Gesellschaft | 07.02.2014

Ein Abenteurer mit Talent

Dominique Andereggen, Sportlehrer und Fotograf, ist schon viel um die Welt gereist. Ein Porträt über den Aargauer verrät, wieso sein Lieblingsort in Mozambique liegt und was ihn mit Menschen mit Albinismus verbindet.
Dominique Andereggen hat zwei Berufe.
Bild: zVg, Dominique Andereggen

Dominique Andereggen ist athletisch gebaut, seine Kleidung sportlich. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein Sportlehrer aus dem Bilderbuch. Doch das ist er keinesfalls: Neben seinem Hauptberuf geht er nämlich einer weiteren Beschäftigung nach: Er ist leidenschaftlicher Berufsfotograf. Aufgewachsen ist der 34-Jährige im Kanton Aargau. Der Vater stammt aus dem Wallis, die Mutter aus Ungarn.

 

Den Erdball erkundet

So oft es ging, reiste Andereggen als Kind mit seiner Familie nach Budapest um die Grosseltern zu besuchen. Dass das ihn heute prägende Verlangen, mehr von der Welt zu sehen, immer neue Orte zu bereisen und erkunden, bereits damals geweckt wurde, streitet er jedoch ab.

Seine ersten professionelleren Fotos schoss Andereggen im Jahr 2000 auf einer Amerikareise. 2005, kurz nachdem er sein Sportstudium an der ETH abgeschlossen hatte, reiste er für mehrere Wochen nach Indien, wo er “hobbymässig” fotografierte. Heute weiss er noch genau: “Die Kamera, mit der ich Indien fotografiert habe, war eine analoge Nikon F55.” Der Sportlehrer erzählt, dass er sich damals nie erträumt hätte, einst professioneller Fotograf zu sein.

 

Sehnsucht nach Afrika

Ein wichtiger Wendepunkt in Andereggens fotografischer Karriere war eine Reise nach Tanzania im Jahr 2006. Für ein Jahr liess er in dem afrikanischen Land nieder und arbeitete für die Organisation “Right to Play”. Diese setzt sich durch Sportprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. “Ich begleitete die einzelnen Projekte als Hausfotograf”, erzählt Andereggen.

Von Tanzania aus war der Sprung nach Mozambique nicht mehr weit: Andereggen liess sich für fünf weitere Jahre in der Hauptstadt Maputo nieder. Die Insel wuchs ihm ans Herzen, er bezeichnet sie auch heute noch als seinen “absoluten Lieblingsort”. Es sei ein “schweres nostalgisches Gefühl”, das ihn immer wieder nach Afrika ziehe, beschreibt Andereggen. Die dortige Atmosphäre und das Leben seien einzigartig.

 

Phänomen des Albinismus

In Tanzania wurde Andereggen erstmals auf die in verschiedenen afrikanischen Ländern verbreitete Diskriminierung von Albinos aufmerksam. Zusammen mit Kollegen begann er, Menschen mit Albinismus fotografisch festzuhalten. Er erzählt betroffen davon, wie sich Leute auf die Brust spuckten, um nicht angesteckt zu werden. Das Thema berührt ihn immer noch merklich. Er glaubt jedoch nicht, dass es sich um ein spezifisch afrikanisches Problem handelt:  “Diese Diskriminierung, die bis zur Verfolgung geht, ist nichts Neues. Wir kennen die Natur des Menschen. Leute, die anders aussehen, werden – solange noch einigermassen zivilisiert zu- und hergeht – an den Rand der Gesellschaft gestossen, im schlimmsten Fall unter Umständen aber auch umgebracht.”

 

“Kinder des Mondes”

2008 gründete Andereggen ein Fotostudio, das sich auch besonders auf Albinismus spezialisieren sollte. Das Studio nannte er “Magma Fotography”. Es war das erste Fotostudio auf Mozambique. Ein Jahr später wurde auf der Insel die erste Organisation gegründet, die sich mit Albinismus auseinandersetzt. Diese nahm sogleich eine Zusammenarbeit mit Andereggens Fotostudio auf.

Das Projekt der Fotografie von Menschen mit Albinismus mündete in einem Fotobuch namens “Filhos da Lua”, Kinder des Mondes, das 2012 erschienen ist. Mittlerweile lebt Andereggen wieder in der Schweiz und hat im Aargau ein Fotostudio namens “Flussreif” aufgebaut. Fotos des Projekts “Filhos da Lua” werden jedoch auch heute noch hin und wieder ausgestellt, so zum Beispiel vergangenen September in einem Schulhaus der KV Zürich Business School.

 

Weiterbildung und Erfolg

2007, nach Abschluss des Sportstudiums, begann Andereggen auf Ermutigung seiner als Fotografin arbeitenden Frau ein Fotografie-Studium am New York Institute of Photography, welches er 2009 abschloss. Im Jahr 2009 belegte er den ersten Rang im “Venice International Photo Contest” und 2010 gewann er den “Acis”-Fotowettbewerb in Mozambique.

 

Abwechslung vor Eintönigkeit

Doch auch nach der zusätzlichen Ausbildung und dem Erfolg als Fotograf arbeitete Andereggen weiter als Sportlehrer. Er könne sich nicht vorstellen, sich nur der Fotografie oder nur dem Sportlehrer-Beruf zu widmen. Als er “nur” Sportlehrer war, sei ihm oft langweilig gewesen. Aber auch wenn er nur Fotograf wäre, würde ihm die Abwechslung fehlen, vermutet Andereggen. “Ich bin ein Mensch, der das Abenteuer sucht”, beschreibt sich der junge Mann selbst.

 

Angelina Jolie und Naturspektakel

In “ferner Zukunft” möchte Andereggen die Erde vom All aus, Unterwasserwelten und einen Vulkanausbruch fotografieren. Doch er träumt nicht nur von Naturspektakeln sondern auch von Personen, die er gerne einmal vor der Linse hätte. Eine davon ist Angelina Jolie. Andereggen stellt jedoch sogleich richtig, dass dies nicht nur mit ihrer “Schönheit und Ausstrahlung” zu tun habe. Sondern ihren Schauspielfähigkeiten und ihrem Engagement als Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingswerks UNHCR, die ihm “grossen Respekt” einflössen würden.