Sport | 17.02.2014

Torfestival vor stummen Rängen

Die Young Boys gewinnen ein turbulentes Spiel gegen Lausanne mit 5:3. Die Berner offenbarten aber etliche defensive Mängel und müssen sich steigern.
Raphael Nuzzolo entwischt der Abwehr. De Pierro kommt zu spät und der junge Signori ist gegen den wuchtigen Schuss chancenlos.
Bild: ybforever.ch/Thomas Hodel

Das Spiel war kaum angepfiffen, als der junge YB-Stürmer Josef Martinez bereits zum 1 – 0 für die Berner traf. Der Venezolaner durchlief die Verteidigung von Lausanne und schloss mit einem wuchtigen Schuss ab. Ist der FC Lausanne nun wach? Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn die Waadtländer kommen zwar besser ins Spiel, sind aber bloss bei Kontern gefährlich.

 

Die 13-˜273 Fans sehen ein dominantes YB gegen ein defensiv stehendes Lausanne. In der 20. Minute setzt Lausanne zum ersten Mal ein Ausrufezeichen. Nach einem schnellen Konter kann YB-Neuzugang Milan Vilotic den heranstürmenden Yannis Tafer in letzter Sekunde entscheidend stören.

 

Lausannes Aufbäumen

In der 25. Minute sind es für einmal die Berner die kontern. Der auffällige Josef Martinez fängt einen Pass von Lausanne-Verteidiger Adriano De Pierro ab und legt auf Raphael Nuzzolo ab. Dieser lässt sich nicht zweimal bitten und versenkt das Leder cool zum 2- 0.

Nach der Zweitore-Führung schwindet die Konzentration der Berner allmählich. Nur wenige Minuten später flankt Yoric Ravet nach einem Vorstoss auf rechts zur Mitte, dort stimmt die Abstimmung zwischen Milan Vilotic und Yvon Mvogo nicht und Ante Vukusic kann ohne Probleme zum 1 – 2 verkürzen.

 

Der FC Lausanne schöpft Hoffnung und hat durch den Anschlusstreffer Selbstvertrauen getankt. Dies ist zu verspüren als Mickäel Facchinetti in der 31. Minute mit einem direkten Volley aus 30 Metern YB-Schlussmann Yvon Mvogo prüft.

Beim darauffolgenden Eckball kommt es zu einer erneuten Unordnung in der Hintermannschaft der Berner. Steve von Bergen klärt die Hereingabe direkt in die Füsse von Yannis Tafer. Der Franzose schiesst von der Strafraumgrenze und gleicht so das Skore wieder aus.

 

Sechs Tore in der 1. Halbzeit

Doch YB zeigt sich nach der einfach hergegebenen Führung kämpferisch und holt in der 37. Minute durch Nuzzolo einen Penalty heraus, nachdem er vom jungen Lausanne-Goalie Antonio Signori von den Beinen geholt wurde. Signori hatte erst einen Weitschuss von Yuya Kubo nur ungenügend pariert und kam anschliessend gegen den energisch nachsetzenden Nuzzolo zu spät. Milan Gajic nimmt Anlauf und versenkt die Kugel mit etwas Glück im Lausanne-Tor. Signori war noch am Ball, lenkt ihn jedoch ins eigene Tor ab.

 

In dieser mittlerweile munteren Partie mit Torchancen im Minutentakt können die Berner gar noch vor der Pause wieder um zwei Längen in Front gehen. Josef Martinez zirkelt einen Freistoss aus rund 25 Metern in die linke, obere Torecke. Der Venezolaner, der bereits sein zehntes Saisontor – sein drittes im Dress der Berner – erzielen konnte, wusste jedoch nicht nur offensiv zu überzeugen, sondern zeigte sich auch defensiv aufsässig. Als Signori nach einem Rückpass etwas lange wartet um den Ball abzuspielen, wirft sich Martinez in den Schuss. Das resultiert zwar in einem Abstoss, jedoch wird der aufopfernde Einsatz des Stürmers mit tosendem Applaus honoriert.

 

Fatale Halbzeitstarts

Die zweite Halbzeit beginnt zwar beinahe identisch wie die erste, nämlich mit einem schnellen Tor des Heimteams als Michael Frey von einer erneut mangelhaften Abwehr von Signori profitiert von rechts in die entfernte Torecke einschieben kann, jedoch zeigen sich die Berner nach wie vor defensiv sehr anfällig.

 

Der eingewechselte Matar Coly sowie Torschütze Vukusic sehen ihre ausgezeichneten Möglichkeiten vom reflexstarken Mvogo pariert, aber nach 75 Minuten und einem schönen Zuspiel von Feindouno auf Tafer erzielt der Franzose sein zweites Tor des Spiels. Dies sollte allerdings trotz einiger heiklen Situationen das letzte Tor bleiben, in einer Begegnung, bei der der Kontrast zwischen Spielfeld und Zuschauerrängen in Sachen Unterhaltsamkeit kaum hätte grösser sein können. Die Stille und Tristesse auf der Tribüne hatte jedoch einen Grund.

 

Ostkurve schweigt

Aus Protest gegen die Annahme des Hooligan-Konkordates und zwei Rayonverbote gegen YB-Ultras schwieg die Ostkurve heute. Die Stimmung im Stadion glich eher einem Trainingsspiel. Moreno Costanzo sagte gegenüber Tink.ch, was er von dieser Aktion hält: «Wir sind Fussballer und müssen unseren Job machen. Klar ist uns aufgefallen, dass wir heute nicht angefeuert worden sind wie auch schon, aber wir sind hier um unseren Job zu machen und der ist Fussball spielen.«