Kultur | 30.01.2014

Wahrscheinlich witzig

An der Weltpremiere der Tessiner Gaunerkomödie Oro verde lachte vor allem, wer Italienisch versteht. Es sei denn, man mag Slapstick-Humor und stereotype Figuren.
Gaunerkomödie, wie sie im Buche steht: Fünf Verlierer begehen erfolgreich einen Diebstahl, fügen sich aber dann einem Moralgriff des Drehbuchs.
Bild: zVg / Solothurner Filmtage

Die Projektion von Oro verde ist vorbei, da steht auch schon Regisseur Mohammed Soudani mit Cast und Crew auf der Bühne. Der Film basiere auf einer wahren Geschichte, einer obendrein total witzigen, versichert der Tessiner Filmemacher. Soudani stammt ursprünglich aus Algerien und hat sich sowohl mit Dokumentar- als auch Spielfilmen profiliert.

 

Geschätzte zwei Drittel der Zuschauer haben den Saal seit dem Einsetzen des Abspanns verlassen, Soudani lässt sich die gute Laune jedoch nicht nehmen. Er ist in seinem Element, wenn er wild gestikulierend und ausführlich die Fragen des Moderators beantwortet. Der italienisch sprechende Teil des verbliebenen Publikums lacht herzhaft, wenn sich Soudani wieder einen Kalauer erlaubt. In der Übersetzung des Moderators wollen die Pointen jedoch nicht zünden. Wenn Soudani meint, er würde zwar rot werden, aber man sähe es bei seiner dunklen Hautfarbe sowieso nicht, funktioniert das aus zweiter Hand einfach nicht.

 

Schon während der Vorstellung kamen die Lacher stets aus denselben Reihen. Oro verde schien einen Heidenspass zu machen – zumindest, wenn man des Italienischen mächtig war. Der Rest des Publikums bemühte sein Zwerchfell hauptsächlich in den Szenen, in denen Nebendarsteller Carlos Leal sich tollpatschig anstellte. Slapstick-Humor, so bemüht er auch wirkt, wird eben über alle Sprachgrenzen hinweg verstanden. Der Witz in den augenscheinlich spritzigen Dialogen muss aber während der Untertitelung ins Deutsche versickert sein. Damit der Streifen sein Publikum auch in hiesigen Breitengraden findet, bedürfte es eines regelrechten Übersetzungswunders.

 

Klischeeparade

Der Plot zumindest dürfte nicht nur dem deutschsprachigen Publikum bekannt vorgekommen sein, hält er sich doch geradezu schulmeisterlich an sämtliche Storystrickmuster, die das Genre der Gaunerkomödie zu bieten hat. Eine Bande mehr oder weniger skurriler Verlierer plant einen Raubzug, der trotz Pech und Pannen gelingt, sich letztlich aber einem moralisierenden Drehbuchkniff fügen muss. Der Plan sieht vor, kistenweise beschlagnahmtes Marihuana aus einem Polizeilager zu klauen, bevor es die Behörden vernichten.

 

Die Amateurkriminellen setzen sich zusammen aus einem arbeitslosen Ingenieur, einem geschiedenen Familienvater samt Tochter im Schlepptau, einem erfolgreichen Bestattungsunternehmer und seinem unbeholfenen Gehilfen. Irgendwann stossen auch noch die Damen der Schöpfung in Gestalt einer argwöhnischen Karrierefrau und einer schönen Tanzlehrerin dazu. Natürlich haben sie als Ablenkung für Wachmänner zu fungieren.

 

Fertig lustig

So weit, so belanglos. Oro verde ist gut gemeint, mit einem Anflug von Sozialkritik. Er ist flott inszeniert, schön fotografiert und bietet im Fussnotenbereich sogar einige richtig gute Einfälle. Der Bauer, der seinen zurückgebliebenen Knecht mit präzisen Tennisballwürfen an den Kopf in Bewegung versetzt, ist ein wunderbar aus der Zeit gefallener Running Gag.Trotzdem kommt der Film – abgesehen vom Sprachwitz – kaum über das Zitieren von genretypsichen Allgemeinplätzen hinaus. Jede Plotwendung hat man anderswo schon gesehen – mal mehr, mal weniger witzig.

 

So ist die sechsfache Nomination dieser 0815-Komödie für den Schweizer Filmpreis nicht nachvollziehbar. Vielleicht ist es eher als Signal zu verstehen, ein Ruf der Jury nach mehr Schweizer Genrefilmen. Das Publikum wüsste es sicher zu schätzen – vorausgesetzt, das Resultat fällt etwas inspirierter aus als Oro Verde.