Kultur | 30.12.2013

Bestatter startet mit Gegenwind

Text von Michael Küng | Bilder von zVg.
Der Serienhit des Schweizer Fernsehens geht in die zweite Runde. Tink.ch verfolgte die Entwicklung der Serie, die seit den ersten Drehtarbeiten im August 2012 in Aarau und Umgebung beheimatet ist.
Mike Müller als Luc Conrad und Barbara Terpoorten als Anna-Maria Giovanoli glänzen in den leisen Momenten der neuen Staffel.
Bild: zVg.

Als die erste Folge des Bestatters zur Ausstrahlung kam, brach die Quotenmessung zusammen. Diese wurde im Januar 2013 auf das zeitversetzte Fernsehen ausgerichtet. Das neue System hatte Kinderkrankheiten, die ausgerechnet beim lang ersehnten Serienstart ausbrachen. Drei Monate lang rätselten die Fernsehkritiker, wie das Format bei den Zuschauern abschnitt. Während der Schweizer Boulevard eher von einem negativen Trend ausging, verwies das Schweizer Fernsehen mit Stolz auf die Aufrufzahlen im Internet: Es waren die höchsten je gemessenen Aufrufzahlen eines fiktionalen Formats auf srf.ch.

 

Drei Monate nach Ausstrahlung der ersten Folge fiel der Entscheid zugunsten einer zweiten Staffel. Die Serie hatte genügend Fans von sich überzeugt. Nachdem dies die Kritiker zur Kenntnis genommen hatten, wurde der Publikumserfolg auch zum Kritikerliebling.

 

Worum geht es?

Bestatter Luc Conrad, gespielt von Mike Müller, findet zusammen mit seiner Ex-Ehefrau Anna-Maria eine Leiche an der Aare mit einer Narbe auf Nierenhöhe. Parallel stirbt der Textilfabrikant Max Lauener, welcher ebenfalls eine Narbe auf Nierenhöhe trägt. Luc merkt sofort, dass irgend etwas nicht stimmt. Allmählich zeichnet sich eine Geschichte rund um den Organhandel in der Stadt Aarau ab, in den die Familie Lauener verstrickt scheint.  Organhandel, das ruft die Bundespolizei auf den Plan, die nun durch den jungen Kommissar Pedro Lambert mitermittelt. Dies sorgt für einigen Wirbel in der Beziehung zwischen Luc und Anna-Maria, die sich durch bestandene Abenteuer in der ersten Staffel gebessert hatte.

 

Zu starker roter Faden

In der ersten Folge richtet Luc Konrad sein neues Bestattungsinstitut ein. Grund dafür ist die Film-Produktion, stehen doch die Räumlichkeiten der ersten Bestatter-Villa aufgrund eines Verkaufes nicht mehr für den Dreh zur Verfügung.

Wieso Bestatter Luc allerdings umzieht, bleibt im Dunkeln. Das ist schade, denn dieser Aspekt hätte sich sicher für eine gute Geschichte geeignet. Dafür geht es gleich los mit der Geschichte rund um den Organhandel, der nach dem Staffelauftakt für die weiteren Folgen zum roten Faden wird.

 

Die angepeilte Balance zwischen einer Episodenhandlung und dem roten Faden ist schwer zu finden. Manchmal spielt das Geschehen um den Organhandel die Episodenhandlung an den Rand. Auch das ist schade, denn der Bestatter ist gerade bei den leisen Tönen hervorragend gelungen. Das Zusammenspiel der Hauptdarsteller Mike Müller und Barbara Terpoorten ist in dieser Staffel noch ausgereifter.

 

Intime Momente schaffen den Ausgleich

Es finden sich viel starke Momente im Bestatter. Zum Beispiel wenn Luc mit einem philippinischen Verwandten die Totenwache dessen verstorbener Mutter begeht. Oder wenn der heimliche Star der Serie, Gerichtsmediziner Alois Semmelweis (Martin Ostermeier) mit einer Mischung aus Freude, Professionalität und Wiener Charme die Details der Obduktion mit Luc bespricht. Diese Szenen erinnern stark an die guten Zusammenspiele zwischen Kommissar und Gerichtsmediziner, wie sie in vielen Tatorten vorkommen.

 

Mit Spannung wurde auch der Einstieg des westschweizer Schauspielers Carlos Leal erwartet. Diese Rolle wurde eingeführt, um den Bestatter auch in der Westschweiz bekannt zu machen. Dort wird er synchronisiert ausgestrahlt.

Dieses Vorhaben wurde mehr oder weniger gut umgesetzt. Leal spielt glaubwürdig den jungen, draufgängerischen Bundespolizisten, der gerne James Bond wäre.

 

Mehr Szenen im Aargau

Einer der Hauptkritikpunkte an der ersten Staffel war, dass nur wenige Szenen im Aargau gedreht wurden. So haben Journalisten herausgefunden, dass die ehemalige Bestatter-Villa in Zürich stand. Damals hiess es von Seiten der Produktion, dies sei eine gängige Praxis für solche Serien. Die Kritik wurde für die zweite Staffel trotzdem aufgenommen.

So spielt eine Folge zum Beispiel während des Aarauer Brauchtums des Maienzugs, eine andere auf dem Schloss Hallwyl oder in den Rebbergen eines Vorortes von Aarau.

Diese Einbettung von Lokalkolorit tut der Serie gut und ist bemerkenswert. Hiess es doch noch bei Staffel eins, Aarau sei vor allem wegen den Merkmalen einer typischen Schweizer Kleinstadt ausgewählt worden und es gäbe keine speziellen Orte oder Brauchtümer, die der Zuschauer bei einer Sendung in Aarau vorzufinden wünscht.

 

Fazit: Anschauen lohnt sich

Die zweite Staffel macht Lust auf mehr. Es gibt die einen oder anderen Handlungsstränge, die man leicht anders schreiben und gewichten könnte. Doch dies führt zu Gesprächsstoff und über beliebte Serien diskutiert man lieber als über Rohrkrepierer. Dem Bestatter sind wiedermal sechs spannende Mordfälle über den Weg gelaufen, welche die Zuschauer bestens unterhalten werden.

 


SRF 1 zeigt Der Bestatter vom 7. Januar an in sechs Folgen.