Sport | 02.02.2014

Glücklicher Sieg für YB im Derby

Die Berner Young Boys feiern zum Auftakt der Rückrunde einen wichtigen, aber glücklichen Sieg gegen Thun. Thun-Goalie Guillaume Faivre hat mit zwei unglücklichen Interventionen entscheidenden Anteil am Vollerfolg der Stadtberner.
Rückkehrer Josef Martinez findet beim indirekten Freistoss die Lücke durch die Mauer der Thuner.
Bild: ybforever.ch/Thomas Hodel

Thun startete besser in die Partie. Schon nach drei Minuten hätten die Oberländer durch Benjamin Lüthi in Führung gehen können, doch der Aussenläufer scheiterte mit seinem Flachschuss am gut reagierenden Yvon Mvogo. Der erst 19-jährige YB-Schlussmann spielte erst zum zweiten Mal von Beginn an in der Super League. Der gebürtige Kameruner ist die neue Nummer 1 im YB-Tor, nachdem sich Stammgoalie Marco Wölfli im vergangenen Dezember die linke Achillessehne gerissen hat und noch monatelang ausfällt.

 

Nach dem zackigen Start der Thuner, kam YB aber etwas besser ins Spiel. In der 11. Minute kommt der Schwede Alexander Gerndt zum ersten Abschluss für die Haupstädter. Dies ist der Beginn einer kurzen Druckphase von YB, doch Raphael Nuzzolos Kopfball fliegt nach optimaler Vorarbeit von Gerndt übers Tor, und der Freistoss von YB-Regisseur Costanzo ist zu ungenau um Thun-Goalie Guillaume Faivre in Verlegenheit zu bringen.

 

YB übernimmt das Spieldiktat

Nach diesen Angriffen übernimmt das Team von Uli Forte das Spieldiktat. Torchancen waren jedoch ab der 20. Minute Mangelware. Beide Teams leisteten sich viele Fehler und Ungenauigkeiten. In der 35. Minute folgten aber dann gleich drei Abschlüsse innerhalb von wenigen Sekunden. Zuerst scheitert Raphael Nuzzolo an Guillaume Faivre, YB-Rückkehrer Josef Martinez mit dem Nachschuss an Thomas Schenkels Bein und zu guter Letzt noch Michael Frey mit einem Volley. Das Heimteam verpasste somit mehrmals die Führung, welche die gut organisierten, aber sehr defensiv eingestellten Thuner dazu bewegt hätte, öfters die Offensive zu suchen.

 

Thuner starten druckvoll

Das Team von Urs Fischer kam wie schon in der ersten Halbzeit besser aus der Kabine. In der 47. Minute ist es Berat Sadik, der nach einer Flanke des auffälligen Andreas Witter zum Abschluss kommt. Der gut getimte Kopfball geht an Yvon Mvogo vorbei, bleibt jedoch kurz vor der Torlinie am Thuner Luca Zuffi hängen, und der aufgerückte Christian Schneuwly schiesst anschliessend übers Tor.

 

YB reagiert nach diesem Angriff von Thun aber prompt. Eine Flanke des agilen Hadergjonaj wird allerdings vom Verteidiger Fulvio Sulmoni abgefangen. Die Gefahr aus Sicht der Gäste scheint gebannt, doch YB setzt nach und zwingt Faivre und Sulmoni zu einer unüberlegten Aktion: Sulmoni passt zurück zu seinem Torhüter, der den Ball unerlaubterweise aufnimmt. Schiedsrichter Patrick Graf entscheidet folgerichtig auf einen indirekten Freistoss aus sechs Metern. «Es war ein Reflex,” kommentierte Faivre die unglückliche Situation nach Spielschluss. “Ich muss das Tor aber schlussendlich auf meine Kappe nehmen. Die Distanz des Passes von Sulmoni war zu kurz, um den Ball weg zu kicken.« Ex-Thun-Spieler Josef Martinez nimmt Anlauf und trifft zur Führung für YB.

 

Doch die Berner Führung währt nur zwei Minuten. Nach einem gefährlichen Freistoss von Lüthi hält der Thuner Innenverteidiger Thomas Reinmann den Fuss hin. Was als Verlängerung geplant war, wird zum unhaltbaren Lob für Mvogo. Nach 56. Minuten ist das Derby wieder ausgeglichen.

 

Aluminium rettet YB

Beide Teams haben im Anschluss einige gefährliche Aktionen vor dem gegnerischen Tor, können jedoch keinen Erfolg daraus erzielen.

 

In der 79. Minute hätte der ehemalige YB-Spieler Christian Schneuwly beinahe reüssiert. Er profitierte von Unstimmigkeiten in der improvisierten Berner Innenverteidigung, die Super-League-Debütant Grégory Wüthrich, einer von vier 19-jährigen in der Startaufstellung der Young Boys, und Alain Rochat, der vorzugsweise Linksverteidiger oder im defensiven Mittelfeld spielt, bildeten. Sein Schuss klatschte aber von der Latte zurück ins Feld. YB könnte sich längst nicht mehr beklagen würde es in Rückstand liegen, denn die Berner offenbaren nicht nur defensive Mängel, sondern auch Ineffizienz vor dem gegnerischen Tor. Alexander Gerndt kann nicht von einer verunglückten Rückgabe von Michael Siegfried profitieren und scheitert am gut reagierenden Faivre.

 

Doch die Thuner greifen weiter an und glauben an den späten Siegtreffer. Andreas Wittwer trifft nach einem tollen Solo in der 87. Minute aber wieder bloss den Pfosten. Das Pech scheint den Thunern an diesem Nachmittag hold zur Seite zu stehen, denn im direkten Gegenangriff sollten sich die vergebenen Chancen für die Thuner rächen. Gonzalo Zarate erhält den Ball, zieht zur Mitte und schliesst ausserhalb des Strafraums mit seinem starken linken Fuss ab. Sein Schuss geht direkt auf Guillaume Faivre, doch der Torhüter leistet sich in der 89. Minute einen Patzer, und der Ball geht unter seinem Körper durch ins Tor. Grosses Pech bei Thun, Kampfgeist bei YB.

 

Moreno Costanzo findet nach dem Spiel die passenden Worte dazu: «Das Spiel hätte auf beide Seiten kippen können und ich muss zugeben, es war etwas Glück dabei, aber wir sind froh, drei Punkte gewonnen zu haben.« Michael Frey gab sich nach dem Spiel pragmatisch: «Sie hatten mehr Chancen, aber wir sind am Schluss Sieger, das zählt.«