Kultur | 13.12.2013

Kunsthalle Bern: Bald ein Partylokal?

«Kunsthalle Bern? - Noch nie gehört!" Wie kommt es, dass die wohl wichtigsten Räume für Gegenwartskunst in Bern zurzeit nur wenig Publikumsanklang finden? Sogar eine Umfunktionierung zu einem Partylokal steht zur Debatte.
Die Kunsthalle in Bern soll der Sparrunde der Stadt Bern zum Opfer fallen. Welche Bedeutung der Kunsthalle jedoch in der Szene beigemessen wird, geht oft vergessen.
Bild: zvg

Der Grund für die Schliessungs-Diskussion um die Kunsthalle liegt einmal mehr bei den von der Stadt Bern beschlossenen Sparmassnahmen. Zurzeit wird die Kunsthalle mit 1,2 Millionen Franken pro Jahr von der Stadt Bern subventioniert. Dies sei nicht vertretbar, kritisieren die Jungfreisinnigen Bern. Sie fordern eine Umnutzung der Kunsthalle in ein Nachtlokal. Es erstaunt, dass diese Forderung von liberaler Seite kommt und zeigt auf, wie sehr die Kunsthalle gerade bei der jüngeren Generation in Vergessenheit geraten ist.

 

Internationale Anerkennung

Die Kunsthalle Bern hat seit ihrer Eröffnung 1918 immer wieder Anlass zu Diskussionen gegeben. Das wohl berühmteste Beispiel hierfür ist die Ausstellung Live in Your Head: When Attitudes Become Form von 1969, bei der rund vierzig Künstlerinnen und Künstler die Kunsthalle zum Ort ihres Schaffens gemacht haben. Kurator war der damalige Direktor der Kunsthalle Harald Szeemann.

 

Durch diese Ausstellung zog Szeemann die Aufmerksamkeit der internationalen Kunstszene auf sich. Junge, noch unbekannte europäische und amerikanische Künstler erschufen gemeinsam ein Werk. Damit wurde nicht nur der Kunsthalle, sondern der gesamten Berner Kunstszene Aufmerksamkeit geschenkt. In der Schweiz wurde die Ausstellung heftig diskutiert und legte gleichzeitig den Grundstein zu Szeemanns Karriere: Er wurde später Generalsekretär der Documenta 5, einer der weltweit erfolgreichsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.

 

Wie prägend die Ausstellung von 1969 für die Kunst der Moderne und Gegenwart war, zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass sie an der diesjährigen Biennale in Venedig rekonstruiert wurde. Viele Originalkunstwerke wurden hervorgesucht und wo es kein Werk mehr gab, wurde ein Foto angebracht. Als Ausstellungsraum wurde die Kunsthalle massstabgetreu in den Räumen des Settecento-Palastes rekonstruiert: Türen, Heizungen, Boden, alles wurde nachgebaut.

 

Kunstraum – Raumkunst

Die Kunsthalle Bern ist kein klassisches Museum. Sie besitzt keine Sammlung von Kunstwerken, sondern stellt ihre Räume als Ort für die Erschaffung neuer Kunstwerke zur Verfügung. Künstler arbeiten mit den Räumen der Kunsthalle, lassen ihre Werke von der Architektur prägen und prägen mit ihren Werken die Architektur. So entstehen einmalige Ausstellungen, die nicht selten Nutzen mit Kunst verbinden und den Besuchenden der Kunsthalle immer wieder vor die altbekannte Frage stellen: Was ist Kunst?

 

In dieser Verschmelzung von Raum und Kunstwerk liegt die Einmaligkeit der Kunsthalle Bern. “Wir leisten uns eine Kunsthalle”, ist der Titel der Petition für das Weiterbestehen der Kunsthalle Bern. Aktuell ist in der Kunsthalle die alljährliche Weihnachtsausstellung zu besichtigen, bei welcher verschiedene Gegenwartskünstler aus der Schweiz ihre Werke ausstellen.