Sport | 19.02.2014

Knapp daneben ist auch vorbei

Text von Samuel Tscherrig | Bilder von zVg
SV Ausserberg, FC Zermatt, Inter Wiler, FC Moosalp Törbel oder FC Täsch? In der Bergdorfmeisterschaft im Oberwallis wird leidenschaftlich Fussball gespielt. Meist über tausend Metern über Meer "tschuttunt" die BDM-Fussballer und frönen dabei in den drei verschiedenen Ligen und im BDM-Cup ihrer Leidenschaft.
Fussball in luftigen Höhen. Der BDM-Cup sorgt für ungewöhnliche Kulissen.
Bild: zVg

Nur der SV Gamsen ist in einem Tal nahe Brig deutlich unter tausend Höhenmetern beheimatet. In den Siebziger- und Achtzigerjahren war Gamsen eine reine Grümpelturniermannschaft. Der Verein erhielt von der BDM zuerst gar zwei Absagen, als man den Antrag für eine Teilnahme stellte. Später, wegen dem Rückzug einer anderen Mannschaft und einem neuen  BDM-Vorstand wendete sich das Blatt und Gamsen durfte an der BDM teilnehmen. Tink.ch begleitete den SV Gamsen während einer Saison in der zweithöchsten Liga, der Gruppe B.

 

Die Saison

Der Weg zum anvisierten Aufstieg in die Gruppe A war lang: In einer meist intensiven Vorbereitung im Februar 2013 nahmen die Spieler stundenlange Jogging-Touren auf sich, feilten an ihrer Technik, erlernten das 2-1-3-1-System und übten in der Turnhalle das optimale Zusammenspiel.

 

Dabei kam es auch vor, dass sich ein Spieler während dem Joggen in der auf dem Weg liegenden Fastfoodkette einen Burger gönnte. “Die Batterien waren einfach leer und der Ernährungsplan leider nicht vor Ort.”, meinte der Spieler, der anonym bleiben möchte. Aber keine Sorge, der Dress vom SV Gamsen, gesponsert vom Hilfswerk hopeville.ch und der Johnnys Bar, vermag kleine Auswölbungen in der Bauchregion gut zu kaschieren.

 

Ernüchterung

Zu Beginn der Saison hatte Gamsen Grosses vor: Nach den ersten drei Spielen der Saison gehörte man zu den Favoriten um den Aufstieg. Nach drei Siegen die Ernüchterung: Im Duell gegen Saas Grund (1560 M.ü.M) landete der SV Gamsen auf dem harten Boden der Tatsachen: Fast tausend Höhenmeter und drei Tore trennten die Teams. Endresultat: Sieben zu vier.

Dank der kleineren Spielfelder und trotz kleinerer Tore; in der BDM gibt es oft viele Tore. Die Zuschauer freuen sich: “Das ist wie in der NHL: Auch die haben kleinere Spielfelder als in Europa und spielen attraktiver”, so ein regelmässiger Matchbesucher.

 

Knapp vorbei

Nach dem entscheidenden letzten Saisonspiel und einer kräfteraubenden Saison im September 2013: Die Spieler vom SV Gamsen warten schweissgebadet auf das Resultat des einzigen Aufstiegskonkurrenten aus Saas Grund. Dann kommt die Meldung: Der Leader holt ein Unentschieden und das reicht, um in die Gruppe A aufzusteigen. Gamsen bleibt auf Rang zwei. Knapp am Aufstieg vorbei.

Einige nahmen den Nicht-Aufstieg mit Humor, andere zeigten sind enttäuscht. “Ein Aufstieg: Das wär wie gratis Essen und Trinken in der Kantine auf Lebenszeit gewesen – phänomenal!”, meint etwa Cyrill und dankte gleichzeitig den zahlreichen Helfern des Vereins, ohne die der SV Gamsen nicht funktionieren würde. “Der Rasen hier”, meint etwa Aaron, “ist nicht nur perfekt gemäht, sondern auch Nährboden für viele Freundschaften.”

 

Der Cup

Im BDM-Cup, in dem alle Mannschaften der drei BDM-Ligen antreten, mussten einige Favoriten gegen Gamsen abdanken. Erst im Halbfinale wurde das Gamser Pokalmärchen vom späteren Sieger Ausserberg gestoppt.

Beim vom SV Gamsen organisierten Cupfinal ergötzten sich hunderte Leute am Ambiente: Ein Fussballfest der besonderen Art, das man nicht so schnell vergisst.  Die Stimmung soll gar besser gewesen sein, als im heutigen Tourbillon. Übrigens: Der Präsident von Gamsen mischt ähnlich wie beim FC Sion auch aktiv im Verein mit: Er ist zugleich Spieler – vielleicht wär das die Lösung, Herr Constantin?

 

Raclette-Trainingseinheit

33 Punkte aus den vierzehn Parteien der Saison und der Einzug in den Cup-Halbfinal. Damit darf man zufrieden sein. Das sieht die Mannschaft nach dem letzten Saisonspiel ebenfalls so und beginnt langsam aufzutauen: Bei einem Raclette kann man die Saison nochmals gemütlich Revue passieren lassen. Bald ist die Stimmung wieder wie man sie kennt, auf dem Sportplatz.

Schliesslich gilt: Wer sich neben dem Platzt versteht, spielt auch auf dem Platz besser. Also: Auch der gemütliche Teil des BDM-Fussballs ist eine optimale Trainingseinheit. Man habe viel trainiert, meint dann auch ein schelmisch lächelnder Spieler rückblickend.

 

Was aber alle Vereine gemeinsam haben: Die relativ kleinen Ortschaften haben mit ihren Fussballclubs nicht nur einen Sportverein im Dorf, auch die Integration in die Dorfgemeinschaft ist Teil der Bergdorfmeisterschaft. Der Fussball als sportlich soziales Ereignis. Darauf ein Prosit und vielleicht bis bald einmal, an einem BDM-Spiel.