Menschlichkeit in Schwarz-weiss

Linker Fuss, rechter Fuss, ein Schritt nach dem anderen. Marie und Vincent müssen erwachsen werden und eigenständig durch ihr Leben gehen. Nur mit Mühe bestreitet das junge Paar den Alltag in einer Lausanner Wohnung, elterliche Unterstützung fehlt vollkommen. Inmitten finanzieller Probleme ist auch ihre Beziehung eine Zerreissprobe.

 

Zwischen dem ganzen Drama steht Mika, Vincents Bruder. Er ist ein fröhlicher Junge mit autistischen Zügen, der in einem Heim wohnt und immer wieder bei Vincent und Marie übernachtet. Für ihn würde Vincent alles geben, wahrscheinlich nur für ihn. Umgekehrt hängt auch Mika sehr an seinem Bruder und ist besorgt, wenn es ihm und seiner Freundin nicht gut geht.

 

Bildsprache der Jugend

Left Foot Right Foot beginnt mit Mikas Blick und seiner Fähigkeit, einfache Dinge im Leben zu bewundern: Vogelschwärme ziehen über den Himmel und malen Figuren auf der Kinoleinwand. Sie malen in Schwarz-weiss, der Sprache des Regisseuren Germinal Roaux. Der Westschweizer arbeitet neben dem Filmen als Fotograf, für Musiker, diverse Zeitschriften oder an eigenen Projekten. Die Jugend ist ein wichtiges Thema in der Arbeit des 38-Jährigen und gerade dafür sei Schwarz-weiss die passende Bildsprache. “Im Teenageralter trennt man stark zwischen gut und böse”, sagt Roaux. “Man sieht alles schwarz oder weiss.”

 

Keine perfekten Menschen

Eigentlich hätten die jungen Erwachsenen in seinem ersten Langspielfilm genug Gründe, alles schwarz zu sehen. Marie hat einen öden Job, keine Ausbildung, keine Träume. Das sagt sie ausgerechnet einem Zuhälter, den sie über eine Freundin kennengelernt hat. Das schnelle Geld lockt sie in die Prostitution, aber mindestens so sehr der Wunsch nach Anerkennung. Vincent gegenüber hat sie ein schlechtes Gewissen, es scheint aber, als würden die beiden schon lange nicht ehrlich miteinander reden.

 

Auch Vincents Job in der Tiefkühlpizza-Fabrik reicht kaum zum Überleben. Wenn die beiden arbeiten, strahlen nur die Bilder – hell und harmonisch baut Roaux diese Welten der Langeweile auf. Einzig beim Skaten blüht Vincent auf, gleitet unterstützt von Rockballaden über den Asphalt. Wenn er nicht so ein hoffnungsloser Hänger wäre, wäre er ein Kreativer. Mit seinen wasserfesten Filzstiften malt er alles an, auch sich selbst und Maries Schuhe. In Grossbuchstaben steht auf ihren Convers “left foot” und “right foot”.

 

Als Poesie sehen

In manchen Ansätzen erscheint die Geschichte etwas klischeehaft, aber – wie Roaux selbst in Solothurn sagte – der Film ist wie eine Poesie zu sehen. Er weiss, wann und wie er die Sexszenen erbarmungslos, liebevoll oder nur stellvertretend durch andere Bildern zeigen kann.

 

Ohne Verachtung erzählt Roaux das Leben von Jugendlichen, deren Schicksal ethische Richtlinien zum Schwanken bringt. Die jungen Schauspieler Agathe Schlencker (Marie), Nahuel Parez Biscayart (Vincent) und vor allem Dimitri Stapfer (Mika) lassen in die Seele ihrer Charaktere blicken – auch wenn es manchmal, in besonders angespannten und ruhigen Momenten etwas an Ausdruck fehlt. Gerade aber die langsamen Beobachtungen machen die Stärke des Fotografen Roaux aus. Innerhalb der tragischen Geschichte sind die perfekt komponierten Bilder selbst kleine Poesien, wie stille Ausrufezeichen der Erzählung.

 

 

Dreifach nominiert für den Schweizer Filmpreis 2014


Left Foot Right Foot wurde für den Schweizer Filmpreis 2014 im Bereich Bester Spielfilm nominiert. Zusätzlich könnten auch Dimitri Stapfer für die Beste Nebenrolle als Mika und Denis Jutzeler für die Beste Kamera je einen Preis erhalten. Die Preisverleihung findet am 21. März in Zürich statt.

 

Für die Schule und das Leben lernen wir

Schule wurde schon in der Antike als sinnlos empfunden: Bereits Seneca hat in seinem Brief an Lucilius beklagt, dass wir nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen: “Non vitae, sed scholae discimus”. Erst später wurde dieser Spruch, der noch heute zitiert wird, in sein positives Gegenteil verkehrt: “Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.” Dieses Ideal wird von heutigen Schülern belächelt.

Mehraufwand für die Lehrer

Die Hauptverantwortung für einen von den Schülern als sinnvoll empfundenen Unterricht tragen die Lehrer. Im Zentrum des Unterrichts sollte in jedem Fach die Faszination für den unterrichtenden Stoff stehen. Ist der Unterricht nicht auf den Stoff, sondern einzig auf den Prüfungserfolg ausgerichtet, wird der Unterricht von den Schülern nicht mehr als sinnvoll empfunden.

Um eine “Bulimie-Schule” zu verhindern, gilt es zudem, bei Prüfungen nicht Auswendiggelerntes abzurufen, sondern verknüpfendes (Weiter-)Denken und Kreativität zu fördern. Solche Tests zu schreiben, ist aufwändig, einzig solche Tests bereiten jedoch auf komplexe Lebenssituationen vor.

Schule als einmalige Chance

Nebst den Lehrern ist die Ursache für den als unsinnig empfundenen Unterricht bei der Einstellung der Schüler zu suchen: Erst nach der Schulzeit sehen viele ein, wie sehr sie profitieren konnten, und bereuen, dass sie das Wissensangebot nicht stärker genutzt haben.

Ein frisch ausgebildeter Maturand kann heutzutage ein Wissen sein eigen nennen, das er in dieser Breite im späteren Leben nie mehr erreichen wird: Nach dem Gymnasium spezialisiert sich jeder und vergisst das meiste des Gelernten wieder.

Dass Gymnasiasten viel lernen, das sie im späteren Leben nicht konkret anwenden können, liegt in der Philosophie des Gymnasiums begründet: Das Gymnasium dient der Allgemeinbildung. Die unterschiedlichsten Disziplinen werden den Schülern vorgestellt, damit sie sich einerseits im späteren Leben überall ein wenig auskennen und andererseits herausfinden können, wo ihre Stärken und Interessen liegen. Dass sich nicht jeder Schüler für alles gleich stark begeistert, liegt hierbei auf der Hand.

Mittel zum Zweck

Einen weiteren Grund für die Bulimie-Schule findet sich letztlich in der gesellschaftlichen Ökonomisierung: Heute dient vieles lediglich als Mittel zum Zweck. So auch das Gymnasium, dessen Besuch nicht mit Blick auf das dort erwerbbare Wissens angestrebt wird, sondern wegen der Matur. Das Gymnasium ist jedoch nicht bloss ein Zugangsticket für die Universität, es vermittelt auch gesellschaftliche Werte, kritisches Denken, Faszination für unsere Welt und unterstützt die Selbstfindung der Schüler. Letztlich lernt so jeder Schüler auf seine Weise, was er fürs spätere Leben braucht.

Es kann somit nicht bestritten werden, dass Schüler zu einem wesentlichen Teil für die Schule und im Hinblick auf die Noten lernen. In gutem Unterricht lernen Schüler aber ebenso fürs Leben.

Vom Helfersyndrom angetrieben

Eine blonde, natürlich aussehende, junge Frau lächelt selbstbewusst von der Liste 1 der Stadtzürcher SP. Sie heisst Alix Suter, ist zarte 18 Jahre alt und kandidiert im Wahlkreis 11.

Ein anderes Bild bietet sich auf der Liste 10 der Alternativen Liste (AL): Ein betagter Herr fixiert einen mit einem grimmigen, argwöhnischen Blick. Man weiss nicht recht, gilt dieser dem allfälligen kapitalistischen Betrachter oder ist er schlicht dem Blitz geschuldet? Die Antwort kennt höchstens Josef Mariani selbst. Dieser ist 87 und Kandidat für die AL im Wahlkreis 10.

 

Suter und Mariani stehen weit hinten auf ihrer Liste. Sie sind sogenannte Listenfüller – ihre Wahlchancen tendieren gegen Null. Trotzdem haben sie sich, um ihre Partei zu unterstützen, in den Wahlkampf gewagt. Während die Kandidaten auf den vorderen Listenplätzen jeweils mit einem Profil an die Öffentlichkeit treten, das möglichst viele Wähler ansprechen soll, ist über Kandidierende auf den hinteren Plätzen meist kaum etwas bekannt. So auch im Fall von Alix Suter und Josef Mariani: Wer sind diese zwei überhaupt?

 

Das Helfersyndrom in der Erbmasse

Im Internet ist Mariani ein unbeschriebenes Blatt: Einzig auf der Parteiseite taucht sein Bild auf. Suter hingegen ist wie die meisten ihrer Altersgenossen auf verschiedenen sozialen Netzwerken vertreten. “Student, gap year, student” beschreibt sie sich auf Twitter lapidar. “Planning my gap year #ecuador”, eine Nachricht vom letzten Frühjahr. Auf einem Facebook-Bild posiert sie umringt von Freunden, einen Drink in der Hand und ein grosses Grinsen auf dem Gesicht. Ein ganz gewöhnlicher Teenager? Nicht ganz.

 

Der soziale Auslandseinsatz, den Suter dieses Jahr in einem südamerikanischen Kindergarten leisten wird, ist zwar mittlerweile beinahe ein Maturanden-Klassiker. Bei der 18-Jährigen steckt jedoch mehr dahinter. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit ist so tief in ihr verankert, dass es sie in die Politik trieb. Sie selbst nennt es “Helfersyndrom”.

 

Mariani, der dieses Jahr 88 wird, plant keine Sozialeinsätze im Ausland mehr. Das Helfersyndrom hat er jedoch ebenfalls – “in der Erbmasse”, wie der pensionierte Architekt sagt, der schon als Kind von seinen sozial engagierten Eltern geprägt wurde.

 

Prägende Vergangenheit

Im Hinterkopf stets die unheilvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts, kommt Mariani auch während der Diskussion aktueller Themen immer wieder auf die Vergangenheit zurück.

Als Jugendlicher besuchte er mit seinem Vater linke Demonstrationen gegen nationalsozialistische Strömungen in der Schweiz, was ihn “schon geprägt” habe. Auch die Krawalle im Zürich der 60er und 80er Jahre sind ihm noch in bester Erinnerung: Vieles hätte damals durch Reden statt Repression angegangen werden sollen, meint er heute. Und lobt Parteigenosse Stadtrat Richard Wolffs behutsames Vorgehen bei der Räumung des besetzten Binz-Areals im vergangenen Sommer: “Wenn man einfach stur den Rollladen herunterlässt und dahinter hervorschiesst, geht das nicht gut!”

 

Augenöffner Staatskundeunterricht

Suter lauscht Marianis Erzählungen fasziniert. Dass in den 40er Jahren – Mariani erlebte es als Dienstleistender in der Schweizer Armee noch mit – jüdische Flüchtlinge “direkt in die Maschinengewehre der Nazis” zurückgeschickt wurden, lerne man nicht in der Schule, meint sie vorwurfsvoll.

In der Schweiz sei es heute leicht, sich aus jeglicher Verantwortung zu stehlen, denn während sich Jugendliche in anderen Ländern gezwungenermassen mit Politik auseinandersetzten, ginge es vielen von uns hier extrem gut, erklärt die Maturandin. So wurde denn die 18-Jährige anders als Mariani auch auf vergleichsweise unspektakuläre Art politisiert: Durch den Staatskundeunterricht in der Schule. Damals setzte sie sich zum ersten Mal mit den verschiedenen Parteien und ihren Positionen auseinander, entschied, dass die meisten davon menschenverachtenden “Bullshit” erzählten – und trat der Juso bei.

 

Sozialistische Verbindung

Zwischen Suter und Mariani liegen fast 70 Jahre. Politisch sind sie jedoch nahe beieinander: Suter ist in erster Linie überzeugtes Juso-Mitglied, sie distanziert sich von der grossen Masse der SP, die kaum mehr “richtig sozialistisch” sei. Mariani gehört der, links von der SP stehenden, AL an, bezeichnet sich aber als “gar nicht wahnsinnig weit links aussen” – auch wenn dies aus der Sicht seiner Bekannten vielleicht so aussehen möge.

 

Dem Sozialismus fühlen sich beide nahe, dies verrät nicht nur Marianis Sympathie für die Sowjetunion und Suters politisches Vokabular. Dem berühmt-berüchtigten Spruch “Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz; und wer mit 40 immer noch einer ist, hat keinen Verstand” begegnet Mariani mit Humor: “Dann wäre ich halt ein dummer Mensch!” Suter hingegen, noch weit von der 40 entfernt, hofft, dass sie mit zunehmendem Alter nicht “liberaler oder eigentlich einfach vom System aufgeweicht” wird – eine Gefahr, die sie als durchaus real einschätzt.

 

Bessere Bildungs- und Wohnpolitik

Neben dem allgemeinen Streben nach sozialer Gerechtigkeit sind konkrete Anliegen der beiden Kandidierenden in Suters Fall in der Bildungs- und in Marianis in der Wohnpolitik zu finden. Suter findet das Schweizer Bildungssystem “wunderbar” und beklagt sich nicht über die Ausbildung, die sie selber erfahren hat. Trotzdem sieht sie Handlungsbedarf: Das Bildungssystem solle den verschiedenen Gesellschaftsstrukturen angepasst werden und nicht umgekehrt. So müsse beispielsweise sichergestellt werden, dass mangelhafte Deutschkenntnisse keinem Kind den Zugang zur Bildung versperren.

Mariani hat sein ganzes Leben lang als Architekt gearbeitet und fühlt sich auch nach der Pensionierung im Metier Zuhause. Besonders die Beschaffung von günstigem Wohnraum für wenig Bemittelte, ein Anliegen, auf das sich die AL unter anderem spezialisiert hat, liegt ihm am Herzen.

 

Rhetorik und echte Empörung

Suter kann man sich ohne Weiteres als Politikerin vorstellen. Als eine, die im Wahlkampf nicht auf den Mund gefallen ist und sich im Gemeinderat zu Wort meldet, wenn ihr etwas nicht passt; die aber auch hinter den Kulissen gründliche Kommissionsarbeit betreibt. Politische Phrasen und Schlagwörter sind ihr trotz ihres zarten Alters nicht fremd. “Die Gesellschaft ist immer so stark wie das schwächste Glied!”, lässt sie etwa verlauten und spricht von politischem Desinteresse, von Eigeninteresse, das schnell in “anti-solidarische Aktionen” umschlagen könne – was auch immer dies genau bedeuten soll. Immer wieder betont sie, dass es “reale Probleme” gäbe, die man nicht mit “Pflästerlipolitik” beheben könne.

 

Suter spricht schnell, aber oft eindringlich und mit Nachdruck. Ihre Stimme klingt vorwurfsvoll, ungläubig, wenn es darum geht, was alles schief läuft. „Das kann doch nicht sein!“, ruft sie häufig.

 

Kandidat mit Biss

Mariani wirkt gelassener, nimmt sich Zeit und holt weit aus, wenn er zu einer Aussage ansetzt. Mit dieser Tendenz und seiner besonnen-versöhnlichen Art hätte er vermutlich Mühe, sich in hitzigen Gemeinderats-Diskussionen durchzusetzen. Alleine die knappe Redezeit würde ein ernsthaftes Hindernis darstellen.

Trotzdem hat der 87-Jährige getreu dem Motto seiner Partei (AL- Die Alternative mit Biss) mehr “Biss” als so mancher amtierender Gemeinderat. An Demonstrationen nimmt er zwar nicht mehr teil – da könne er beim Eintreffen der Polizei schliesslich nicht mehr so gut “furtseckle” – Wahlkampf betreibt er aber mit viel Herzblut und Feuer: “Kraft, geballte, für Zürich!” ruft er da schon mal enthusiastisch, und wirft pinke AL-Flugblätter in die Runde.

 

Was wäre wenn …

Weder Suter, noch Mariani rechnen ernsthaft mit einer Wahl. Für den Fall der Fälle sind jedoch beide gewappnet: Suter weiss noch nicht, ob sie jemals eine politische Karriere anstreben möchte, würde ihre Wahl aber annehmen. Sie würde sich zunächst in einer ruhigeren Kommission Zeit für eine gründliche Einarbeitung nehmen.

Mariani hingegen ist sich nicht sicher, ob er tatsächlich bis ins hohe Alter von 92 Jahren im Gemeinderat sitzen will. Ein Problem wäre seine Wahl aber nicht, beruhigt er sogleich: Es stünde auf jeden Fall jemand bereit, der für ihn nachrücken würde.

Unverhoffte und fantasievolle Geschichten

Heitere Stimmung und leiser Humor herrschten beim Trickfilmwettbewerb an den Solothurner Filmtagen vor. Auch zwei der am Samstag prämierten Gewinnerfilme schlugen einen fröhlichen Ton an.

 

Fröhliches Bienensterben

In Marcel Barellis Vigia,dem ersten Preisträger, wird auf zwei Narrationsebenen eine Geschichte erzählt. Eine Stimme – sie gehört Barellis Grossvater – erzählt aus dem Off, wie sich eine Biene auf die Suche nach einem Zuhause fernab der Umweltverschmutzung macht.

Auf Wunsch des Erzählers macht sein Enkel aus der Geschichte einen Film, indem er das Gesagte laufend illustriert. Komische Momente entstehen, wenn der Grossvater die Zeichnungen seines Enkels kritisch kommentiert oder das Erzählte auf besonders ironische Weise dargestellt wird. So hört man beispielsweise zu Beginn: “Du musst die Biene ganz glücklich machen”, und zeitgleich spaziert eine breit grinsende Biene über die Leinwand.

 

Witzige Umsetzung – ernste Thematik

Die Geschichte ist unterhaltsam und ihre Umsetzung aussergewöhnlich und witzig. Zwischen den Lachern geht die ernsthafte Thematik aber etwas verloren. Zu leicht vergisst man als Zuschauer, dass das Thema Umweltverschmutzung leider nicht so bald an Aktualität verlieren wird.

 

Unverhoffte Traumerfüllung

Den zweiten Platz ergatterte The Kiosk von Anete Melece. Die Protagonistin des Kurzfilms ist eine Kioskfrau, die in ihrem Kiosk feststeckt und von einem Leben abseits der grauen Stadt träumt. Es reihen sich komische und überraschende Vorfälle aneinander, bis sie schliesslich am Ort ihrer Träume landet. Der Film ist sehr liebevoll umgesetzt und lässt den Zuschauer in eine Welt eintauchen, in der Kettenraucher gelbgesichtig sind, Menschen eine Silbensprache murmeln und Heidi Happy die Backvocals singt.

 

Erkundung abstrakter Formen

Ganz anders hingegen ist der dritte Gewinner des Trickfilmwettbewerbs. Patch (Gerd Gockell) zeigt mithilfe von nichts weiter als in grau, schwarz und weiss bemalten Leinwandvierecken eindrücklich, wie sich aus abstrakten Formen erkennbare Gegenstände oder sogar Bewegung und Leben bilden können.

 

Fantasievolles Erzählen

Auch die restlichen gezeigten Filme konnten sich durchaus sehen lassen. Da gab es lustige Verstrickungen in Chaman Bazar (Zoltán Horváth), eine Befragung des freien Willens und der (Un-)möglichkeit von Liebe in Plug&Play (Michael Freitag) oder eine animierte Sprechmaschine, welche unter anderem auch Atemgeräusche und einzelne Töne rhythmisch einsetzte, in Gabriel Möhrings IOA.

Hasta Santiago (Mauro Carraro) hätte genauso gut ein Gewinnerfilm sein können, stand er doch den Siegern in Fantasie und Kreativität in nichts nach. Fliegende Fensterläden, dicke Nonnen und erzählenswerte Geschichten begegnen dem Protagonisten auf seiner Jakobsweg-Wanderung.

 

Die Angst weicht nicht

Zu guter Letzt sei auch noch eine der wenigen ernsten Animationen erwähnt: Hope (Lorenz Wunderle) zeigt einen Jungen im Koma. Die Elemente, welche zu Beginn in seinem Krankenzimmer zu sehen sind; ein Teddybär, eine Lampe und ein Bild von seinem Hund, werden in fiebertraumähnlichen Geschehnissen vergrössert und verzerrt. Ein berührender Film, der die existenziellen Ängste des Alleingelassenwerdens und der Machtlosigkeit auf eine beklemmende Weise darstellt. Auch am Ende weichen diese Ängste nicht ganz. Sie lauern in der Ecke, übrig gebliebene Gestalten aus den Träumen, welche sich in das Krankenzimmer geschlichen haben.

Wahrscheinlich witzig

Die Projektion von Oro verde ist vorbei, da steht auch schon Regisseur Mohammed Soudani mit Cast und Crew auf der Bühne. Der Film basiere auf einer wahren Geschichte, einer obendrein total witzigen, versichert der Tessiner Filmemacher. Soudani stammt ursprünglich aus Algerien und hat sich sowohl mit Dokumentar- als auch Spielfilmen profiliert.

 

Geschätzte zwei Drittel der Zuschauer haben den Saal seit dem Einsetzen des Abspanns verlassen, Soudani lässt sich die gute Laune jedoch nicht nehmen. Er ist in seinem Element, wenn er wild gestikulierend und ausführlich die Fragen des Moderators beantwortet. Der italienisch sprechende Teil des verbliebenen Publikums lacht herzhaft, wenn sich Soudani wieder einen Kalauer erlaubt. In der Übersetzung des Moderators wollen die Pointen jedoch nicht zünden. Wenn Soudani meint, er würde zwar rot werden, aber man sähe es bei seiner dunklen Hautfarbe sowieso nicht, funktioniert das aus zweiter Hand einfach nicht.

 

Schon während der Vorstellung kamen die Lacher stets aus denselben Reihen. Oro verde schien einen Heidenspass zu machen – zumindest, wenn man des Italienischen mächtig war. Der Rest des Publikums bemühte sein Zwerchfell hauptsächlich in den Szenen, in denen Nebendarsteller Carlos Leal sich tollpatschig anstellte. Slapstick-Humor, so bemüht er auch wirkt, wird eben über alle Sprachgrenzen hinweg verstanden. Der Witz in den augenscheinlich spritzigen Dialogen muss aber während der Untertitelung ins Deutsche versickert sein. Damit der Streifen sein Publikum auch in hiesigen Breitengraden findet, bedürfte es eines regelrechten Übersetzungswunders.

 

Klischeeparade

Der Plot zumindest dürfte nicht nur dem deutschsprachigen Publikum bekannt vorgekommen sein, hält er sich doch geradezu schulmeisterlich an sämtliche Storystrickmuster, die das Genre der Gaunerkomödie zu bieten hat. Eine Bande mehr oder weniger skurriler Verlierer plant einen Raubzug, der trotz Pech und Pannen gelingt, sich letztlich aber einem moralisierenden Drehbuchkniff fügen muss. Der Plan sieht vor, kistenweise beschlagnahmtes Marihuana aus einem Polizeilager zu klauen, bevor es die Behörden vernichten.

 

Die Amateurkriminellen setzen sich zusammen aus einem arbeitslosen Ingenieur, einem geschiedenen Familienvater samt Tochter im Schlepptau, einem erfolgreichen Bestattungsunternehmer und seinem unbeholfenen Gehilfen. Irgendwann stossen auch noch die Damen der Schöpfung in Gestalt einer argwöhnischen Karrierefrau und einer schönen Tanzlehrerin dazu. Natürlich haben sie als Ablenkung für Wachmänner zu fungieren.

 

Fertig lustig

So weit, so belanglos. Oro verde ist gut gemeint, mit einem Anflug von Sozialkritik. Er ist flott inszeniert, schön fotografiert und bietet im Fussnotenbereich sogar einige richtig gute Einfälle. Der Bauer, der seinen zurückgebliebenen Knecht mit präzisen Tennisballwürfen an den Kopf in Bewegung versetzt, ist ein wunderbar aus der Zeit gefallener Running Gag.Trotzdem kommt der Film – abgesehen vom Sprachwitz – kaum über das Zitieren von genretypsichen Allgemeinplätzen hinaus. Jede Plotwendung hat man anderswo schon gesehen – mal mehr, mal weniger witzig.

 

So ist die sechsfache Nomination dieser 0815-Komödie für den Schweizer Filmpreis nicht nachvollziehbar. Vielleicht ist es eher als Signal zu verstehen, ein Ruf der Jury nach mehr Schweizer Genrefilmen. Das Publikum wüsste es sicher zu schätzen – vorausgesetzt, das Resultat fällt etwas inspirierter aus als Oro Verde.

Rollstuhl-Rowdies im Kampf gegen Scheinheiligkeit

Es ist die schönste und gleichzeitig subversivste Szene, die die diesjährige Ausgabe der Solothurner Filmtage bislang zu bieten hatte: Drei Radaubrüder im Rollstuhl fahren in der Fussgängerzone willkürlich Passanten an, die sich darauf konsequent bei den Rowdies entschuldigen. Keiner traut sich, die drei zur Rede zu stellen und ihnen damit auf Augenhöhe zu begegnen.

 

Behindert aber nicht bescheuert

Die Unruhestifter heissen Valentin, Titus und Lukas. Bis auf Valentin werden sämtliche Behinderte im Film von tatsächlich behinderten Laiendarstellern verkörpert. Joel Basman spielt Valentin, der nach einem Snowboardunfall querschnittgelähmt ist und in einem Südtiroler Pflegezentrum landet. Hier pöbelt er schonungslos gegen seine Mitbewohner und ist bald überrascht ob deren Schlagfertigkeit. Die Spastis, wie sie sich selbstironisch gegenseitig nennen, mögen behindert sein, aber nicht bescheuert. Trotzdem werden sie von der politisch ach so korrekten Gesellschaft nicht für voll genommen und stets leicht verunsichert mit einem heuchlerischen Mitleidsbonus behandelt. Doch Valentin, Titus und Lukas haben genug von der Opferrolle. Sie wollen Täter sein und fassen den Plan, eine Tankstelle zu überfallen.

 

Viel Improvisation

Vielen Dank für Nichts ist nicht nach Drehbuch entstanden. Die Regisseure Stefan Hillebrand und Oliver Paulus liessen ihrem Darstellerensemble viel Raum für Improvisation, was Investoren verunsicherte und die Finanzierung massiv erschwerte. Der leidigen Produktionsgeschichte zum Trotz schufen sie einen stinkfrechen, unverfälschten und brüllend komischen Film, der anstatt des moralischen Zeigefingers zu schwingen, endlich mal den Mittelfinger auspackt. Erfrischend ungezwungen ist der Umgang mit und zwischen den Behinderten, die hier Menschen und nicht Sonderfälle sein dürfen. So ist schliesslich auch ihr grösster Triumph, nach dem furiosen Finale vom Gericht für schuldfähig erklärt zu werden.

 

Favorit für den Publikumspreis

Es ist dieser unverklemmten Herangehensweise zu verdanken, dass die Komödie selbst in den abgedrehtesten Momenten immer den richtigen Ton findet. Der Zuschauer lacht mit den Behinderten über schleimige Gutmenschen und überforderte Beamten. Inspiriert wurde das Regieduo von einer Schulaufführung, die in ihrem scheinheilig-verkorksten Umgang mit der Thematik alles vereinte, wogegen der Film ankämpft. Die ausverkaufte Reithalle nahm die deutsch-schweizerische Koproduktion hervorragend auf und empfing die Stars mit tosendem Applaus. Zu Recht! Vielen Dank für Nichts darf sich zu den ganz grossen Favoriten im Rennen um den Prix de Public zählen.

Kopfüber im Parkhaus

Beim diesjährigen Ice Climbing Worldcup in Saas Fee nahmen 105 Teilnehmer aus 18 Ländern teil. Die Wettbewerbe wurden im Hauptparkhaus von Saas Fee ausgetragen. Dazu wurde im Inneren des Parkhauses der Parcours für die Eiskletterer aufgebaut. Dort wo normalerweise die Autos nach unten bzw. oben fahren, konnten die Zuschauer das Spektakel verfolgen. Die Teilnehmer nahmen am Freitag an der Disziplin “Speed” und am Samstag an der Disziplin “Lead” teil.

 

Russische Dominanz

Am Freitag begann der Ice Climbing Worldcup mit der Disziplin “Speed”. Hierbei treten jeweils zwei Kletterer auf identischen Routen gleichzeitig gegeneinander an. Wer die Route schneller beendet, gewinnt den Durchgang.

Das Speedklettern der Männer wurde von den Russen dominiert. Von den 16 Qualifizierten, waren 14 Russen. Im Finale traten dann nur noch Russen gegeneinander an. Dabei setzte sich Nikolay Shved gegen Nikolay Kuzovlev durch.

 

Bei den Frauen sah das Ganze ähnlich aus. Unter den acht Qualifizierten befanden sich sieben Russinnen und eine Amerikanerin. Die Schweizerin Vivien Labarile schaffte es nicht, sich für das Halbfinale zu qualifizierten. Auch bei den Frauen waren im Finale nur noch Russinnen vertreten. Dabei belegte Maryam Filippova den ersten Platz.

 

Je höher, desto besser

Am Samstag endete der Ice Climbing Worldcup mit der Disziplin “Lead”. Hierbei müssen die Kletterer versuchen, eine ihnen bis dahin unbekannte Route zu klettern. Dabei entscheidet die erreichte Höhe über den Sieger.

Das Leadklettern der Männer konnte der Koreaner Park Hee Yong für sich entscheiden. Obwohl auch der Russe Maxim Tomilov die gesamte Route kletterte, absolvierte Park Hee Yong die Strecke um mehr als eine Minute schneller als Maxim Tomilov.

Bei den Frauen errang die Italienerin Angelika Rainer den Sieg. Die Koreanerin Shin WoonSeon konnte es ihrem männlichen Kollegen nicht gleich tun und belegte den zweiten Platz. Für die Schweizerinnen sah es nicht rosig aus. Die einzige Schweizerin Petra Klingler landete durch einen Ausrutscher auf dem achten und letzten Platz.

 

Eindrücke

Beim Weltcup in Saas Fee war nur eine bescheidene Anzahl von Zuschauern vor Ort. Einige der Einheimischen gaben an, dass viele erst für die Party nach dem Wettkampf kommen würden. Die eisigen Temperaturen dürften ebenfalls einige potentielle Zuschauer abgeschreckt haben. Doch für alle, die vor Ort waren, bot sich ein beeindruckendes Spektakel. Die Kletterer hingen teils beinahe kopfüber an der Wand. Ausserdem wurde mit Eispickeln geklettert, die einige mit den Zähnen hielten, damit sie beim Wechseln der Position die Hände frei hatten. Das solch ein Aufstieg kein Kinderspiel ist, merkte das Publikum den Teilnehmern an. Viele schüttelten mit zunehmender Höhe immer wieder die Arme aus, die langsam müde wurden. Der Anlass bot den Zuschauerinnen und Zuschauern einen guten Einblick in die eher unbekannte Sportart des Eiskletterns.


 

 

Eisklettern

Unter Eisklettern versteht man das  Klettern an gefrorenen Eisfällen und Eiszapfen. Neben dem Eisklettern oder Ice Climbing gibt es noch das sogenannte Dry-Tooling und das Mixed-Klettern. Das Dry-Tooling ist eine Spezialdisziplin des Eiskletterns, bei dem der Kletterer mit speziellen Eisgeräten schwierige Passagen im Fels überwindet. Das Mixed-Klettern ist eine Mischform des Eiskletterns und des Dry-Toolings. Dabei müssen teils auch überhängende Passagen überwunden werden.

Zudem besitzt die Schweiz eine Nationalmannschaft im Eisklettern. Petra Klingler und Vivien Labarile sind auch teil dieser Nationalmannschaft.

 

Die Zügel selbst in die Hand nehmen

In die Schweiz reisen jährlich über 80-˜000 Personen ein, dies nachdem zwischen 2007 und 2012 bereits über 460-˜000 Ausländer neu eingewandert sind. Staus, überfüllte Züge, steigende Mieten und immer mehr verbaute Grünflächen sind die sichtbaren Konsequenzen dieser Entwicklung.

 

Die Arbeitslosigkeit steigt, obwohl wir uns in einer Hochkonjunktur befinden. Leider werden vor allem ältere und weniger qualifizierte einheimische Arbeitnehmende aus dem Arbeitsmarkt verdrängt durch junge Einwanderer, die oft zu tieferen Löhnen die gleiche Arbeit ausführen.

 

Positive Zahlen?

Auch im gesamten Sozialbereich unseres Landes hat die Zuwanderung schwerwiegende Auswirkungen. Die Zahl der ausländischen Arbeitslosen in der Schweiz liegt bei etwa 46 Prozent auch von den IV- und Sozialhilfebeziehenden sind rund 45 Prozent Ausländerinnen und Ausländer. Mit einer unkontrollierten Zuwanderung ist die Gefahr gross, dass die Schweiz ein Mekka für Sozialtouristen wird.

 

Im Gegensatz zu den Behauptungen der Initiativgegner kommen keineswegs nur hochqualifizierte Arbeitskräfte in die Schweiz. Wie die Statistik des Bundesamt für Migration für 2012 zeigt, sind ein Viertel der Einwanderer Familienmitglieder, 9.5 Prozent haben eine nicht bestimmbare Berufstätigkeit, 5 Prozent sind Arbeitssuchende, 4 Prozent höhere Kader, 5 Prozent kaufmännische Angestellte und mit 5,8 Prozent ist der Anteil des Küchen- und Servicepersonals doppelt so hoch wie beispielsweise jener der Ärzte und des Pflegepersonals, die gerade mal 2,7 Prozent der Einwanderer ausmachten. Die Zahl der eingewanderten Ingenieure wird in der Statistik nicht separat ausgewiesen, weil sie zu klein ausfällt.

 

Kontingente und EU

Die Initiative sieht vor, dass jährliche Kontingente, das heisst Höchstzahlen für die Vergabe von Aufenthaltsbewilligungen, festgelegt werden. Für Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern wird die Zuwanderung seit langem mit Kontingenten begrenzt und bis 2007 war das auch für EU-Bürger der Fall.

 

Die Steuerung der Einwanderung über Kontingente ist also keineswegs etwas Neues oder extrem Kompliziertes, wie die Gegner der Initiative behaupten, sondern war bis vor kurzem die Grundlage der Schweizer Einwanderungspolitik. Im Übrigen vergessen die Gegner bewusst zu erwähnen, dass seit letzten Frühling und noch bis Ende Mai aufgrund der sogenannten Ventilklausel auch jetzt die Einwanderung über Kontingente verwaltet wird, was sich allerdings erst in der Ausländerstatistik in diesem oder nächsten Jahr auswirken wird.

 

Zur Person


Mike Egger ist Präsident der Jung-SVP im Kanton St. Gallen.

Der Drang der Kirche, sich selbst zu entfremden.

Dass Vitus Huonder für die Veröffentlichung seines Schreibens den 10. Dezember, den Tag der Menschenrechte, auswählte, zeugt vom fehlenden Feingefühl in der kirchlichen Kommunikation. Doch hält der Churer Bischof trotz heftigen Reaktionen aus der Bevölkerung an seinen Aussagen fest und appelliert er  weiter an die “Verteidigung des christlichen Menschenbildes”?

 

Aufmerksamkeit um jeden Preis

In seinen sechs Jahren als Bischof des Bistums Chur schaffte es Vitus Huonder bereits mehrmals in die Schlagzeilen der Schweizer Medien. Kein Wunder, denn seine konservativen Ansichten sind so unzeitgemäss und unfortschrittlich, dass sie immer wieder für ein kollektives Kopfschütteln in der Gesellschaft führen. Bereits vor zwei Jahren sorgte er mit seiner Aussage, dass das kirchliche Recht über dem weltlichen stehe, für rote Köpfe auch bei Kirchengängern. Im selben Jahr forderte er ein Verbot für den obligatorischen Sexualunterricht an Schweizer Schulen.

 

In Anbetracht dessen scheint es nicht nur wie ein verzweifelter Versuch der Aufmerksamkeitserregung, dass Vitus Huonder den Tag der Menschenrechte nutzte, um gegen Schwule und Lesben zu predigen. Viel mehr steckt hinter der Feindseligkeit auch eine tiefe Unsicherheit und die Angst vor dem Machtverlust.

 

Öffentliche Ausgrenzung von Schwulen und Lesben

Das Wort des Bischofs zielt allerdings nicht nur auf Homosexuelle ab, sondern auf alle Menschen, die in einer “irregulären Situationen” leben. Irreguläre Situationen sind laut Vitus Huonder “gleichgeschlechtliche Beziehungen, das Verhüten mit Kondomen oder die Praktizierung von Sex vor der Ehe”.

 

Menschen, auf die das zutrifft, sollen keine Kommunion erhalten. Gnädigerweise kommen diese Sünder allerdings in einen ganz besonderen Genuss – sie dürfen weiterhin am Kommuniongang ihrer “reinen” Mitmenschen teilnehmen, müssen dann allerdings, als Teil der Zeremonie, vor den Priester treten und die Arme verschränken. Dies symbolisiert die Akzeptanz des Sünderdaseins und die Anerkennung, dass man deshalb keine Kommunion verdient habe. Durch diesen sinnbildlichen Kniefall erhalten die Unreinen einen Segen des Priesters.

 

Vitus Huonder wünscht sich, dass dieses mittelalterliche Szenario zur “Verteidigung des christlichen Menschenbildes” weltweit institutionalisiert wird.

 

Die Kirche als weltfremde Institution

Über den Sinn und die Umsetzbarkeit dieses Vorschlags muss vermutlich kaum diskutiert werden. Viel mehr bleibt die Frage, wie es in der heutigen Zeit immer noch zu solch skurrilen Ideen innerhalb der Kirchenmauern kommen kann. Extreme Fälle wie diese beweisen, dass sich die Kirche allmählich von ihrem ultrakonservativen Dogma lösen sollte. Schlussendlich liegt es an ihr, wieder einen Schritt auf die Menschen zu zu machen. Denn die Menschen entfernen sich stetig von der ältesten Institution der Welt.

 

Wären Vitus Huonder und seine konservativen Ordensbrüder bereit für diesen Schritt? Diese Sinnfrage bleibt unbeantwortet – der Churer Bischof möchte zu diesem Thema nicht mehr öffentlich Stellung nehmen und erteilte der Interviewanfrage von Tink eine Absage.