

Ein Schicksal nimmt seinen Lauf

Saratoga, New York 1841. Solomon Northup ist ein wohlhabender, dunkelhäutiger Mann, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in der Vorstadt von New York lebt. Wie jedes Jahr verabschiedet sich seine Frau mit den gemeinsamen Kindern für eine Geschäftsreise. Niemand ahnt, dass es ein Abschied für immer sein könnte.

 

Solomon, der schon immer ein begabter Geigenspieler war, wird von zwei Zirkuskünstlern auf der Strasse angesprochen, ob er sie auf eine Tour begleiten möchte. Da Solomon keine böse Absichten vermutet, nimmt er ihre Einladung an – wie sich später herausstellt, ein fataler Fehler.

 

Eine Woche später ist die Tour vorbei. Die Künstler und Solomon sitzen zu dritt an einem Tisch bei einer Flasche Wein, trinken und lachen, als plötzlich alles rund um Solomon zu verschwinden beginnt. Am nächsten Morgen findet er sich als Sklave in einer Zelle wieder, zusammen mit anderen Sklaven angekettet an einer Wand. Als er leugnet, ein Sklave zu sein, Plat zu heissen und aus dem Bundesstatt Georgia zu kommen, wird er kurzerhand von dem Aufseher ausgepeitscht. Schnell wird klar, er steht kurz davor, nach Washington verfrachtet zu werden, um dort verkauft zu werden.

 

Der letzte Funke Hoffnung

In Washington angekommen, wird Solomon bei einer Auktion von einem  Sklavenhalter gekauft. Dieser scheint auf den ersten Blick ein “guter” Mensch zu sein. Er umsorgt seine Sklaven mit Essen und einer Unterkunft. Der Schein trügt, denn die Aufseher sind weniger höflich.

 

Als Solomon, der mittlerweile Plat genannt wird, Bretter an ein Gerüst nageln muss, kommt es zum Eklat mit einem der Assistenten des Sklaventreibers. Plat soll alle Bretter abreissen, befehligt ihn der Assistent, bei Morgengrauen aufstehen, ein Fass voller Nägel holen und nochmals neu beginnen. Wie ihm geheissen, tut er es. Doch auch am nächsten Tag bleibt der Assistent Plat gegenüber misstrauisch. Am Abend, als Plat alleine ist, wird er vom Assistenten überwältigt und an einen Baum gehängt. Der Sklavenhalter rettet ihn schliesslich, nachdem Plat tagelang vom Oberaufseher hängen gelassen wurde.

 

Weil die Situation für Plat nicht mehr sicher ist, da ihm der Assistent den Tod angedroht hat, wird er von einem anderen Sklavenhalter übernommen. Solomon gibt die Hoffnung nicht auf und glaubt daran, dass er eines Tages seine Freiheit wieder erlangen wird. Während dieser langen Zeit muss Solomon seine Fähigkeiten verstecken, da es als Sklave den sicheren Tod bedeutet hätte, gebildet zu sein. Dabei muss er lernen, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.

 

Starbesetzung und neue Hingucker

Solomon Northup wird gespielt von Chiwetel Ejiofor, der bisher auf den grossen Kinoleinwänden noch unentdeckt war. Allerdings stehen seine Chancen gut, mit diesem Film den Durchbruch zu schaffen. So kann er in den berührendsten Momenten von aussen kühl wie ein Stein wirken und dem Publikum trotzdem zeigen, wie es in ihm innerlich brodelt. In den 134 Minuten demonstriert Ejiofor die Veränderung einer Persönlichkeit, die stärker wird und dabei die Hoffnung nicht verliert.

 

Auch Brad Pitt, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch und Paul Dano sind als Aufseher, Sklavenhalter und Assistent mit von der Partie. Der gealterte Brad Pitt zeigt sich gegen Schluss in zwei kurzen Szenen. Paul Dano spielt einen gewalttätigen Aufseher, der seine Sklaven nur zu gerne auspeitscht.

 

Kein Auge bleibt trocken

12 years a slave hat sich gleich neun Oscar Nominierungen geholt. Die Preisverleihung kann deshalb mit grosser Spannung erwartet werden. Der Film macht seinen Nominierungen alle Ehre: Auspeitschungen, gellende Schmerzensschreie, berührende Momente der Verbundenheit und tragische Fluchtversuche werden gezeigt.

 

Die schreckliche Wahrheit der Sklavenhaltung in Amerika wird einen in diesem Film näher gebracht, als manchen lieb sein mag. Bereits am Anfang des Filmes kommen die Zuschauenden an ihre Grenzen. Im Kino sind nicht nur aus den vorderen, sondern auch aus den hinteren Reihen Schluchzer zu vernehmen. Der Film ist einer der besten Filme aller Zeiten, weil er keinen Halt vor gewaltvollen Szenen und der traurigen Wahrheit macht. Schliesslich beruht die Geschichte auf einer wahren Begebenheit und ist als Buch verfasst worden. Egal ob Historien-Liebhaber, Drama-Queen oder Schnulzensüchtiger, der Film bietet für alle etwas.