Gesellschaft | 18.02.2014

Berufung: Priesterin?

Frauen bleibt in der katholischen Kirche die Tür zum Weiheamt weiterhin verschlossen. So wird dieses Verbot begründet und so gehen betroffene Katholikinnen damit um.
Zwar leisten sie oft unverzichtbare Gemeindearbeit, aber die Katholische Kirche gibt Frauen bis heute keine Möglichkeit, Priesterin zu werden.
Bild: zVg, Brigitte Hafner | mokant.at

Ihr Glaube an Jesus Christus – das ist es was Brigitte Hafner antreibt. Schon in ihrer Kindheit und Jugend war sie in lebendige Pfarrgemeinden eingebunden und spürte hier schon früh eine tiefe Verbindung zu Gott. Als sie mit vierzehn Jahren den Roman Schlüssel zum Königreich von Archibald Joseph Cronin liest, fühlt sie sich vom Protagonisten der Geschichte inspiriert. Dieser wird als Priester beschrieben, der sich für Menschen der benachteiligten Klassen einsetzt. “Als ich das gelesen habe, dachte ich mir: Ja das ist es, meine Berufung, Priesterin!”, erzählt Hafner.

 

Gleichzeitig war ihr jedoch klar, dass sich dieser Wunsch für eine Frau in der katholischen Kirche nicht ohne Weiteres verwirklichen lässt. “Ich hab mir gedacht, das geht jetzt nicht, ich bin katholisch und heiraten will ich eigentlich auch.” Zur evangelischen Kirche zu konvertieren um diesem Traum nachzugehen, wie es ihr Freunde rieten, war für sie keine Möglichkeit. “Ich hab gesagt, ich kann das nicht. Ich bin hier aufgewachsen, tief verwachsen und verwurzelt mit meiner Kirche. Ich kann meine Heimat nicht verlassen.”

 

Keine Frauen im Zwölferkreis Jesu

Wie aus biblischen Quellen hervorgeht, versammelte Jesus Christus innerhalb seines Zwölferkreises ausschließlich Männer um sich. Somit könne Jesus nach Meinung der römisch katholischen Kirche auch nur von Männern repräsentiert werden. Zwar gehörten, laut Religionswissenschaftlerin Birgit Heller, dem engsten Kreis um Jesus Christus keine weiblichen Jünger an, jedoch bildeten Frauen einen wesentlichen Teil seiner Gefolgschaft.

 

Von ihnen seien viele, wie Maria Magdalena, Johanna, die Frau des Chuzas, Susanna, Marta und Maria, bis heute namentlich bekannt. Frauen haben in der ersten frühchristlichen Zeit nicht bloß eine untergeordnete Rolle gespielt, sie konnten religiöse Ämter übernehmen und erlangten sogar als Märtyrerinnen Ruhm und Ehre. Auch Briefe, die aus der Zeit des ersten Jahrhunderts stammen, zeichnen Hellers Meinung nach ein weitaus gleichberechtigteres Bild von Männern und Frauen.

 

So sagte beispielsweise der Apostel Paulus im Galaterbrief: “Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus”. Im Zuge der Institutionalisierung und Ausbildung der Organisationsstrukturen der Kirche wurden Frauen dann wieder vermehrt in untergeordnete Positionen zurückgedrängt, so die Religionswissenschaftlerin.

 

Endgültiges Papstwort und offene Fragen

Papst Johannes Paul II. hielt den Ausschluss der Frauen von der Priesterweihe im Apostolischen Schreiben Ordinatio Sacerdotalis aus dem Jahr 1994 als endgültige Entscheidung fest und wollte damit dem Ansinnen einer Öffnung des Amtes verschiedener katholischer Kreise einen Riegel vorschieben. “Indem Papst Johannes Paul II. die Diskussion offiziell beendete, hat er diese wiederum eigentlich entfacht”, so Hafner, “Fürs Erste ist hier die Tür einmal verschlossen.

 

Wobei das auch nicht heißt, dass die Tür nicht auch wieder jemand öffnen kann.” Die Frage der Weihe von Frauen zum Diakonat, der ersten Stufe des ordinierten Amtes in der Kirche, bleibt unterdes noch offen. Ein Blick auf die Urkirche zeigt, dass es durchaus Aufgaben gab, die Frauen zukamen. In der syrischen Tradition waren Frauen in den ersten Jahrhunderten vor allem in seelsorgerischen Tätigkeiten mit Frauen sowie in die Unterstützung und Vorbereitung zum Sakrament der Taufe eingebunden.

 

Apostel Paulus spricht in Römer 16,1 von der Frau Phöbe als Diakonin, wobei diese Bezeichnung in verschiedenen Textversionen auch einfach als im Dienst der Gemeinde übersetzt wird. In der orthodoxen Kirche wird heute laut über die Einführung des ersten Weiheamtes für Frauen nachgedacht. Nach römisch-katholischer Lehrmeinung bleibt Frauen jedoch bisher die Teilnahme an Vorbereitungskursen zur Diakonweihe untersagt.

 

Die Weihe als Grenze

Die Grenze für Wirkungsmöglichkeiten von Frauen liegt prinzipiell bei den Ämtern, die mit der Ordination, also der Vollmacht für die Kirche im Namen Christi zu handeln, verbunden sind. Daneben können sich Frauen in vielen unterschiedlichen Bereichen und Funktionen, wie beispielsweise als Pastoralsassistentinnen, geistliche Begleiterinnen in der Seelsorge, Religionslehrerinnen sowie in Beratungsgremien oder den Finanzräten der Diözesen, einbringen.

 

Frauen befinden sich dabei also durchaus in höchst verantwortungsvollen Positionen, in vielen Fällen jedoch verbleibt die Entscheidungsträgerschaft bei den geistlichen Würdenträgern. Eine Ausnahme ist hier Veronika Prüller-Jagenteufel, die als Pastoralamtsleiterin Mitglied des Bischofsrates ist. Auch in der römischen Kurie sind Frauen vertreten. 2003 ernannte Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal eine Präsidentin für eine der zehn päpstlichen Akademien.

 

Frauen sichtbar machen und Klerus überdenken

Brigitte Hafner ist mittlerweile Pastoralassistentin in der Pfarrgemeinde Guntramsdorf. Bis dorthin gab es einige Umwege und unterschiedlichen Stationen auf ihrem Lebensweg. Erst mit dreißig fasste Hafner den Entschluss Pastoralassistentin zu werden. “Dann haben sich mir einfach so die Wege geöffnet und ich habe gespürt, da bin ich richtig. Das ist mein Platz.” In ihrer Gemeinde leitet sie unter anderem die Vorbereitung zu Firmung und Erstkommunion, Glaubensseminare sowie Wortgottesfeiern und Begräbnisse und begleitet und motiviert Teams von ehrenamtlichen Mitarbeitern.

 

“Es ist ein schöner Beruf und ich gehe darin auf”, so Hafner. “Im Laufe der letzte Jahre habe ich gemerkt, dass diese Sehnsucht Priesterin zu sein immer mehr von mir abfällt und ich mir immer mehr denke, ich bin bereit für das, was Gott von mir will, egal wie das heißt und ob ich dann genau das darf, was jetzt die Priester tun, ist nicht das Wesentliche.” Das bedeute aber nicht, dass sie sich nicht grundsätzlich wünsche, dass sich für die Frauen in der Kirche etwas ändere. “Wenn als Haupthandelnde in den Gottesdiensten hauptsächlich die Männer sichtbar sind, dann fehlt einfach etwas.” Prinzipiell befinde sich die Kirche ihrer Ansicht nach zurzeit an einer Art Scheidepunkt. Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil habe es einen Aufbruch Richtung gemeinsames Priestertum gegeben.

 

Dadurch sei das Klerusdenken der Kirche und damit die Würdenämter an sich und ihre Besonderheit im Vergleich zum Dienst des Laien an der Kirche in Frage gestellt. “Vielleicht werden sich die Ämter in nächster Zeit neu definieren müssen. Das vollständige Abbild Gottes in Mann und Frau wird derzeit in der offiziellen handelnden Kirche wenig sichtbar.

 

Ich wünsche mir, dass die Kirche über den tieferen Sinn von Ämtern und über das Priester-Sein nachdenkt. Ich träume von einer Zukunft der Kirche, in der Männer und Frauen Freiraum haben, in Vollmacht zu handeln.” Heute könne sie gar nicht mehr wirklich sagen, dass sie sich die Öffnung des Priesteramtes für Frauen wünsche, meint Hafner. “Weil ich mir halt denke, vielleicht sollten wir zuvor einfach überlegen, wie wir Kirche eigentlich leben wollen.” Wenn sich nun aber Änderungen ergeben und Ämter für Frauen in der katholischen Kirche ergeben würden, würde Hafner die Möglichkeiten nicht außer Betracht lassen. “Ich habe schon den Eindruck, es bräuchte etwas Ausdrückliches und Sichtbares.”