Gesellschaft | 23.01.2014

SRF mit viel Selbstbewusstsein

Das Schweizer Fernsehen informierte die Medienschaffenden anlässlich der Jahresmedienkonferenz über die Projekte und Herausforderungen von 2014. Gekonnt führte SRF Direktor Ruedi Matter durch die Programmpunkte.
SRF-Direktor Ruedi Matter präsentiert die aufwändig inszenierte Jahresmedienkonferenz.
Bild: Copyright SRF/Oscar Alessio

Die Pressekonferenz wirkte wie eine reguläre Fernsehsendung. Im rot geprägten, extra aufgebauten Dekor führte Matter Gespräche mit Produzenten und Redaktionsleitern, die durch aufwändig produzierte Einspieler untermalt wurden. Die Redaktion von Schweiz aktuell darf sich wieder an einem Sommerprojekt ausprobieren. Der Schwerpunkt bleibt historischer Natur, wie schon im vergangenen Jahr mit der Dokufiction Die Schweizer.

 

Anno 1914

Anlässlich des 100-jährigen Gedenkens an den 1. Weltkrieg reist Schweiz aktuell zurück ins Jahr 1914 und bildet das Leben und Arbeiten der damaligen Bevölkerung ab. Nicht nur, dass die beiden Formate eine historische Komponente beinhalten verbindet sie, auch das Schweiz aktuell-Projekt könnte erneut Kontroversen auslösen.

 

Denn für die Umsetzung muss das Schweizer Fernsehen neue Wege gehen. Zum ersten Mal sind leichte Tendenzen zu scripted reality beim Schweizer Fernsehen zu erkennen. Der neu konzipierten Begriff Scripted Living History meint, dass ein Teil der Teilnehmenden, die vor allem die Vorgesetzten und Herrschaften spielen, Schauspielerinnen und Schauspieler sind. Die Figuren wie der Fabrikleiter sind Schauspieler und handeln nach Drehbuch. Die übrigen Protagonisten sind wie in den vergangenen Produktionen Laienschauspielerinnen und -Schauspieler, die sich zur Zeit bei  Schweiz aktuell bewerben können.

 

Um die historischen Gegebenheiten realistisch darzustellen, braucht es schauspielerische Elemente. So die Aussage von Daniel Pünter, Redaktionsleiter von Schweiz aktuell. Diese Vorgehensweise ist verständlich, könnte aber dann im existierenden Sommerloch von Historikern und Meinungsmachern erneut falsch verstanden werden, nämlich als grosses Theater.

 

IKRK bricht das Schweigen zugunsten einer DOK-Serie

Das im Jahr 1863 gegründete Internationale Komitee vom Roten Kreuz konnte bis jetzt aus Gründen der Neutralität praktisch keine Einblicke in seine Arbeiten geben, trotz der engen medialen Zusammenarbeit mit SRF. Dem Schweizer Fernsehen ist es nun gelungen, über ein Jahr lang IKRK-Delegierte zu begleiten und hautnah über die Schulter zu blicken.

 

Die Dreharbeiten, die verschiedene Journalistinnen und Journalisten meistens unter erschwerten Bedingungen und häufig nur mit einer Kamera realisierten, waren von Herausforderungen geprägt. So berichtet etwa Elvira Stadelmann, Produzentin SRF DOK, von einem Dreh mit Rebellen, welche einem Interview nur unter erschwerten  Bedingung zugestimmt haben. Die Rebellen wollten sich weit im Innern des Urwalds und nur von hinten filmen lassen.

 

Die Realisation des Projektes war für die Redaktion denn auch logistisch ein Wagnis. “Wir wussten selbst nicht, auf was wir uns einliessen”, so Stadelmann. Ein Film mit Journalisten, die von ihren Erfahrungen während den Drehs berichten, zeigt, dass diese Dreharbeiten unter die Haut gegangen sind. Wird es dem Publikum ähnlich gehen? SRF zeigt die sechsteilige Doku-Serie Zwischen den Fronten – IKRK Delegierte in Einsatz ab dem 28. März 2014.

 

Weiter wie bisher bei Shows, Filmen und Serien

Aus der Sparte Fiktion gab es gute Nachrichten. Die erste Ausgabe des Bestatters schlug am 7. Januar aus Sicht der Einschaltquoten sogar die Tagesschau. Das hatte für Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion, auch negative Seiten. Andere bevorstehenden Projekte blieben nur Nebenschauplätze und fanden bei den Anwesenden kaum Beachtung. Zum Beispiel den Film Die Akte Grüninger – Die Geschichte eines Grenzgängers, der als erster Fernsehfilm die Ehre hat, die Solothurner Filmtage zu eröffnen und anschliessend auch in den Deutschschweizer Kinos zu sehen ist. Oder die zwei bevorstehenden Luzerner Tatorte. In Wahrheit interessierte nur: Folgt eine dritte Staffel des Bestatters?

 

Ähnlich dominant kommt im Bereich Shows und Events The Voice daher. Die zweite Staffel, die im Februar an den Start geht, sei in mehreren Punkten überarbeitet worden, versprach Sven Sarbach, Bereichsleiter Show und Events. Was er leicht umging, ist die Tatsache, dass bei internationalen Produkten die Änderungen am Konzept häufig vom Lizenzgeber, in diesem Fall Endemol, ausgehen und nicht vom Schweizer Fernsehen selbst.

 

Neben dem internationalen Format gibt es auch eine Weiterentwicklung von Kampf der Chöre und Kampf der Orchester, welche Blasmusik-Formationen im Herbst gegeneinander antreten lässt. Alles in allem wurde nichts überaus Neues präsentiert. Es wäre der Abteilung Unterhaltung zu wünschen, hin und wieder mehr Mut zu beweisen. Internationale Adaptionen könnten vor den deutschen Mitbewerbern aus dem Nachbarland umgesetzt werden. So würde SRF dem Vorwurf des ständigen Kopierens und Nachmachens aus dem Weg gehen.