Kultur | 25.01.2014

Von Charme und Pioniergeist

Text von Katharina Good | Bilder von Katharina Good
Die Solothurner Filmtage sind ein Treffpunkt für Filmschaffende und Filmliebhaber. Was würden die Besuchenden hervorheben, wenn sie einen Film über den Anlass drehen könnten? Und was würden sie lieber wegschneiden?
"Früher ging es mehr um die Wurst!" Patrick Maday arbeitet seit über zehn Jahren als Dolmetscher bei den Solothurner Filmtagen. Der Solothurner Olivier JeanRichard schätzt die Filmtage, gerade auch wegen ihres Charmes in der Kleinstadt. Barbara Suter mag das Restaurant Kreuz als Treffpunkt mit Filmschaffenden und solchen, die es sein möchten. "Die Filmtage gehören zu meiner Biografie" Dolores Parolini lebte vor vierzig Jahren in Solothurn.
Bild: Katharina Good

Patrick Maday aus Clarens

„Ich übersetze als einer von zwei Dolmetschern bei Podiumsdiskussionen und in der Öffentlichkeitsarbeit. Die Filmtage erlebe ich aus einer besonderen Sicht, seit über zehn Jahren. Früher waren wir mehr Übersetzer, denn damals gab es keine Untertitel zu den Filmen. Die Besuchenden hatten Kopfhörer an, wenn sie Filme in einer anderen Landessprache schauten. Die Podiumsdiskussionen waren früher bissiger, es ging mehr um die Wurst! Ich vermisse das Pionierhafte und die hitzigen Diskussionen. Oft könnte man die Höflichkeit weglassen.“

 

Olivier JeanRichard aus Solothurn

„Ich habe 25 Jahre lang für die Solothurner Filmtage als Tontechniker gearbeitet, inzwischen helfe ich nur beim Aufbau. Als Tontechniker war ich an einem Film beteiligt, der am Sonntagmorgen gezeigt wird: ‚In der Nacht fliegt die Seele weiter‘. Es geht um eine blinde, aber starke Frau, die sich durchs Leben kämpft. Im Zentrum meines persönlichen Films stünde Solothurn als charmante Kleinstadt, die im Januar sehr lebendig wird. Am Anfang zweifelten viele, dass ein schweizweites Filmfestival sich in einer kleinen Stadt etablieren würde. Ich würde nichts wegschneiden – ich mag es so, wie es ist.“

 

Barbara Suter aus Basel

„Ich bin in Solothurn aufgewachsen und komme immer wieder an die Filmtage. Wenn ich einen Film über diesen Anlass drehen sollte, würde ich die Szenen hier im Kreuz festhalten, vor allem solche mit Möchtegern-Filmschaffenden. Am späteren Abend werden viele gesprächig und haben Projekte, für die sie entdeckt werden möchten. Den Andrang vor den Kinos würde ich gerne wegschneiden. Früher gab es weniger Besuchende und daher genug Plätze.“

 

Dolores Parolini aus dem Engadin

„Bis vor 30 Jahren lebte ich in Solothurn, daher verbinde ich die Filmtage auch mit meiner eigenen Biografie. Nun lebe ich im Engadin und erlebe die Stadt als überaus gastfreundlich. Die Solothurner Filmtage sind ein gesellschaftlicher Anlass geworden, vor 30 bis 40 Jahren hingegen spürte man noch eine Aufbruchstimmung. Ich weiss noch nicht, was ich weglassen würde, dafür warte ich noch bis zu meiner Abreise am Sonntag.“