Kultur | 07.02.2014

Die kleinen, feinen Unterschiede

Text von Sina Kloter | Bilder von zVg
Giacobbos Regiedebüt, der grosse Kanton, greift mit einer waghalsigen These den Länderzwist zwischen der Schweiz und Deutschland auf. Mit der vermeindlichen Allerweltslösung im Rucksack, reist Giacobbo durch die Länder und konfrontiert gefragte Köpfe mit seinem Vorschlag.
Viktor Giacobbo unterwegs in politischer Mission: Die Schweiz soll um einen Kanton wachsen.
Bild: zVg

Ein Konzept, so einfach wie abstrus, bildet den Ausgangspunkt für Viktor Giacobbos Regiedebüt. Angepriesen als die Lösung für eine ganze Schubkarrenladung an bilateralen Probleme zwischen einem Land voll «reich gewordener Bauern«, wie es Roger de Weck nennt, und dem grossen Nachbarn aus dem Norden. Giacobbos Vorschlag: Deutschland gehört als «grosser Kanton« künftig zur Schweiz. Damit lösten sich Fluglärmstreit, Steuer- und andere Streitfragen auf einen Schlag in Luft auf.

 

Der Winterthurer reist durch die Eidgenossenschaft und den zukünftigen, grossen Kanton, befragt Meinungsmacher und Entscheidungsträgerinnen. Unterbreitet seinen Lösungsansatz und erhält, erstaunlicherweise, ernst klingende Antworten.

 

Eigene und fremde Marotten

Der gruselige Einstieg, Roman Kilchsperger gibt einen Begrüssungsschlager in seiner Jass-Show zum Besten, weist ein allfälliges Patriotismusgefühl auf Seiten des Solothurner Publikums in die Schranken. Als Folge dessen leuchtet Elke Heidenreichs Aussage über die Schweiz und deren BürgerInnen ein: “Ist ein putziges kleines Bergvolk, ich verstehs nicht immer richtig.” Geebnet scheint der Weg für eineinhalb Stunden Lachen über eigene und fremde Marotten.

 

Kein Gelächter

Auf seiner Reise besucht Giacobbo historische und aktuelle Konfliktorte der beiden Länder und lässt namhafte Persönlichkeiten wie Joschka Fischer, Peter von Matt oder Oswald Grübel zu seinem Vorschlag Stellung nehmen.

Anstelle von Gelächter erntet der Komiker augenzwinkernde und interessante Antworten, die auf sein Gedankenexperiment eingehen. Dieser Umstand erlaubt es der Dokumentation zeitlich über die Stränge zu schlagen, ohne die Gunst des Publikums zu verspielen.

 

Inszeniert

Einzig die fiktiven Einschübe, in denen der Regisseur und Protagonist unter anderem auf altbewährte Charaktere aus seiner Sendung Giacobbo/Müller zurückgreift, stören den Erzählfluss. Der Versuch, dadurch Abwechslung in den Film zu streuen, misslingt. Besonders deutlich wird das an einem inszenierten Beispiel, in dem Giacobbo den “letzten Habsburger”, einen Bauer aus dem Aargauischen, interviewt. Die gespielte Szene wirkt plump und gesucht im Vergleich zu den Aussagen der Befragten, deren Witz sich meist auf einem anderen Niveau abspielt.

 

 

Der grosse Kanton flackerte in Solothurn nur einmal über die Leinwand. Trotzdem oder gerade deshalb erfreute sich die Halle einer hohen Besucheranzahl. Giacobbos Regiedebüt überzeugt nicht restlos, für Gesprächsstoff und Lacher ist aber gesorgt.