Kultur | 08.02.2014

Miss China-Wahl im Jura – uf Bärndütsch

2006 holte ein jurassischer Politiker die Miss China-Wahl auf eigene Faust in die Schweiz. Aus dem Stoff haben Westschweizer Filmemacher eine Komödie gemacht, die den Jura wiederentdeckt. Nun liegt eine berndeutsche Synchronfassung vor.
Die verrückte, aber wahre Geschichte wie chinesische Miss Kandidatinnen in den Schweizer Jura kamen.
Bild: zVg, Solothurner Filmtage

Win Win – alle gewinnen. Mit diesem Motto weibelt der Delsberger Stadtpräsident Paul Girard für seine Idee, die Miss China-Kandidatinnen in den Jura einzuladen. Der umtriebige CVP-Politiker will damit seinem Kanton internationales Renommee verschaffen, das Verhältnis zwischen der Schweiz und China verbessern und sich ganz nebenbei zu einem Popularitätsschub verhelfen, der ihn bis in den Nationalrat katapultieren soll.

 

Ein Vorfinale in der Schweiz – das tönt auch für den chinesischen Medienmogul Chang verlockend. Er ahnt nicht, dass der jurassische Lokalpolitiker völlig ohne Sponsoren oder politische Unterstützung handelt. So fällt Chang aus allen Wolken, als ihn die ersten Fernsehbilder aus Delémont erreichen: Die 26 chinesischen Schönheiten werden durch einen Parcours von Käsedegustationen und Kuhstallbesichtigungen getrieben, an Stelle von Luxus und Glamour gibt es Melkunterricht und Übernachtungen im Stroh. Girard soll die Missen sofort wieder nach Shanghai zurück schicken, doch der unverbesserliche Optimist lässt sich die Show nicht vermiesen. Auch die Missen finden zunehmend Gefallen an dem unkonventionellen Programm. Und in China steigen die Einschaltquoten von Tag zu Tag.

 

Unglaublich, aber wahr

Win Win – Chinesisch im Jura basiert auf einer verrückten, aber wahren Geschichte. Paul Girard heisst in Wirklichkeit Pierre Kohler und holte 2006 tatsächlich die Vorentscheidung für die Miss China-Wahl in die Schweiz. Die Verfilmung seines wahnwitzigen Unternehmens kam vergangenen Mai bereits in der Romandie ins Kino. Nun liegt eine berndeutsche Synchronfassung vor, die an den 49. Solothurner Filmtagen uraufgeführt wurde.

 

Natürlich liess es sich Kohler nicht nehmen, das Premierepublikum persönlich zu empfangen. Dem volksnahen Girard im Film, gespielt vom Belgier Jean-Luc Couchard, steht der charismatische Kohler in nichts nach. Ganz Showman, überrascht er die Zuschauer vor Filmbeginn mit einer berndeutschen Wahlkampfsrede – immerhin ging es um den Publikumspreis. Den konnte Win Win letzten Endes zwar nicht gewinnen, launig ist die Westschweizer Komödie aber allemal. Trotz gemächlichem Erzähltempo unterhält der Film mit charmanten Charakteren, verkörpert durch ein glänzend aufgelegtes Darstellerensemble. Die Dialektsynchronisation ist gewöhnungsbedürftig, teilweise ist der Unterschied zwischen den Mundbewegungen und der Tonspur sehr offensichtlich. Dafür klingen die Dialoge geschliffener und vor allem natürlicher als in manchem O-Ton-Dialektfilm.

 

Eine Randregion im Fokus

Wer hier eine differenzierte Reflexion über das Schweizerische Selbst- und Fremdbild sucht, sitzt definitiv im falschen Film. Win Win will nichts anderes sein als harmlose Unterhaltung – und ganz nebenbei eine viel zu unbeachtete Randregion etwas in den Fokus rücken. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Schweizer Kinoleinwände den Jura erst Jahre nach den chinesischen Fernsehbildschirmen entdecken. Ein Gewinn ist es für alle Beteiligten – Win Win, sozusagen.

 


 

Win Win – Chinesisch im Jura startet voraussichtlich am 27. März in den Deutschschweizer Kinos.