Kultur | 25.01.2014

Der Ausflug-Horror

«Der Ausflug" stammt aus der Feder des Zürchers Mathieu Seiler, der bei dieser Produktion auch die Regie führte. Der Film erschien im Jahr 2012 und hat nun seinen Weg in die Spätvorstellung der Solothurner Filmtage gefunden.
Maxime ist verschwunden. Tot? Oder geflohen?
Bild: zVg. / Solothurner Filmtage

Natalie fährt mit ihrem Mann Maxime, ihrer Tochter Flora und ihrer Schwester Stella in die brandenburgischen Wälder um ein erholsames Wochenende zu geniessen. Bald nach der Ankunft wird den Ausflüglern klar, dass irgendwas mit dem Wald nicht ganz koscher ist. Nach einer Art Ohnmacht wachen die Frauen auf, ihre Kleider sind zerrissen und blutverschmiert und Maxime ist verschwunden. Die Damen machen sich auf die Suche nach Maxime, müssen aber feststellen, dass man aus dem Wald nicht so einfach hinauskommt wie man hineingekommen ist.

 

Fragen über Fragen

Damit sind wir bereits beim grössten Star des Filmes angekommen: Der Wald, der in den ersten 20 Minuten sehr schön und unheimlich in Szene gesetzt wird. Leider ist dieser Wald auch das einzig Positive, was von Der Ausflug in Erinnerung bleibt. Die Dialoge sind hölzern, die Darsteller unmotiviert und das Drehbuch wird mit jeder Filmminute ein bisschen schlechter. Nach rund 40 Minuten ist die unfreiwillige Komik so omnipräsent, dass die Zuschauer der Spätvorstellung in der Reithalle sich bald nicht mehr zusammenreissen können und immer wieder herzhaft lachen müssen. Lachen muss man aber auch aus lauter Verzweiflung, Fragen über Fragen gehen einem durch den Kopf. Wer hielt diese Verfilmung für eine gute Idee? Kann man den Schauspielcoach von Flora feuern? Wie viele Horrorfilmklischees passen eigentlich in einen Film? Und: Warum tue ich mir das an?

 

Ein Klischee jagt das nächste

Das Horrorfilmgenre ist bekannt für seine vielen Klischees. Manche Filmemacher können diese geschickt umgehen, viele Filmemacher verwenden Klischees, inszenieren sie aber ganz gut und so kann der Zuschauer darüber hinwegsehen. Seiler bedient in seinen Film fast sämtliche Horrorfilmklischees, viele davon sind absolut unnötig und spielen keine Rolle für den Verlauf der Geschichte. Einige Beispiele:

Klischee 1: In den ersten 5 Minuten erfährt der Zuschauer, dass das Handy von Natalie fast keinen Akku mehr hat. Das könnte später noch Probleme geben. Und tatsächlich, in dem Moment als die Frauen das Handy dringend brauchen, ist der Akku ganz leer. Und das Handy von Stella hat keinen Empfang. Originell.

Klischee 2: Schon vor dem Ausflug ist die Stimmung unter den Eheleuten angespannt. Warum überhaupt, erfährt nie jemand. Ist ja auch egal, solange die Stimmung angespannt wirkt. Spannend.

Klischee 3: Wenn man das Auto ganz dringend braucht, funktioniert es nicht mehr. Ungesehen.

Klischee 4: Filmaufnahmen von einer nebligen Nacht, in der ein wunderschöner Vollmond die Nebeldecke einreisst. Zum Staunen.

Klischee 5: Hinter einem Duschvorhang findet sich ein altes Buch, das per Zufall sämtliche Probleme, die die Damen haben, erklärt. Praktisch.

Klischee 6: Deutsche Rednecks. Faszinierend.

 

Kult? Nein

Der Film ist alles andere als gut, aber leider nicht ganz so schlecht, dass man ihn als guten Trash bezeichnen könnte. Wer sich ihn trotzdem anschaut: Sag nicht, niemand hätte Dich nicht gewarnt!