Kultur | 10.02.2014

Panne um Panne und doch gute Stimmung

Text von Chiara Nauer | Bilder von zVg. kofmehl.net
Vor dem grossen Auftritt des Duos El Hornet und MC Verse klappte es mit der Musik nicht immer. Die Vor-Djs kämpften missmutig mit wiederkehrenden Patzern, die das Technik-Team nicht zu reparieren wusste.
MC Verse geniesst den Auftritt sichtlich.
Bild: zVg. kofmehl.net

Pendulum, eine der bedeutendsten Bands in der Drum’n’Bass-Szene, trennte sich im Jahr 2012 nach über zehn Jahren gemeinsamer Musikproduktion. Ein Jahr später entschlossen sich Ben Mount MC Verse und Paul Harding El Hornet dazu, weiter als Pendulum Dj-Set weiterzumachen. Seither touren sie quer durch die Welt. Wie genau vor einem Jahr stoppten sie letztes Wochenende in Solothurn. Dieses Jahr gab es aber noch Karten.

 

Achtung: Stagediving und Crowdsurfing

Kurz nach der Türöffnung stand ein junger Dj auf der Bühne, der mit seinem Drum’n’Bass vor allem die Wände unterhielt: Es waren noch fast keine Leute eingetroffen. An diesen Wänden hängen seit kurzem Schilder, die das Stagediving und Crowdsurfing verbieten. Die Menschen, die sich schon mit einem Bier in der Hand lautstark über etwas unterhielten, fanden die Schilder irritierend. Oder lustig, da es anscheinend etwas war, zu dem sie sich nie bewegen lassen würden. Den Hintergrund kannten jedoch die wenigsten, dass die Hinweise wegen einem Todessprung eines jungen Mannes vor drei Wochen platziert worden sind.

 

Peinlicher Auftritt

Als zweites stand Dj Proke auf dem Podest. Er meisterte seinen Auftritt wirklich gut und brachte die immer mehr eintreffenden Menschen teilweise schon zum Tanzen. Die meisten Gäste nutzten wohl eine Gelegenheit aus: Mit 16 Jahren durfte man bereits rein. Das Tanzen verging vielen nach kurzer Zeit, denn die produzierte Musik klang selten rein. Der Bass drang zu stark aus den Boxen und hob bei jedem Wummern die Nadel des Plattenspielers. Zugleich verfinsterte sich das Gesicht des Djs zunehmend. Eine plötzliche Unterbrechung der Musik vermieste den Auftritt leider endgültig. Der Stillstand wiederholte sich immer wieder, doch keiner der drei Techniker wusste sich zu helfen.

 

Glitter von der Decke

“It’s in your eyes a colour fade out.Turning your head to see a new day calling.” Gekonnt startete Pendulum mit dem Lied Witchcraft von dem Album Immersion, das laut BBC als bisher bestes Album gelobt wurde. Die Menge tobte seit dem ersten Klang, vor der Bühne pogten sie sich die Seele aus dem Leib. Die Zuhörer an den Rändern nahmen das Dj-Set gelassen hin und nickten ab und zu Mal mit dem Kopf. Viele der Stücke waren ohne Gesang oder nicht populär. Dennoch tanzte die Kernmeute weiter oder nickte zumindest mit dem Kopf. In der Hälfte des Konzerts spielten die zwei plötzlich eine Mischung aus den Liedern The Island-Pt I und The Island-Pt II und der grösste Teil der Zuschauer drehten durch. Ihr Enthusiasmus wurde mit Glitter-Fötzelchen, die von der Decke hinunterrieselten, belohnt. Nicht nur dieses Stück, sondern auch MC Verse gab den Konzertbesuchern ein gutes Gefühl, in dem er nette Dinge wie “You’re amazing” in den Raum schrie.

 

In a Barbie world

Die Damen, die sich auf der Toilette kurz von der Hitze erholten, wurden von einer Menge Barbies erwartet. Diese standen in einem pinken Rahmen, der über und über mit Schuhen, Kleidchen und Rosen bestückt war. Aber mehr noch: Barbies glotzten von überall her, beim Anstehen, in der Toilettenkabine, beim Händewaschen. Ihre Begleiter warteten in Hoffnung, dass ihre Freundin wieder zurückkam, die etwas zu lange entzückt vor dem Spiegel stand.

 

Glücklich und zufrieden

Nach Pendulum gaben noch andere Dj’s ihre Musik zum besten, doch die eingefleischten Pendulum-Fans konnten nach dem Konzert die Kulturfabrik glücklich und zufrieden verlassen. Über die Pannen, die sich das Kofmehl leistete, redete kaum noch jemand.