Kultur | 26.01.2014

„Noch einmal die Sau rausgelassen“

Text von Céline Graf | Bilder von Seraina Stucki
Die Kamera begleitet einen Schauspieler in Köln auf der Suche nach dem grossen Durchbruch. Die Stadt wird zur Bühne, die Passanten werden zu Nebendarstellern im ungewöhnlichen Dokumentarfilm "Wenn der Vorhang fällt". Damit hat Maurizius Staerkle-Drux an den Solothurner Filmtagen den Nachwuchspreis gewonnen.
Maurizius Staerkle-Drux stammt aus Köln und studierte in Zürich Filmregie, Geschichte und Islamwissenschaften.
Bild: Seraina Stucki

Wie bist du auf die Idee gekommen, diesen, nennen wir es Nichtfilm-Film, zu machen?

Der ganze Film war ein Experiment für mich. Nach meinem Abschluss an der Filmschule wollte ich noch einmal die Sau rauslassen, etwas machen, das mir einfach nur Spass machte, bevor ich die Chance erhalten würde, einen „richtigen“ Nachwuchsfilm zu drehen. Ich wollte dabei auch niemandem Rechenschaft schuldig sein, sondern völlig auf mich gestellt sein. So, wie du es am Anfang des Filmemachens bist, wenn noch niemand an dich glaubt.

 

Wie hast du den Schauspieler kennengelernt?

In einer Masterklasse beim deutschen Regisseur Rosa von Praunheim. Davids Spiel nahm mich sofort gefangen. Wir verstanden uns in erster Linie menschlich gut und zogen dann zusammen los. Er begleitete mich während eines Dokumentarfilmdrehs in meiner Geburtsstadt Köln, parallel dazu und eher aus Zufall entstand das Projekt Wenn der Vorhang fällt.

 

Gab es ein Drehbuch?

Nein, auch keinen Plan.

 

Was ist überhaupt wahr im Film? Hatte David zum Beispiel wirklich ein Vorsprechen?

Bei der Nachbearbeitung stellte ich absichtlich alles, was wahr ist, übertrieben fiktionalisiert dar. Etwa als David sagt, er habe kein Vorsprechen. Und alles, was nicht wahr ist, fing ich dokumentarisch ein, wie zum Beispiel die recht absurde Szene in der U-Bahn, wo David wildfremden Leuten erzählt, er sei Schauspieler. Dieses Hin und Her, der Wechsel zwischen Höhenflug und Enttäuschung, wird im Film von den schwarzweissen Bildern und der wechselhaften Musik eingefangen. Denn ich habe das Gefühl, genau das ist doch unser Beruf: Im einen Moment bekommst du Kritik, im anderen heisst es, du hast gewonnen.

 

Die Lautadorin sagte, der Film habe im Publikum polarisiert. Was hast du für Rückmeldungen erhalten?

Sehr unterschiedliche. Bei den Screenings hatte ich das Gefühl, dass die Leute mitgingen, es wurde oft gelacht. Einige sagten mir danach, sie fänden es toll, dass ich machte, worauf ich Lust hatte. Andere waren eher skeptisch oder gaben mir gar den gut gemeinten Rat, dass es ältere Regisseure gebe, die ihre ersten Filme heute lieber verstecken würden.

 

Wo siehst du dich in Zukunft?

Ich habe momentan in Deutschland die Chance, meinen ersten langen Film zu machen. Damit werde ich in den nächsten zwei Jahren beschäftigt sein. Der Film, ein klassisches Familiendrama, handelt von einer Architektenfamilie.

 

Soso.

Ja, eigentlich ist das nun genau der Film, vor dem ich Angst hatte, ihn als nächstes zu machen. Deshalb bin ich froh, dass ich diesen Zwischenschritt mit Wenn der Vorhang fällt gemacht habe. Um nochmals auf das Ziel meines Films zurückzukommen: Mich nahm Wunder, was ich nach der Professionalisierung in der Filmschule konnte und was nicht, wenn ich einen Film von A bis Z mit dem eigenen Buntstift zeichnen sollte. Und ich habe versucht, den Film so bunt wie möglich zu machen – in Schwarzweiss.

 


Zur Person
Maurizius Staerkle-Drux, 25, ist freischaffender Dokumentarfilmer und Tongestalter. Er studierte Filmregie mit Vertiefung in Ton und Sounddesign an der ZHdK sowie Geschichte und Islamwissenschaften an der Uni Zürich. An den Jugendfilmtagen in Zürich feierte er seine ersten Kurzfilmerfolge mit Paradeplatz (2008) und Klischees (2006).

 

Wenn der Vorhang fällt wird am Montag, 26.1.2014 in der Upcoming Talent-Reihe gezeigt. 20.30, Canva Club. Im Programm