Kultur | 28.01.2014

Der zweite Versuch glückte

Text von Laura Quadri | Bilder von Yanik Gasser
Eigentlich auf den 8. Dezember vergangenen Jahres geplant, wurde die Show damals aufgrund einer Bronchitis des Sängers Steven kurzfristig abgesagt. Bis zum Ersatztermin mussten die Fans lange warten. Das Ausharren lohnte sich, denn die vier Iren zeigten sich im ausverkauften Zürcher Komplex 457 von ihrer besten Seite.
Kodaline überzeugten auch ohne Verstärker und Mikrofon.
Bild: Yanik Gasser

Im Dezember verärgerten Kodaline ihre Fans, als sie kurz vor Türöffnung die Show absagten. Viele waren zu diesem Zeitpunkt bereits angereist und nervten sich über die Unprofessionalität der Newcomer. Nach dem Zwischenfall war der Veranstalter “Mainland Music” gezwungen ein Ersatzdatum für die Show finden. Die junge Booking-Agentur überraschte die Fans mit einem besonderen Zückerchen: Da das Konzert bereits ausverkauft war, wurde nebst dem neuen Datum gleich noch eine Zusatzshow angekündigt. Am 19. Januar war es dann so weit und Kodaline traten in Zürich fit und ohne Bronchitis auf die Bühne.

 

Chance für Baba Shrimps

Die als Support gebuchte Zürcher Band Baba Shrimps hatte die Ehre, vor einem ausverkauften Komplex 457 aufzutreten und nutzte diese Chance auch. Es gelang ihnen, die Besuchenden bereits nach wenigen Liedern mitzureissen und mit ihrem leichten, unbeschwerten Pop die Vorfreude auf den Hauptact noch zu verstärken.

Nach einer kurzen Umbauphase gingen die Lichter aus, die Scheinwerfer auf der Bühne an und die bis vor kurzem noch unbekannten Iren von Kodaline eröffneten ihre erste Headline-Show auf Schweizer Boden.

 

Sichtlich nervös

Die Nervosität war den Newcomern ins Gesicht geschrieben als sie die Bühne betraten. Sie hatten offensichtlich Angst, man würde sie nach dem Debakel im Dezember nur zurückhaltend begrüssen. Doch diese Angst war unbegründet, denn Kodaline wurden von den Konzertbesuchern und -besucherinnen geradezu euphorisch empfangen.

Kodaline spielten die Songs ihres Mitte Juni letzten Jahres erschienenen Debut-Albums In a perfect world. Nebst den bekannten Hits spielte das Folk-Quartett aber auch neue Songs, was die Frage aufwarf, ob wohl das nächste Album bereits in den Startlöchern steht. Der melancholische Indie-Folk liess einige Augen im Publikum eine Träne vergiessen. Die traurigen Texte im Einklang mit gitarrelastigen Pop-Melodien überzeugt weltweit Musikkritiker und -liebhaber, Kodalines Popularität steigt stetig.

 

Sänger und Frontmann Steven sagte nach den ersten paar Songs, dass er sich eigentlich einmal darauf vorbereitet habe, dem Publikum eine schöne Weihnachtszeit zu wünschen. Dazu sei es nun aber offensichtlich zu spät. Stattdessen wünschte er viel Spass bei der Show und entschuldigte sich nochmals aufrichtig bei seinen Fans.

 

Zugabe um Zugabe

Die erste geplante Zugabe der Musiker überraschte. Denn Kodaline kamen mit einer Gitarre ohne Verstärker und ohne Mikrofon an den Bühnenrand um mit den Besuchenden zusammen zu singen. Nachdem die Iren wieder hinter der Bühne verschwunden waren, stimmten die Fans plötzlich von alleine Kodalines grössten Hit All I want an.Die Musiker kamen zurück, riefen enthusiastisch, dass die Schweizer die besten Sänger und Sängerinnen überhaupt seien und schlossen ihren Auftritt mit dem herzzerreissend romantischen Song feierlich ab.

 

Sternchen zum Greifen nah

Zehn Minuten nach dem Konzert kamen die Newcomer zur Autogrammstunde. Mit Hilfe des Sicherheits-Teams gelang es einen Gang zu bilden, sodass alle der Reihe nach ihr T-Shirt oder ihre CD unterschreiben lassen und mit den Iren ein Foto machen konnten. Kodaline nahmen sich die Zeit, die es brauchte, bis auch der letzte Fan sein Autogramm hatte und bedankten sich bei jedem Einzelnen für sein Kommen. Trotz ihres schnellen Erfolgs scheint die Band die Bodenhaftung nicht verloren zu haben.