Kultur | 24.02.2014

Handy-Filmanlass oder Konzert?

Jeden Akkord in Bild und Ton auf ewig festhalten anstatt den Moment zu geniessen. So lautete das Motto vieler Konzertbesuchenden. Diese Taktik war nicht stimmungsfördernd und zog sich durch das ganze Set von OneRepublic durch.
Musik am Lichtermeer: OneRepublic sah nicht viel von den glimmenden Smartphones, umsomehr jedoch die Zuschauer.
Bild: zVg/Manuel Lopez/liveit.ch

Glühwürmchen schon im Februar? Ein Blick in die ausverkaufte Festhalle Bern am Dienstagabend hätte durchaus zu diesem Gedanken führen können. Bei all den leuchtenden Punkten handelte es sich aber nicht um eine Horde der sommeraktiven Käfer, sondern um das Publikum der US-amerikanischen Rocker von OneRepublic.

 

Die fünfköpfige Band spulte ein eineinhalbstündiges Set alter und neuer Hits hinunter. Mit Apologize und Something I Need waren die allererste und die aktuellste Single-Auskoppelungen im 17 Lieder langen Set vertreten. Apologize hielt sich nach seiner Veröffentlichung 2007 89 Wochen in den Schweizer Charts und erreichte Platz eins. Steigerungspotenzial besteht beim neusten Werk: Der Bestwert von Something I Need liegt in der Schweiz bei Platz 21. Dem Publikum waren diese Zahlen egal, Hauptsache Livemusik. Während in den vorderen Reihen die eingefleischten Fans aus voller Kehle kreischten und mitsangen, bewegte sich im hinteren Bereich die Stimmung um den Nullpunkt. Getrübt wurde der Abend – zuvorderst wie zuhinterst – durch die ewig leuchtenden Smartphone-Bildschirme. Wahrscheinlich ziehen es viele vor, das Konzert im Nachhinein zu Hause entspannt auf dem Sofa zu konsumieren anstatt schweissgebadet und voller Emotionen in der Halle den Moment zu geniessen. Eine Dame der Generation Ü40, die als Begleitung der Jungmannschaft fungierte, bildete einen Kontrast zum digitalen Zeitalter: In opernhafter Manier zückte sie ihren Feldstecher, um einen Blick zwischen Smartphones und Köpfen hindurch auf die Bühne zu erhaschen.

 

Durchzogene Bilanz

Auf der Bühne begleitete eine grelle und farbige Lichtshow den Auftritt von OneRepublic. Für Abwechslung sorgte ein weisses Tuch, welches mehrere Male auf der Bühne aufgezogen wurde und die Musiker als Schatten dem Publikum präsentierte. Im Zwielicht stand die ganze Darbietung der Band, die im Moment durch Europa tourt. Frontmann Ryan Tedder bewies, dass selbst eine Stimme mit einem Tonumfang von drei Oktaven vor Ausrutschern nicht gefeit ist. Bei den Songs, welche die Band am Anfang des Abends spielte – zum Beispiel Secrets oder All The Right Moves – entfuhren dem 34-jährigen einige krumme Töne. Die stimmlichen Patzer fallen umso mehr auf, da die drei Alben der 2007 gegründeten Band durch die digitale Bearbeitung sehr rein klingen. Auch die Worte an das Publikum wirkten aufgesetzt: War sich Tedder wirklich nicht bewusst, welcher Wochentag war oder wollte er damit die Lacher auf seine Seite ziehen? Spielt man wie die Jungs aus Colorado jeden Abend in einer anderen Stadt, kann ein solches Blackout vorkommen. Insgesamt erhielt das durch die moderne Technik abgelenkt erscheinende Publikum, was es verdiente: ein hitgeschwängertes Set, vorgetragen von Musikern auf der Durchreise.