Kultur | 04.02.2014

Drei Sichtweisen auf Music Clips

Text von Joëlle Simmen | Bilder von zVg
Während Music Clips zu Hause auf dem Computer zum Weiterklicken animieren, werden sie in Solothurn während den Filmtagen auf der Leinwand gezeigt. Wieso das durchaus berechtigt ist, erklären ein Jurymitglied, ein Regisseur und ein Musiker.
Music Clips als abendfüllendes Kinoprogramm? Die Solothurner Filmtage machen's möglich.
Bild: zVg

In einer Zeit, in der der Hitparaden-Mainstream unsere Radios dominiert und wir mit der amerikanischen Musikindustrie bombardiert werden, vergisst man häufig die Musik-Vielfalt, welche direkt vor unserer Haustür schlummert.

 

Die Solothurner Filmtage hieven die hauseigene Musik-Vielfalt heraus aus den Tiefen des Internets und rein ins Kino mit einem abendfüllenden Programm von vierzehn vorselektionierten Music Clips. Die fünfköpfige Auswahlkommission der Solothurner Filmtage hat ein Programm zusammengestellt, das überrascht: Die tanzende Oma an einer SM-Party, Badenixen, die in Perfektion das Wasser aufwirbeln oder singende Augen, die einen kalten Schauer über die Rücken der Zuschauenden laufen lassen. Die Schweizer Musikszene hat aussergewöhnliche Music Clips zu bieten, so viel steht fest.

 

Innovation und Interaktion

Das bestätigt auch Urs Schnell, Mitglied der Jury und Direktor der SUISA-Stiftung. Die SUISA stiftet im Rahmen der Upcoming Award Night die fünf Nominationen für den Best Swiss Video Clip, welche je mit 1’000 Schweizer Franken dotiert sind. Seit mehreren Jahren werden Music Clips an den Filmtagen gezeigt. Sowohl Quantität, wie auch Qualität der Clips hätten über die Jahre zugenommen. “Nicht, dass die vorjährigen Filme schlecht gewesen wären”, betont Schnell und fügt an, dass die Aussagen der Filme stimmiger geworden seien und man merke, dass die Künstlerinnen und Künstler gelernt hätten, mit dem sich etablierenden Medium Musi Clip umzugehen.

 

Innovation ist eines der Kriterien, anhand dessen die Jury an der Upcoming Award Night am 24.1.2014 die fünf Nominierungen für das m4music-Festival in Lausanne erkor. Am 27. März wird dort der Best Swiss Video Clip verliehen. Ebenso wichtig wie die Innovation ist die Geschichte im Clip, dem sogenannten Story Telling. Vor allem aber wurde von der Jury darauf geachtet, wie Bild und Ton zusammen funktionieren und ob daraus ein neues Kunstwerk entsteht. Schnell meint zu den nominierten Clips: “Die Interaktion zwischen den beiden Medien Musik und Film ist das, was bei den Music Clips stimmen muss: Die Aussage der Musik und die Aussage des Bilds sollten zusammen etwas völlig Neues ergeben.”

 

Die Musik als Bindeglied

Auch für Nico Schmied, Regisseur vom Music Clip zum Song Sheila She Loves You (Dolphin Champions), ist dieses Zusammenspiel wichtig. Er unterscheidet jedoch zwischen drei Arten von guten Music Clips. Einerseits solchen, die er mag, weil ihm die Musik persönlich entspricht. Andererseits gibt es jene Clips, die er gesamthaft gelungen findet, weil der Clip die Musik am besten widerspiegelt. Am Schwierigsten sei es jedoch, wenn sowohl die Musik, als auch das Bild eine Geschichte erzählen, die gemeinsam harmonieren. “Es ist dann gefährlich, dass man nicht nur das Bild wahrnimmt und den Sound vergisst”, betont Schmied.

 

Auf der anderen Seite ist für Joachim Setlik, Sänger von Sheila She Loves You, ein Music Clip als Trägermedium wichtig. Music Clips wurden zu einem zusätzlichen Kanal, um die Werbetrommel für seinen neusten Song zu rühren und ein neues Publikum zu erreichen.

 

Gratwanderung

“Es ist schwierig, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Deshalb haben wir für das aktuelle Projekt mit Nico Schmied zusammengearbeitet.” Zu Beginn hätten sie vor Vergabe des Auftrages Respekt gehabt: “Man gibt viel Spielraum und damit auch Verantwortung ab, wenn jemanden deinen Song visuell repräsentiert”, erklärt Setlik.

 

Beide sind sich aber einig, dass gegenseitiges Vertrauen und auch die Bereitschaft, aufeinander einzugehen wichtig für ein erfolgreiches Resultat seien. Die Musik steht nämlich jederzeit im Vordergrund. Sie ist das Bindeglied zwischen der Band und dem Regisseur, dem Song und dem Clip, dem Publikum und der Leinwand.

 

“Wir wollten versuchen, mit unserem Clip die Gratwanderung zu schaffen«, verraten Schmied und Setlik. Das ist nicht nur ihnen gelungen, sondern auch den anderen Dreizehn Künstlerinnen und Künstlern.