Kultur | 07.02.2014

Der Torwart aus dem Schummertal

Im Jahr 2010 erschien der Roman "Der Goalie bin ig" des Langenthaler Autors Pedro Lenz. Nun fast vier Jahre später kommt die Romanverfilmung unter der Regie von Sabine Boss ("Ernstfall in Havana", "Das Geheimnis von Murk") in die Schweizer Kinos.
Der ,Goalie' kehrt nach einem Gefängnisaufenthalt in sein Dorf zurück.
Bild: zVg Solothurner Filmtage

Der Film erzählt von einem Ex-Junkie, von allen nur Goalie genannt, der nach einem Jahr Gefängnis zurück in sein Heimatdorf kommt. Er findet einen Job, verliebt sich in die Kellnerin seines Stammlokals und entdeckt, dass hinter seiner Verhaftung und seinem Gefängnisaufenthalt mehr steckt, als er zuerst angenommen hat.

“Der Goalie bin ig” wurde als innerer Monolog geschrieben. Ein solches sprachliches Meisterwerk in einen Film umzusetzen, ist eine schwierige Aufgabe. Im Buch ist sich der Leser oder die Leserin nie ganz sicher, ob das von Goalie Erzählte auch wirklich stimmt. Die Buchfigur selbst redet oft über die verschiedenen Arten der Wahrheit und wie Geschichten sich verändern können. Zum Beispiel sagt er einmal zu seinem Schwarm Regula: “Geschichte si nid wie Zähn, wo nume zwöi Mou chömen und wenn se verbrucht hesch, isch fertig. Nei, d Gschichte wachsen immer wieder noch.”

 

Tatsachen und Auflösungen

Im Film werden Tatsachen serviert und zu jedem Erzählstrang gibt es eine saubere Auflösung. Wer das Buch gelesen hat und mochte, wird bestimmt einige Male enttäuscht sein. Dennoch ist der Film sehr unterhaltsam und es sind kurzweilige 92 Minuten. Das hat wahrscheinlich mitunter damit zu, dass Pedro Lenz bei der Verfassung des Drehbuchs mitgearbeitet und mitgeschrieben hat. In der Sendung “Giacobbo/Müller” sagte Lenz über seine Mitarbeit am Film: “Ich habe nie gesagt, dass im Film das ganze Buch erzählt werden soll. Der Geist und die Haltung von den Figuren, von diesem Goalie, das muss transportiert werden.”

 

Interpretationen und Darstellungen

Die Schauspieler können grösstenteils überzeugen. Einzig Pascal Ulli als Ueli fällt leider neben den anderen Darstellern etwas ab. Marcus Signer als Goalie schliesst man nach seinen ersten Sätzen aus dem Off (“Uf au Fäu hets Bise gha wi d Sou. Schummertau. Novämber. Und i es Härz so schwär, wi en aute, nasse Bodelumpe.”) sofort ins Herz. Dort wird er bis Ende des Films auch bleiben. Seine Interpretation des Goalies ist fast zu smart und zu gutmütig, wenn man den Goalie aus dem Buch kennt. Doch seinem Charme kann man sich einfach nicht entziehen.

 

Fazit

Das Fazit lautet demnach: Die Verfilmung kommt nicht an das Buch heran, ist aber als eigenständiges Produkt gut zu geniessen.