Gesellschaft | 24.12.2013

Immer ein M grösser

Text von Laura Oderbolz | Bilder von zVg, Migros.
Gottlieb Duttweiler, Gründer der Migros, hätte in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag gefeiert. Ein wichtiger Anlass und ein treffender Grund den Grosskonzern unter die Lupe zu nehmen. Was hat sich seit der Lancierung der ersten "Migros-Wägeli" verändert und wo wird das Mammutunternehmen Migros in Zukunft stehen?
Wie authentisch bleibt die Migros, wenn sie Jahr um Jahr neue Geschäftsketten aufkauft?
Bild: zVg, Migros.

Oh du fröhliche Weihnachtszeit. Die Strassen sind feierlich geschmückt, die Leute hetzen durch die Stadt und greifen oft tief in ihren Geldbeutel für die grosse Weihnachtsbescherung. Weihnachten ist für die Migros eine wichtige Zeit im Jahr. Der ausgezeichnete Start des Weihnachtsverkaufes lässt laut Mediensprecherin der Migros Martina Bosshard auf einen guten Geschäftsabschluss 2013 hoffen. Die Auszeichnung der besten Nachhaltigkeit für Generation M, sowie der Kauf der Modekette Schild sind wichtige Meilensteine für das orange “M” der Schweiz.

 

M wie Migros

Gottlieb Duttweiler, ein Schweizer Pionier mit grossen Visionen.1925 gründet er mit seinen ersten fünf “Migros-Wägeli” die Schweizer Genossenschaft. Heute, bald 90 Jahre später beschäftigt die Migros-Gruppe mehr als 80’000 Leute in der Schweiz. Das grosse M, wandelte sich von einer Privatunternehmung in eine Genossenschaft und wurde dann der Schweiz vermacht.

 

Der Geist von Gottlieb Duttweiler lebt auch nach seinem Tod im Jahre 1962 in der Migros weiter. Für die Migros ist es laut Martina Bosshard, die Tink.ch zu einem Interview traf, eine Freude zu sehen, wie sich das Schweizer Volk immer noch für den Pionier “Dutti” interessiert. Dies ist für den Konzern natürlich auch eine Verpflichtung, diese Werte weiterhin zu leben.

Duttweiler wollte ein Unternehmen, das einen sozialen Gedanken verfolgt, in welchem der Mensch im Mittelpunkt steht und die Mitarbeiter respektvoll behandelt werden. Diese Mentalität ist auch heute noch verankert. “Die Welt hat sich verändert, doch Dutti war nie einer, der alles beim Alten belassen wollte – er ging mit der Zeit und das muss unser Unternehmen weiterhin verfolgen”, so Martina Bosshard.

 

Familien im Mittelpunkt

Familien waren von Anfang an eines der Kernziele des Unternehmens, welches heute noch stark verfolgt und gewichtet wird. Günstige Preisangebote, gesunde Produkte, Familienrabatte bei Ferien oder kulturellen Veranstaltungen sowie kinderfreundlicher Sammelspass zum Einkleben, Tauschen und Spielen. Letzteres animiert auch Grosseltern zum Mitmachen. Dabei werden verschiedene Generationen angesprochen und das Ziel der Familienfreundlichkeit unterstrichen.

 

Einsatz für Zukünftiges

Seit 1957 investiert die Migros eine gewisse Prozentzahl ihres Jahresumsatzes in die Kultur und Weiterbildung. Der Migros Kulturprozent unterstützt Künstler und Talente auf ihrem kulturellen Weg.

 

Mit Generation M will sich die Migros weiter abheben in Sache Nachhaltigkeit. Einige Versprechen, wie zum Beispiel verschiedene Laufveranstaltungen für Jugendliche in der Sparte Gesundheit, fanden bereits statt. Andere Vorhaben brauchen noch Zeit und stehen erst am Anfang.

“Es gibt bis heute auch ehrgeizige Ziele bei denen noch unklar ist, wie und ob man sie erreicht. Dazu gehört auch das Tierwohlversprechen, welches wir in diesem Jahr lanciert haben. Dabei sollen im Ausland die gleichen Bedienungen in der Behandlung und Wertschätzung der Tiere praktiziert, wie diese in der Schweiz umgesetzt werden. Es ist natürlich schwierig die ausländischen Lieferanten von diesem Vorhaben zu überzeugen”, erklärt die Mediensprecherin.

 

Der Wandel der Zeit

Im Sommer lancierte das Unternehmen die “Cronuts”, welche jedoch nach einem Namensstreit mit dem amerikanischen Erfinder unter dem Namen “Big-O” verkauft werden. Ein Mitarbeiter des Migros Unternehmens Jowa entdeckte das Produkt in New York, kurz darauf wurde, gemäss Martina Bosshard, der kalorienhaltige Blätterteig-Donut in der Schweiz lediglich “nachgebacken” und nicht kopiert.

 

Zudem wurde vor kurzem das Selbstbezahlungssystem Subito in verschiedenen Filialen eingeführt. Dass Kassen jedoch ganz verschwinden, wird nicht der Fall sein, versichert Martina Bosshard. In diesem Zusammenhang fügt die Mediensprecherin an, dass mit der Einführung einer möglichen Selbstzahlung kein Stellenabbau geplant sei. Es gehe um den Versuch, die Anstehzeit der Kunden zu verkürzen.

 

Kauf um Kauf

Als die Migros im Jahr 1997 die Globus-Gruppe übernahm, gab es bereits einige Stimmen, die sich negativ zu diesem Schritt äusserten. Nun erwarb Globus vor kurzem die Modekette Schild. Die Frage ist, wie authentisch und transparent ein Unternehmen nach einer solchen Übernahme noch ist. Wo muss sich ein Betrieb die Treue halten, um den Kunden gegenüber glaubwürdig zu bleiben? Erhält man so den Grundgedanken von Duttweiler? Ist das in diesen Dimensionen überhaupt möglich? Wie wirken sich solche Dinosaurierhochzeiten auf das Kleingewerbe aus? Fragen, die sich sogar überzeugte Migroskunden zu Recht stellen.

 

Obwohl die Migros bereits vom Ferienbuchen, über Nähkurs besuchen bis hin zum sportlichen Ausgleich im Fitnesscenter, einiges an Freizeit abdeckt, kann man sich in Zukunft noch auf einiges gefasst machen. Wie es im neuen Jahr weitergeht, bleibt aber vorerst ein Geheimnis. “Es wird immer Neues dazukommen. Doch da wir gerne überraschen, werden wir das nicht vorher ankündigen”, sagt Mediensprecherin Martina Bosshard mit einem Lächeln.