Kultur | 30.01.2014

Unverhoffte und fantasievolle Geschichten

Text von Dorothee Joss
Am Samstag wurden die drei Publikumspreise des Trickfilm-Wettbewerbs der Solothurner Filmtage vergeben. Elf Kurzfilme, die sich mit Fantasie und Erzählfreude gegenseitig übertrumpften, waren beim Wettbewerb zu sehen.
Die überarbeitete Vokalmaschine sehnt sich nach Konsonanten. zVg. Solothurner Filmtage

Heitere Stimmung und leiser Humor herrschten beim Trickfilmwettbewerb an den Solothurner Filmtagen vor. Auch zwei der am Samstag prämierten Gewinnerfilme schlugen einen fröhlichen Ton an.

 

Fröhliches Bienensterben

In Marcel Barellis Vigia,dem ersten Preisträger, wird auf zwei Narrationsebenen eine Geschichte erzählt. Eine Stimme – sie gehört Barellis Grossvater – erzählt aus dem Off, wie sich eine Biene auf die Suche nach einem Zuhause fernab der Umweltverschmutzung macht.

Auf Wunsch des Erzählers macht sein Enkel aus der Geschichte einen Film, indem er das Gesagte laufend illustriert. Komische Momente entstehen, wenn der Grossvater die Zeichnungen seines Enkels kritisch kommentiert oder das Erzählte auf besonders ironische Weise dargestellt wird. So hört man beispielsweise zu Beginn: “Du musst die Biene ganz glücklich machen”, und zeitgleich spaziert eine breit grinsende Biene über die Leinwand.

 

Witzige Umsetzung – ernste Thematik

Die Geschichte ist unterhaltsam und ihre Umsetzung aussergewöhnlich und witzig. Zwischen den Lachern geht die ernsthafte Thematik aber etwas verloren. Zu leicht vergisst man als Zuschauer, dass das Thema Umweltverschmutzung leider nicht so bald an Aktualität verlieren wird.

 

Unverhoffte Traumerfüllung

Den zweiten Platz ergatterte The Kiosk von Anete Melece. Die Protagonistin des Kurzfilms ist eine Kioskfrau, die in ihrem Kiosk feststeckt und von einem Leben abseits der grauen Stadt träumt. Es reihen sich komische und überraschende Vorfälle aneinander, bis sie schliesslich am Ort ihrer Träume landet. Der Film ist sehr liebevoll umgesetzt und lässt den Zuschauer in eine Welt eintauchen, in der Kettenraucher gelbgesichtig sind, Menschen eine Silbensprache murmeln und Heidi Happy die Backvocals singt.

 

Erkundung abstrakter Formen

Ganz anders hingegen ist der dritte Gewinner des Trickfilmwettbewerbs. Patch (Gerd Gockell) zeigt mithilfe von nichts weiter als in grau, schwarz und weiss bemalten Leinwandvierecken eindrücklich, wie sich aus abstrakten Formen erkennbare Gegenstände oder sogar Bewegung und Leben bilden können.

 

Fantasievolles Erzählen

Auch die restlichen gezeigten Filme konnten sich durchaus sehen lassen. Da gab es lustige Verstrickungen in Chaman Bazar (Zoltán Horváth), eine Befragung des freien Willens und der (Un-)möglichkeit von Liebe in Plug&Play (Michael Freitag) oder eine animierte Sprechmaschine, welche unter anderem auch Atemgeräusche und einzelne Töne rhythmisch einsetzte, in Gabriel Möhrings IOA.

Hasta Santiago (Mauro Carraro) hätte genauso gut ein Gewinnerfilm sein können, stand er doch den Siegern in Fantasie und Kreativität in nichts nach. Fliegende Fensterläden, dicke Nonnen und erzählenswerte Geschichten begegnen dem Protagonisten auf seiner Jakobsweg-Wanderung.

 

Die Angst weicht nicht

Zu guter Letzt sei auch noch eine der wenigen ernsten Animationen erwähnt: Hope (Lorenz Wunderle) zeigt einen Jungen im Koma. Die Elemente, welche zu Beginn in seinem Krankenzimmer zu sehen sind; ein Teddybär, eine Lampe und ein Bild von seinem Hund, werden in fiebertraumähnlichen Geschehnissen vergrössert und verzerrt. Ein berührender Film, der die existenziellen Ängste des Alleingelassenwerdens und der Machtlosigkeit auf eine beklemmende Weise darstellt. Auch am Ende weichen diese Ängste nicht ganz. Sie lauern in der Ecke, übrig gebliebene Gestalten aus den Träumen, welche sich in das Krankenzimmer geschlichen haben.