Sport | 18.01.2014

Feuz’ Orakel

Text von Sina Kloter | Bilder von Manuel Lopez
Aufgrund der Wetterbedingungen entschied die Rennleitung den Start nach unten zu verschieben. Die durchschnittliche Fahrzeit wurde so um etwa eine Minute kürzer. Davon unbeirrt nutzte Patrick Küng seine Chance und gewann sein zweites Weltcuprennen.
Patrick Küng nutzte die ungewohnte Länge der Lauberhornabfahrt am besten und gewann knapp vor Reichelt und Svindal.
Bild: Manuel Lopez

Ausgerechnet für den Höhepunkt der Lauberhorner Renntage dachte sich Petrus sturmartige Böen und dichten Nebel aus. Daraus resultierte die Verschiebung des Starts, zuerst unter den Hundschopf, danach unterhalb die Minschkante. Die Fahrer akzeptierten den Entscheid ohne Murren. Aksel Lund Svindal sagte an der Pressekonferenz nach dem Rennen, dass sowohl die Pistenarbeiter gute Arbeit geleistet hätten, als auch die Verantwortlichen, indem sie die richtigen Entscheide fällten. “Ein Start von ganz oben war heute keine Option,” betonte der Norweger.

 

Leben und Sterben im Ziel-S

Während Svindal als erster der Top-8 des Abfahrtsrankings mit Startnummer 16 ins Geschehen eingriff, stellte Matthias Mayer mit der Nummer 2 eine erste Marke auf. Die Zeit des Österreichers blieb bestehen, daran konnte auch der Schweizer Didier Défago nichts ändern. Erst Bode Miller unterbot Mayers Zeit. Die amerikanische Wundertüte lag zu Beginn hinten. Nach einem guten Mittelteil patzerte er im Ziel-S. Trotzdem Rang 1 für Miller.

Kurz darauf übernahm der Österreicher Max Franz die Spitze, jedoch bekundete auch er im Ziel-S einige Schwierigkeiten. Die Schlüsselstelle aus vergangenen Jahren bewies auch 2014, dass die Fahrer sie perfekt erwischen mussten, um aufs Treppchen zu steigen.

 

Schweizer Bestzeit

Als zweiter Schweizer startete Patrick Küng in die Lauberhorn-Abfahrt. Nach einem Rückstand bei der ersten Zwischenzeit steigerte er sich kontinuierlich und die letzte Klippe, das Ziel-S, meisterte er nahezu perfekt. Das Resultat: Aufleuchten der Nummer 1, akut steigender Lärmpegel im Zielraum und ein jubelnder Küng. Es folgte das lange Warten auf die acht Besten.

 

Zuvor hatte bereits Beat Feuz ins Rennen eingegriffen. Unbeeindruckt von den Spekulationen, ob sein Knie nach der einjährigen Verletzungspause den Belastungen der Lauberhornabfahrt standhalten würde, legte Feuz eine solide Abfahrt hin. Es reichte in der Endabrechnung für Platz 10, zeitgleich mit Didier Défago.

 

Acht Mal Durchschnaufen

Danach startete das grosse Bangen um den Schweizer Sieg. Der Reigen der Besten startete mit Aksel Lund Svindal. Der Norweger führt in der Gesamtwertung des Abfahrtsweltcups. Zu Beginn gleichauf mit Küng, stellte Svindal eine Höchstgeschwindigkeit im Haneggschuss auf. 152.7 Stundenkilometer massen die Verantwortlichen. Trotzdem fiel Svindal hinter Küng zurück – um sieben Hundertstel. “Es war ein enges Rennen. Natürlich bin ich nicht glücklich über die Hunderstel, aber so ist der Rennsport,” resümierte Svindal.

 

Im Folgenden scheiterten sowohl der Trainingschnellste vom Donnerstag, der Kanadier Eric Guay, der nach einem unglücklichen Schlag das nachfolgende Tor verpasste, als auch Dominik Paris und Adrien Théaux, dem ebenfalls das Ziel-S einen Streich spielte.

 

Den Puls hochschnellen liess Hannes Reichelt. Nach Gleichstand im oberen Streckenteil, büsste er im Ziel einzig sechs Hunderstel auf Küng ein – Platz 2 für den Österreicher. “Heute habe ich den zweiten Platz gewonnen und nicht den Ersten verloren,” äusserte sich Reichelt nach dem Rennen zu den engen Zeitabständen.

 

Christof Innerhofer startete als Letzer der besten Acht, doch der Italiener bestätigte den Eindruck der gestrigen Super-Kombinationsabfahrt. Nach einer verkorksten Fahrt handelte er sich einen Rückstand von über einer Sekunde auf Küng ein.

 

“Du wirst es heute selbst erleben”

Küng rettete mit seinem Sieg die Schweizer Bilanz, die abgesehen vom geteilten 10. Rang von Feuz und Défago mager ausfiel. Pechvogel Carlo Janka verlor im Ziel-S einen Ski und schied kurz vor der Ziellinie aus.

Der vom Sieg überwältigte Küng erzählte im Ziel, dass Feuz, Défago und Janka vor dem Start gewitzelt hätten, er sei der Favorit für den Sieg. Er habe entgegnet, dass sie drei bereits die Abfahrt gewonnen hätten und gefragt, wie es sich anfühle zu gewinnen. Feuz erwiderte: “Du wirst es heute selbst erleben.” Recht hatte er.