Gesellschaft | 09.01.2014

Gute Vorsätze – vielleicht nächstes Jahr

Text von Svenja Fellmann | Bilder von Oona Fellmann
Wie steht es um deine guten Vorsätze? Hast du Dir für das Jahr 2014 schon welche überlegt? Oder hältst Du nicht viel davon, da Du sie sowieso bald wieder vergisst oder Dir nicht der Sinn danach ist, sie wirklich zu befolgen?
Neujahrsvorsätze sind zwar schön und gut, haben aber selten weitreichenden Effekt.
Bild: Oona Fellmann

Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich mir nie viel aus Vorsätzen gemacht habe. Diese Tradition schaffte es bei mir nicht, ein Feuer zu entflammen. Sie konnte bisher immer unauffällig an mir vorbeiziehen. Ich weiss ja nicht, wie es in anderen Familien oder Freundeskreisen aussieht, aber in meinem Umfeld werde ich nur selten mit diesem Thema konfrontiert. Selten höre ich Sprüche wie “Ab nächstem Jahr rauche ich nur noch eine Zigarette pro Tag” oder “Nächstes Jahr höre ich endlich auf, so viel Schokolade zu futtern”. Und ist es denn sinnvoll, solche Ich-kremple-jetzt-endlich-mein-Leben-um-Absichten über die Guten Vorsätze erreichen zu wollen? Bestehen überhaupt Chancen auf Erfolg?

 

Julia und Marcus

Nehmen wir ein Beispiel: Julia gibt immer viel zu viel Geld für unnötigen Kram aus, Modeartikel mit eingeschlossen. Da ihr Freund Marcus neuerdings in den Geschmack von Vorsätzen gekommen ist, wurde sie dieses Jahr angehalten, darüber nachzudenken. Sie hatte seine Überzeugungskraft unterschätzt. Denn Marcus setzte sofort seinen Wie-war-das-Liebling-ich-hab-dich-nicht-ganz-verstanden-Blick auf, als sie ihm erzählte, dass sie nicht so der Typ für Vorsätze sei. Und weil ihr nicht danach war, sich schon bald wieder auf Partnersuche zu begeben, blieb ihr nichts anderes übrig, als sich auch einen Vorsatz auszudenken.

Als sie später zusammen vor dem Fernseher sassen, schien die Welt wieder in Ordnung zu sein. Für ihn jedenfalls. Sein Lachen nervte Julia. Wie konnte er jetzt nur lachen? Ab morgen würde er abends nur noch eine anstatt zwei Folgen seiner Lieblingsserie schauen. Mürrisch und mit verschränkten Armen sass sie neben ihm. Und sie? Sie hatte von nun an offizielles und zu ihrem Erschrecken auch noch selbstauferlegtes Komm-wir-gehen-über-den-Mittag-schnell-shoppen-Verbot!

 

Wille und Ziel entscheidend

Julia gab sich zu Beginn wirklich Mühe, schliesslich wollte sie Marcus nicht enttäuschen. Die ersten Wochen hat es sogar geklappt. Auch wenn es schwierig war, wenn ihre Freundinnen sie jedes Mal komisch anguckten, wenn sie mittags alleine und mit trauriger Miene in der Mensa zurückblieb. Und schon bald wurde es ihr daher zu blöd. Warum auf die mittäglichen Shoppingtouren mit ihren Freundinnen verzichten, nur wegen so einem blöden Vorsatz?

Natürlich konnte der Zustand von Julia nicht lange gut gehen. Denn soll eine Gewohnheit im Leben verändert werden, sollte dies aus freiwilliger Basis geschehen. Und zwar nicht bloss, weil jemand das möchte oder man jemandem einen Gefallen damit tun möchte. Der eigene Wille ist entscheidend. Zudem ist es wichtig, sich ein klar formuliertes Ziel zu setzen und sich nicht bloss zu sagen: “Ach es wäre doch schön und gut, wenn…” Und es kann, muss aber nicht wie im Beispiel von Julia und Marcus aufgezeigt, ein Vorteil sein, wenn man da nicht alleine durchgehen muss. Doch in ihrem Fall dürften die guten Vorsätze wohl eher zu Spannungen und Uneinigkeiten geführt haben.

Und warum werden gute Vorsätze genau an Neujahr gemacht? Ganz einfach: Weil wohl wie an keinem anderen Ereignis erschrockener festgestellt wird, dass schon wieder ein Jahr vorbei ist und man noch keinen Schritt weiter ist. Das Abnehmen war erfolglos, Kaffee trinkt man immer noch zu viel und Schokolade wird auch noch zu viel gegessen. Der ideale Zeitpunkt kann Neujahr also durchaus sein, denn: Neues Jahr, neue Hoffnung auf Besserung und positive Veränderungen. Und vor allem: Neue Kraft und Motivation. Es muss aber nicht.

 

 

Der richtige Zeitpunkt

Doch ob es wohl in vielen Beziehungen so abläuft wie in der von Julia und Marcus? Ich weiss es nicht. Aber solange mich niemand damit konfrontiert oder ich mir aus eigenem Antrieb gute Vorsätze zu Herzen nehmen möchte, lasse ich dieses Thema lieber mal aussen vor. Neujahr ist zwar ein grosses Ereignis und eigentlich auch ein guter Zeitpunkt, seinen Altlasten den Rücken zuzukehren. Aber es wird oftmals auch ein bisschen überbewertet. Der Rutsch ins Neue Jahr ist auch nur ein Tag wie jeder andere. Zudem gibt es keinen allgemein richtigen Zeitpunkt für eine Veränderung. Wenn man selbst dafür bereit ist, genau dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Sollte ich dieses Jahr meinen persönlichen perfekten Zeitpunkt verpassen, dann bleibt ja immer noch nächstes Neujahr, um wieder ernsthaft über eine Veränderung nachzudenken. Doch ich bin schliesslich auch nur ein Mensch. Und der Mensch ist ein Gewohnheitstier.