Zeitgenössische Medien erleben

Über 40 Projekte haben sich im Herbst 2013 für die begehrten Zentralschweizer Förderpreise von Migros Kulturprozent beworben. Nun hat eine Jury, bestehend aus Alain Roth, Leiter Kulturelles der Migros, sowie sieben Fachpersonen aus je einem Zentralschweizer Kanton, neun Projekte auserkoren, welche die Förderpreissumme von insgesamt 120-˜000 Franken erhalten.

Für ihre “informelle und nicht profitorientierte Bildung und Weiterbildung im Bereich der zeitgenössischen Medien” erhält das Labor Luzern insgesamt 20-˜000 Franken, so die Begründung von Jurypräsident Roth.

 

Diese Anerkennung der Migros ist nur eines von vielen Zeichen dafür, dass der Do-It-Yourself-Lebensstil momentan seinen zweiten Frühling erlebt. Im Zeitalter der Überdigitalisierung wollen Jung und Alt wieder vermehrt selbst die Dinge in die Hand nehmen und erforschen; eine Veränderung, die Hand in Hand mit der Philosophie vom Labor Luzern geht.

 

Zu Besuch im Tüftellabor

In einer unscheinbaren Holzbaracke hinter dem Bahnhof Luzern treffen sich jeden Mittwochabend Künstler und Denker zum Austausch von Wissen über die neuen Medien. “Hackspace” nennt sich die elektronische Werkstatt des Labors, die jeden Mittwochabend ab 20 Uhr stattfindet. So unterschiedlich wie die Besucher sind auch die Projekte, an denen im selben Raum gearbeitet wird. Ob an der Restaurierung 800-jähriger Vasen oder dem Zusammenbauen eines 3D-Druckers – im Labor Luzern sind dem Tun und Schaffen der sogenannten “Macher” keine Grenzen gesetzt.

 

Durch die lockere Stimmung, entspannte Atmosphäre und Professionalität in der offenen Werkstatt sorgt das Labor auch gleichzeitig für mehr Offenheit und weniger Berührungsängste gegenüber den zeitgenössischen Medien.

Nebst dem Arbeiten an eigenen Projekten wird auch der Austausch zwischen Kultur, Technologie, Kunst und Wissenschaft aktiv gefördert, so zum Beispiel mit unregelmässig organisierten Workshops und Weiterbildungskursen, die unter dem Namen “Open Sources”, deutsch “offene Quellen”, stattfinden.

 

Die “offene Quellen”-Philosophie ist ein wichtiger Grundsatz des Labors, weshalb die Workshops auch unter diesem Motto stattfinden: “Das Offenlegen, Teilen und Aktualisieren von Wissen ist ihnen ein grosses Anliegen, denn nur so kann man die Kreativität und die Entwicklung eigener Ideen fördern”, erläutert Felix Bänteli, Kultur- und Technikvermittler des Labors und Geschäftsführer der Schweizerischen Gesellschaft für Mechatronische Kunst (SGMK).

 

Künstlerische Wissensvermittlung

Auch in der Kunstszene Luzerns ist das Labor bereits ein wichtiger Bestandteil. Unter dem Namen “Jurassic Laboratory” veranstaltet es jedes Jahr grössere und kleine Festivals. Auch Vorträge, Konzerte und Diskussionen sollen spielerisch einen humanistisch, gesellschaftlich und kulturell relevanten Dialog zwischen Technik und Kunst entstehen lassen. Die “Jurassic Laboratory”-Veranstaltungen werden vor allem von Daniela Schmidlin organisiert, die für Events und Forschung zuständig ist.

Der dritte Verantwortliche vom Labor ist der Grafiker Patrick Rohner. Durch die unterschiedlichen Backgrounds des Labor-Trios sorgen sie für genügend Diversität in der Auswahl neuer Ideen für Workshops und Weiterbildungskurse, und bieten zusätzlich eine breite Palette an Fachwissen zu zeitgenössischen Medien.

Auch für das kommende Jahr 2014 ist das junge und dynamische Trio motiviert und voller Tatendrang. Trotz den zahlreichen Ideen, die sie bereits ausgearbeitet haben, sind sie auch weiterhin dankbar für die Meinungen und Vorschläge von Aussenstehenden – schliesslich soll auch das Labor selbst eine “offene Quelle” bleiben.

Bestatter startet mit Gegenwind

Als die erste Folge des Bestatters zur Ausstrahlung kam, brach die Quotenmessung zusammen. Diese wurde im Januar 2013 auf das zeitversetzte Fernsehen ausgerichtet. Das neue System hatte Kinderkrankheiten, die ausgerechnet beim lang ersehnten Serienstart ausbrachen. Drei Monate lang rätselten die Fernsehkritiker, wie das Format bei den Zuschauern abschnitt. Während der Schweizer Boulevard eher von einem negativen Trend ausging, verwies das Schweizer Fernsehen mit Stolz auf die Aufrufzahlen im Internet: Es waren die höchsten je gemessenen Aufrufzahlen eines fiktionalen Formats auf srf.ch.

 

Drei Monate nach Ausstrahlung der ersten Folge fiel der Entscheid zugunsten einer zweiten Staffel. Die Serie hatte genügend Fans von sich überzeugt. Nachdem dies die Kritiker zur Kenntnis genommen hatten, wurde der Publikumserfolg auch zum Kritikerliebling.

 

Worum geht es?

Bestatter Luc Conrad, gespielt von Mike Müller, findet zusammen mit seiner Ex-Ehefrau Anna-Maria eine Leiche an der Aare mit einer Narbe auf Nierenhöhe. Parallel stirbt der Textilfabrikant Max Lauener, welcher ebenfalls eine Narbe auf Nierenhöhe trägt. Luc merkt sofort, dass irgend etwas nicht stimmt. Allmählich zeichnet sich eine Geschichte rund um den Organhandel in der Stadt Aarau ab, in den die Familie Lauener verstrickt scheint.  Organhandel, das ruft die Bundespolizei auf den Plan, die nun durch den jungen Kommissar Pedro Lambert mitermittelt. Dies sorgt für einigen Wirbel in der Beziehung zwischen Luc und Anna-Maria, die sich durch bestandene Abenteuer in der ersten Staffel gebessert hatte.

 

Zu starker roter Faden

In der ersten Folge richtet Luc Konrad sein neues Bestattungsinstitut ein. Grund dafür ist die Film-Produktion, stehen doch die Räumlichkeiten der ersten Bestatter-Villa aufgrund eines Verkaufes nicht mehr für den Dreh zur Verfügung.

Wieso Bestatter Luc allerdings umzieht, bleibt im Dunkeln. Das ist schade, denn dieser Aspekt hätte sich sicher für eine gute Geschichte geeignet. Dafür geht es gleich los mit der Geschichte rund um den Organhandel, der nach dem Staffelauftakt für die weiteren Folgen zum roten Faden wird.

 

Die angepeilte Balance zwischen einer Episodenhandlung und dem roten Faden ist schwer zu finden. Manchmal spielt das Geschehen um den Organhandel die Episodenhandlung an den Rand. Auch das ist schade, denn der Bestatter ist gerade bei den leisen Tönen hervorragend gelungen. Das Zusammenspiel der Hauptdarsteller Mike Müller und Barbara Terpoorten ist in dieser Staffel noch ausgereifter.

 

Intime Momente schaffen den Ausgleich

Es finden sich viel starke Momente im Bestatter. Zum Beispiel wenn Luc mit einem philippinischen Verwandten die Totenwache dessen verstorbener Mutter begeht. Oder wenn der heimliche Star der Serie, Gerichtsmediziner Alois Semmelweis (Martin Ostermeier) mit einer Mischung aus Freude, Professionalität und Wiener Charme die Details der Obduktion mit Luc bespricht. Diese Szenen erinnern stark an die guten Zusammenspiele zwischen Kommissar und Gerichtsmediziner, wie sie in vielen Tatorten vorkommen.

 

Mit Spannung wurde auch der Einstieg des westschweizer Schauspielers Carlos Leal erwartet. Diese Rolle wurde eingeführt, um den Bestatter auch in der Westschweiz bekannt zu machen. Dort wird er synchronisiert ausgestrahlt.

Dieses Vorhaben wurde mehr oder weniger gut umgesetzt. Leal spielt glaubwürdig den jungen, draufgängerischen Bundespolizisten, der gerne James Bond wäre.

 

Mehr Szenen im Aargau

Einer der Hauptkritikpunkte an der ersten Staffel war, dass nur wenige Szenen im Aargau gedreht wurden. So haben Journalisten herausgefunden, dass die ehemalige Bestatter-Villa in Zürich stand. Damals hiess es von Seiten der Produktion, dies sei eine gängige Praxis für solche Serien. Die Kritik wurde für die zweite Staffel trotzdem aufgenommen.

So spielt eine Folge zum Beispiel während des Aarauer Brauchtums des Maienzugs, eine andere auf dem Schloss Hallwyl oder in den Rebbergen eines Vorortes von Aarau.

Diese Einbettung von Lokalkolorit tut der Serie gut und ist bemerkenswert. Hiess es doch noch bei Staffel eins, Aarau sei vor allem wegen den Merkmalen einer typischen Schweizer Kleinstadt ausgewählt worden und es gäbe keine speziellen Orte oder Brauchtümer, die der Zuschauer bei einer Sendung in Aarau vorzufinden wünscht.

 

Fazit: Anschauen lohnt sich

Die zweite Staffel macht Lust auf mehr. Es gibt die einen oder anderen Handlungsstränge, die man leicht anders schreiben und gewichten könnte. Doch dies führt zu Gesprächsstoff und über beliebte Serien diskutiert man lieber als über Rohrkrepierer. Dem Bestatter sind wiedermal sechs spannende Mordfälle über den Weg gelaufen, welche die Zuschauer bestens unterhalten werden.

 


SRF 1 zeigt Der Bestatter vom 7. Januar an in sechs Folgen.

 

“Das grösste Vorurteil haben die Schweizer selbst”

Tink.ch: Europatour – ein grosses Wort für eine Schweizer Band. Was war eure grösste Überraschung auf der Tour?

Noah: Die grösste Überraschung auf der Tour war, dass es zum Beispiel in Deutschland völlig egal ist, von wo die Band kommt. Stimmt die Musik, ist das Publikum zufrieden. Das grösste Vorurteil der Schweizer Musik gegenüber haben die Schweizer selber.

 

Gab es Feedback?

Gabriel: Wir bekamen viel positives Feedback. Nach dem ersten Abend in Berlin stieg unsere Fangemeinde auf Facebook an und es gab zahlreiche positive Kommentare. Es ist super mit einer Band wie Hurts unterwegs zu sein, wir spielten jeden Abend vor 5000 bis 7000 Besuchenden und konnten zahlreiche Alben verkaufen.

 

Seid ihr mit dem Status “Schweizer-Vorband” gut klargekommen?

G: Auf der Bühne schien es, dass das Publikum praktisch keine Vorurteile hatte. Wir sagten jeden Abend, dass wir aus der Schweiz sind und dies wurde mit Freude aufgenommen. Wir waren positiv überrascht. Hauptsache, die Musik passte ihnen.

N: Das Schwierigste war, dass man dem Hauptact auf der Bühne nicht in den Weg kam. Wir hatten ein gutes Team, das genau managte wie viel Zeit wir hatten, sodass immer alles aufgeräumt war, sobald Hurts auf die Bühne kam. Es war alles auf die Minute berechnet und musste einfach klappen.

 

Wie war der Kontakt und die Zusammenarbeit mit Hurts?

G: Hurts waren sehr sympathisch. Wir haben viel mit ihnen gesprochen, auf dem Flur oder beim Mittagessen. Es sind auch nur Menschen, Musiker aus Manchester. Sie hatten ihr Studio dabei und wir durften uns neue Songs von ihnen anhören.

N: Das grösste Problem hätte es zwischen den Crews geben können, doch dies war kein Problem und es hat alles einwandfrei funktioniert.

 

Wie war es nach Hause zu kommen? Für euer Konzert in Bern?

N: Es ist immer etwas Persönliches in Bern oder Biel zu spielen, immer angespannt. Du siehst am Konzert stets jemanden, den du kennst. Ehrlich gesagt war ich froh wieder unterwegs zu sein, diese Shows sind nie locker.

 

Im März kommt euer neues Album auf den Markt. Freut ihr euch darauf?

N: Grundsätzlich freuen wir uns! Aber es ist immer eine Nervosität dabei. Man fragt sich, ob es ankommt und wie man es auf der Bühne umsetzen kann.

Die letzten zwei Jahre waren unglaublich für uns, wir bekamen viele Reaktionen und man fragt sich, ob das so weitergeht. Jedoch hatten wir eine gute Vorproduktion und Vorbereitungszeit. Ich schrieb den grössten Teil der Songs in Berlin und es ist ein spannendes Album.

 

In diesem Fall seid ihr mit eurem Produkt zufrieden?

Beide: Sehr, ja!

G:  Eine Albumproduktion geht lange, es braucht viel Arbeit, bis man das fertige Album in den Händen hält.

 

Hat sich eure Musik weiterentwickelt? Und in welcher Form?

N: Ich denke, es ist eine Weiterentwicklung des letzten Albums. Es ist nicht etwas radikal Neues, aber es ist trotzdem innovativ – es hat viel Perkussion und experimentelle Klänge darauf. Aber es ist schwer zu sagen, weil wir dem Ganzen viel zu nahe sind.

G: Ich würde sagen, es hat auf der einen Seite mehr elektronische Elemente und auf der anderen eben gerade nicht.

N: Es ist auf alle Fälle abwechslungsreich und jeder Song hat etwas Eigenes. Auf der zweiten Hälfte erwartet die Zuhörer und Zuhörerinnen eine Überraschung, aber es ist noch zu früh, um mehr zu verraten. (lacht)

 

Wie sieht eure Zukunft aus, was wünscht ihr euch? Seid ihr auf das Ausland fokussiert?

N: Eine Gitarre, die funktioniert!

G: Ja, zu Weihnachten!

N: Das Wichtigste ist, dass wir weiterhin Freude haben an unserem Job und der Zusammenarbeit. Es ist nicht einfach, wir sind immer zusammen und haben Druck, das kann auch nerven. Aber wir möchten in der Schweiz gerne weitermachen wie bisher und dann natürlich auch mehr Konzerte im Ausland spielen.

G: Wir freuen uns im Februar wieder in unserem Tourbus unterwegs zu sein.

“Nicht mit Kanonen auf Spatzen schiessen”

Tink.ch: Die Polizei inszeniert sich gerne als dein Freund und Helfer. Es gibt aber auch die Polizei in Kampfmontur, aus- gerüstet mit Tränengas und Gummischrot. Im sogenannten Ordnungsdienst recht- fertigt die Polizei ihr Handeln mit der Verhältnismässigkeit. Wer bestimmt denn, was verhältnismässig ist?

Mohler: Das Verhältnismässigkeitsprinzip ist als bindende Vorschrift in der Bundesverfassung festgeschrieben. Was es konkret bedeutet, lernen Polizistinnen und Polizisten in der Ausbildung und durch die Führung. Das Verhältnismässigkeitsprinzip ist für die Polizeiarbeit das A und O. Man sollte dieses nicht nur auf Tränenreizstoff und Gummischrot begrenzen, es gilt in allem. Zu meiner Zeit haben alle Auszubildenden zum Beispiel die Erfahrung mit einem Sprühstoss mit Tränenreizstoff am eigenen Leib, natürlich ohne Gasmaske, gemacht, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Entsprechendes galt für Gummischrot. So entsteht eine innere Hemmung, was den Einsatz dieser Mittel betrifft.

 

Diese Hemmung garantiert aber noch keine Verhältnismässigkeit. Worum geht es bei verhältnismässigem Handeln?

Mohler: Einfach ausgedrückt: Nicht mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Etwas genauer formuliert: Der Situation angemessen mit den mildesten erlaubten Mitteln eingreifen, die Erfolg versprechen, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten oder wieder herzustellen.

 

Das heisst, die Polizei soll möglichst wenig einschränken. Bei Demonstrationen und Fussballspielen schiesst die Polizei aber zumindest mit Wasserkanonen, um Menschenansammlungen aufzulösen.

Mohler: Das sind schwierige Entscheidungen, bei denen es auch um den Grundrechtsschutz geht. Die Rechtslehre ist sich da nicht ganz einig. Eingriffe mit Gummischrot oder Tränenreizstoff sind erst bei schwereren Ausschreitungen angemessen. Aber was heisst hier schwer?

 

Tatsache ist, dass sich die Mittel, welche die Polizei einsetzt bei friedlichen und unfriedlichen Veranstaltungen kaum unterscheiden.

Mohler: (lacht) Das stimmt so nicht ganz. Es wird natürlich von friedlichen Demonstrationen gesprochen, bevor die Situation eskaliert. Sobald die Krawalle beginnen, geben sich die Organisatoren dann überrascht und behaupten, sie könnten nichts dafür und seien von Radaubrüdern unterlaufen worden.

 

Das würde ja bedeuten, dass alle Demonstrationen grundsätzlich als gewaltvoll angesehen werden. Was heisst das in der Praxis für den Polizeieinsatz?

Mohler: Nein, das bedeutet es nicht. Es gibt auch viele friedliche Demonstrationen bis zuletzt. Die Polizei hat aber die Aufgabe, wenn es zu Ausschreitungen kommt, diese zu unterbinden. Noch schwieriger wird es, wenn es zu Gegendemonstrationen am gleichen Ort zur gleichen Zeit kommt. Eine gängige Praxis ist heute, dass die Demonstrierenden, wenn es denn nötig ist, zuerst per Megaphon oder Lautsprecher gewarnt werden. Erst wenn dies nichts fruchtet, wird in der Regel das eine oder andere Mittel eingesetzt, zuerst, wenn möglich nur als letzte Warnung. Die Vernünftigen entfernen sich dann oft schnell.

 

Das ist der Optimalfall. Es kommt aber auch vor, dass die Polizei eine Veranstaltung einkesselt, ohne den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, das Geschehen zu verlassen. Beispiele sind hier die Antirep-Kundgebungen in Bern, 1. Mai-Demonstrationen in Zürich oder die Tanz-dich-frei-Veranstaltung in Winterthur.

Mohler: Wenn eine unbewilligte Demonstration von einer bekanntermassen militanten Gruppe angesetzt wird, hat die Polizei das Recht und die Pflicht, die öffentliche Sicherheit zu wahren und Schäden durch diese Gruppierungen zu verhindern. Das kann auf verschiedene Arten bewerkstelligt werden.

 

Diskutieren wir ein konkretes Beispiel: Die Auflösung der Favela-Kundgebung an der diesjährigen Art Basel. Die Polizei ist bei einer friedlichen Demonstration, die keinerlei Strassen blockiert hat mit Gummischrot und Reizstoff eingeschritten, um eine Musikanlage zu konfiszieren. An der Kundgebung waren auch Kinder. Sind das noch die mildest möglichen Mittel, die verwendet werden dürfen um die öffentliche Sicherheit zu wahren?

Mohler: Ich habe von diesem Vorfall nur über Zeitungen erfahren. Die Messeleitung der damals stattfindenden Art-Basel hat gemäss Medien Druck auf die Polizei ausgeübt. Die Stadt Basel möchte die Art als grössten Kunstmarkt der Welt natürlich nicht verlieren. Diese Kunstmesse ist für die Stadt sehr wichtig und man möchte daher auch die Organisatoren nicht verärgern. Da ich die damalige Situation nicht genauer kenne, kann ich dazu nichts Weiteres sagen.

 

Das heisst für den Einsatzentscheid spielt es eine Rolle, wer bei der Polizei vorspricht. Je nach Beschwerdesteller tritt sie schneller und repressiver auf. Ist da nicht die Rechtsgleichheit verletzt?

Mohler: Ich sehe das nicht so.  Über die Art und Weise des Vorgehens lässt sich diskutieren. Die Meinungsäusserungsfreiheit auf dem Messeplatz war aber gewährleistet. Jedoch gibt es keinen Anspruch darauf, Lärm so zu veranstalten, dass sich die Leute ringsum nur noch belästigt fühlen, sich nicht mehr verständigen können, und das über eine längere Dauer.

 

Es geht jetzt um die Frage, in welchem Moment die Polizei einschreitet und ob sie zu einem anderen Zeitpunkt einschreiten würde wenn die Favela-Siedlung nicht auf dem Messeplatz sondern im Hafenareal in Kleinhüningen stünde. Misst die Polizei mit ungleichen Ellen?

Mohler: Nein: Die Situation ist eine ganz andere, wenn die Kundgebung im Hafenbecken stattfindet. Auf dem Messeplatz, wo Leute aus der ganzen Welt zusammenkommen, um an der Kunstmesse teilzunehmen, ist die erhebliche Störung der öffentlichen Ordnung offenkundig. Im Hafenbecken stört sich kaum jemand des Lärms wegen.

 

Abgesehen vom Einsatzentscheid ist zentral, wie sich der einzelne Polizist oder die einzelne Polizistin im Einsatz verhält. Es gibt auch in der Schweiz immer wieder Fälle, in denen die Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Polizisten einreicht. Wie kann der Polizist im Einsatz kontrolliert werden?

Mohler: Es gibt solche Fälle, keine Frage. In Zürich bei der Sittenpolizei zum Beispiel waren die Verhältnisse und der Bestechungsgrad offenbar schlimm. Aber die ersten Hinweise kamen dem Vernehmen nach aus dem Korps selber, immerhin. Die Kontrolle des Einzelnen ist von Korps zu Korps unterschiedlich geregelt. In meiner Zeit bei der Polizei war die Kontrolle relativ intensiv: Rapporte wurden sorgfältig gelesen und die Vorgesetzten führten regelmässig unangemeldete Besuche durch, um zu sehen, wie gearbeitet wird.

 

Das heisst, die Kontrolle beschränkt sich aufs Lesen von Berichten und auf einzelne Inspektionen. Verstösse gegen die Dienstvorschriften treten aber dann auf, wenn niemand hinschaut. Und im Nachhinein kann nicht mehr kontrolliert werden.

Mohler: Ich bin der Meinung, dass eine Kontrolle möglich ist, wenn auch nicht jederzeit und überall. Die Vorgesetzten müssen ihre Führungsverantwortung wahrnehmen, sie müssen die Büros verlassen und die Arbeit der Polizisten im Einsatz kontrollieren. Es gibt interne Kontrollmechanismen, die funktionieren. Aber es ist selbstverständlich, dass diese nie immer und überall zu 100 Prozent greifen können. Zudem muss man gut ausgesuchten und ausgebildeten Mitarbeitenden auch Vertrauen entgegenbringen können. Ohne das geht es nicht.  Der ganz überwiegende Teil der Polizistinnen und Polizisten arbeitet korrekt. Dass jede Ausnahme von dieser Regel ein Fall zu viel ist, ist klar.

 

Konflikte und Knatsch zeichnen ein zerrüttetes Bild vom Verhältnis Bürger – Polizei. Wie steht es um den Ruf und das Ansehen der Schweizer Polizei im Alltag?

Mohler: Wenn die Bevölkerung kein Vertrauen mehr in die Institution Polizei besitzt, ist sie erfolglos. Dieses Vertrauen ist aber vorhanden. Die Schweizer Polizei geniesst einen guten Ruf.  2012 brachten ganze 76 Prozent der Gesamtbevölkerung der Polizei Vertrauen entgegen. Das ist gut für eine staatliche Institution, die jeden Tag mit Ordnungsbussen oder andern Massnahmen eingreifen muss, was nicht besonders beliebt ist. Sie geniesst gesamtschweizerisch auch grösseres Vertrauen als politische Behörden, die Wirtschaft oder politischen Parteien, ja sogar als Gerichte. Dazu muss sie durch einwandfreie Arbeit Sorge tragen.

 


Zur Person:
Dr.iur. Markus H.F. Mohler (Jahrgang 1941) war Staatsanwalt des Kantons Basel-Stadt. Von 1979 bis 2001 stand er der baselstädtischen Kantonspolizei als Kommandant vor. Er dozierte öffentliches Recht, speziell Sicherheits- und Polizeirecht, an den Universitäten Basel und St. Gallen. Markus Mohler ist verheiratet und Vater zweier leiblicher und zweier Stiefkinder. Er lebt in Binningen bei Basel.

 

Immer ein M grösser

Oh du fröhliche Weihnachtszeit. Die Strassen sind feierlich geschmückt, die Leute hetzen durch die Stadt und greifen oft tief in ihren Geldbeutel für die grosse Weihnachtsbescherung. Weihnachten ist für die Migros eine wichtige Zeit im Jahr. Der ausgezeichnete Start des Weihnachtsverkaufes lässt laut Mediensprecherin der Migros Martina Bosshard auf einen guten Geschäftsabschluss 2013 hoffen. Die Auszeichnung der besten Nachhaltigkeit für Generation M, sowie der Kauf der Modekette Schild sind wichtige Meilensteine für das orange “M” der Schweiz.

 

M wie Migros

Gottlieb Duttweiler, ein Schweizer Pionier mit grossen Visionen.1925 gründet er mit seinen ersten fünf “Migros-Wägeli” die Schweizer Genossenschaft. Heute, bald 90 Jahre später beschäftigt die Migros-Gruppe mehr als 80’000 Leute in der Schweiz. Das grosse M, wandelte sich von einer Privatunternehmung in eine Genossenschaft und wurde dann der Schweiz vermacht.

 

Der Geist von Gottlieb Duttweiler lebt auch nach seinem Tod im Jahre 1962 in der Migros weiter. Für die Migros ist es laut Martina Bosshard, die Tink.ch zu einem Interview traf, eine Freude zu sehen, wie sich das Schweizer Volk immer noch für den Pionier “Dutti” interessiert. Dies ist für den Konzern natürlich auch eine Verpflichtung, diese Werte weiterhin zu leben.

Duttweiler wollte ein Unternehmen, das einen sozialen Gedanken verfolgt, in welchem der Mensch im Mittelpunkt steht und die Mitarbeiter respektvoll behandelt werden. Diese Mentalität ist auch heute noch verankert. “Die Welt hat sich verändert, doch Dutti war nie einer, der alles beim Alten belassen wollte – er ging mit der Zeit und das muss unser Unternehmen weiterhin verfolgen”, so Martina Bosshard.

 

Familien im Mittelpunkt

Familien waren von Anfang an eines der Kernziele des Unternehmens, welches heute noch stark verfolgt und gewichtet wird. Günstige Preisangebote, gesunde Produkte, Familienrabatte bei Ferien oder kulturellen Veranstaltungen sowie kinderfreundlicher Sammelspass zum Einkleben, Tauschen und Spielen. Letzteres animiert auch Grosseltern zum Mitmachen. Dabei werden verschiedene Generationen angesprochen und das Ziel der Familienfreundlichkeit unterstrichen.

 

Einsatz für Zukünftiges

Seit 1957 investiert die Migros eine gewisse Prozentzahl ihres Jahresumsatzes in die Kultur und Weiterbildung. Der Migros Kulturprozent unterstützt Künstler und Talente auf ihrem kulturellen Weg.

 

Mit Generation M will sich die Migros weiter abheben in Sache Nachhaltigkeit. Einige Versprechen, wie zum Beispiel verschiedene Laufveranstaltungen für Jugendliche in der Sparte Gesundheit, fanden bereits statt. Andere Vorhaben brauchen noch Zeit und stehen erst am Anfang.

“Es gibt bis heute auch ehrgeizige Ziele bei denen noch unklar ist, wie und ob man sie erreicht. Dazu gehört auch das Tierwohlversprechen, welches wir in diesem Jahr lanciert haben. Dabei sollen im Ausland die gleichen Bedienungen in der Behandlung und Wertschätzung der Tiere praktiziert, wie diese in der Schweiz umgesetzt werden. Es ist natürlich schwierig die ausländischen Lieferanten von diesem Vorhaben zu überzeugen”, erklärt die Mediensprecherin.

 

Der Wandel der Zeit

Im Sommer lancierte das Unternehmen die “Cronuts”, welche jedoch nach einem Namensstreit mit dem amerikanischen Erfinder unter dem Namen “Big-O” verkauft werden. Ein Mitarbeiter des Migros Unternehmens Jowa entdeckte das Produkt in New York, kurz darauf wurde, gemäss Martina Bosshard, der kalorienhaltige Blätterteig-Donut in der Schweiz lediglich “nachgebacken” und nicht kopiert.

 

Zudem wurde vor kurzem das Selbstbezahlungssystem Subito in verschiedenen Filialen eingeführt. Dass Kassen jedoch ganz verschwinden, wird nicht der Fall sein, versichert Martina Bosshard. In diesem Zusammenhang fügt die Mediensprecherin an, dass mit der Einführung einer möglichen Selbstzahlung kein Stellenabbau geplant sei. Es gehe um den Versuch, die Anstehzeit der Kunden zu verkürzen.

 

Kauf um Kauf

Als die Migros im Jahr 1997 die Globus-Gruppe übernahm, gab es bereits einige Stimmen, die sich negativ zu diesem Schritt äusserten. Nun erwarb Globus vor kurzem die Modekette Schild. Die Frage ist, wie authentisch und transparent ein Unternehmen nach einer solchen Übernahme noch ist. Wo muss sich ein Betrieb die Treue halten, um den Kunden gegenüber glaubwürdig zu bleiben? Erhält man so den Grundgedanken von Duttweiler? Ist das in diesen Dimensionen überhaupt möglich? Wie wirken sich solche Dinosaurierhochzeiten auf das Kleingewerbe aus? Fragen, die sich sogar überzeugte Migroskunden zu Recht stellen.

 

Obwohl die Migros bereits vom Ferienbuchen, über Nähkurs besuchen bis hin zum sportlichen Ausgleich im Fitnesscenter, einiges an Freizeit abdeckt, kann man sich in Zukunft noch auf einiges gefasst machen. Wie es im neuen Jahr weitergeht, bleibt aber vorerst ein Geheimnis. “Es wird immer Neues dazukommen. Doch da wir gerne überraschen, werden wir das nicht vorher ankündigen”, sagt Mediensprecherin Martina Bosshard mit einem Lächeln.

Geschulte Lockerheit

Sie stürmten die Charts, sie stürmten die Clubs und nächste Openair-Auftritte weltweit sind bereits angekündigt. Auch in der Schweiz erspielten sie sich eine grosse Fangemeinde, landeten mit Radioactive und It’s time zwei Hits. Imagine Dragons aus den U.S.A haben es geschafft, sich einen Platz im Popuniversum zu erspielen.

 

Ausverkaufte Zusatzshow

Ihre erste Show auf Schweizer Boden Anfang Dezember war ausverkauft und auch die Tickets für das Zusatzkonzert in der Zürcher Maag-Halle waren alle rasch vergriffen.

 

Doch auch die Vorband Family of the year, die derzeit mit Hero eine Single in den Top 10 der Schweizer Single-Charts hat, zog Publikum an und zeigte, dass man von ihr noch lange nicht alles gesehen und gehört hat. Bei ihrem Auftritt war das Publikum bereits in Konzertlaune und sang sich bei Hero die Seele aus dem Leib. Die Kalifornier setzten mit ihrem Indie-Pop die Latte hoch, doch es war kein Problem für Imagine Dragons, diese zu überschreiten.

 

Geschulte Lockerheit

Die Halle ist voll, es wird gelacht, gequatscht und gewartet. Die Stimmung ist freundlich und von Erwartung erfüllt. Dann endlich treten die vier Indie-Rock-Musiker von Imagine Dragons auf die Bühne und spielen ihren Fans ein Konzert, als hätten sie jahrelange Bühnenerfahrung. Überzeugend ist vor allem der Kontakt, den die Band zum Publikum pflegt und der alle Distanz verschwinden lässt. Sänger Dan Reynolds ist sich nicht zu schade, über vergangene Konzerte zu witzeln und mit glücklichen Fans im Publikum Gespräche zu führen. Es gelingt ihm, eine typische Club-Atmosphäre in eine Halle mit 3000 Besuchern zu bringen und seinen Fans hohe Aufmerksamkeit zu schenken.

Musikalisch bewiesen die Amerikaner, dass sie ausgebildet sind. Sie spielen fehlerfrei und mit einer geschulten Lockerheit, wodurch es ihnen gelingt, den Kontakt zum Publikum nicht zu verlieren. Es überzeugten nicht nur ihre grossen Hits, auch die weniger bekannten Songs stiessen beim Publikum auf regen Anklang.

 

Ohne grosse Emotionen

Es war kein Konzert der Superlative, dafür fehlten die Emotionen. Die Musiker hatten sichtlich Spass und die Besucher und Besucherinnen genossen das Konzert, aber die Songs wurden eher emotionslos performt und es entstanden keine grossen Spannungen bis zum Schluss. Einzige Ausnahme war Radioactive, der zweitletzte Song. Damit packte die Band ihre Fans zum Schluss noch einmal – aber richtig – und musste zurück auf die Bühne um eine ruhige Zugabe zu spielen.

Staatliches Spendenmarketing

Sie sind wieder da. Die, die noch vor einem Jahr eine Woche lang in einer Glasbox am Europaplatz in Luzern ausgeharrt hatten und dieses Jahr sogar bis in die Ostschweiz fahren, um die Schweiz zum Spenden zu bewegen. Jeder Rappen zählt (JRZ) ist eine schöne Aktion in der Adventszeit. Ich habe bisher jedes Jahr gespendet.

 

Einen Song habe ich nie gekauft. Auch den Spendenschlitz habe ich nie in Echt gesehen, geschweige denn ein Nötli reingesteckt oder einem hustenden Nik Hartmann “gute Besserung” zugerufen, als sich auf SRF 3 wieder eine Hustsinfonie anbahnte.

 

Das Spendenkonto der Glückskette hat auch keinen Betrag von mir verbucht. Ich wurde nie namentlich erwähnt in der Laufzeile im Fernsehen. Ich wollte nie wissen, für wen sie sammelten. Und doch: Ich kann gut ein Jahr nach dem letzten JRZ noch sagen, für welches Thema gesammelt wurde.

Ganz unromantisch habe ich auch nicht zur Adventszeit gespendet. Sondern im August, als mir so heiss war, dass ich gar nicht an die armen Kinder in Slums denken wollte.

Per E-Banking überwies ich den Betrag der Billagrechnung.

 

Etwas salopp formuliert, finanzieren so die Fernsehzuschauenden und Radiohörenden eine Spendengala der Extraklasse, die sie dann dazu aufruft, nochmals Geld für die Armen auszugeben. Verrückt.

Würde SRF die gesamte Sendezeit von Jeder Rappen zählt als Werbespot an die mit Millionen beglückte Hilfsorganisation Glückskette verkaufen, schriebe diese rotere Zahlen als ihr Logo.

 

Von dieser gewaltigen, staatsfinanzierten Spendensammlung können andere Hilfswerke nur träumen. Sie beklagen sich darüber, massiv Einnahmen zu verlieren. Denn die meisten Leute spenden jedes Jahr für eine einzige Organisation und berücksichtigen dabei eher die gut umworbene Glückskette-Aktion statt ein kleines, möglicherweise sinnvolleres Hilfswerk ohne staatlich finanziertes Marketing.

 

Heute sitze ich im Büro und höre zum Arbeiten einen kleinen Lokalsender. Ich bin froh darüber, dass mich kein Ritschi mit seinem Hit zum Spenden für JRZ auffordert – ein kluger Marketing-Schachzug des Plüsch-Leadsängers.

Dass SRF 3 der (selbsternannt) beste Sender mit den einzig wahren Radiomoderatoren-Sammelhelden ist, mag stimmen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in den letzten Jahren war einzigartig.

Trotzdem: Das Kerngeschäft von SRF ist die Information und die kommt während “Jeder Rappen zählt” zu kurz.

Verjüngungskur der Kirche

In den Skandaljahren 2010-2013 verlor die katholische Kirche nicht nur ihre Glaubwürdigkeit, sondern auch das Vertrauen hunderttausender Katholiken. Viele Gläubige konnten über die Pädophilie-Vorwürfe an ranghohen Bischöfen, Priestern und Pfarrern nicht hinwegsehen und wendeten der Kirche den Rücken zu.

 

Die Beliebtheit der Kirche war auf einem neuen Tiefpunkt angelangt, die Zahl der Kirchenmitglieder sank täglich im vierstelligen Bereich. Berechtigterweise stellten sich viele Theologen und “Laien” nach dem Rücktritt von Benedikt dem XVI. die Frage: Kann ein einzelner Mann das Schiff Petri wieder auf Kurs bringen? Jorge Maria Bergoglio hat bewiesen: Ja. Er kann.

 

Frischer Wind im Vatikan

Als Papst Franziskus in den Vatikan zog, riss er die Fenster des Petersdoms auf und vertrieb den neokonservativen Mief der Benedikt-Ära. Es war ein notwendiger Akt der Entrümpelung altbewährter Traditionen. Franziskus war klar, dass an ihm die Glaubwürdigkeit der Kirche neu bemessen werden würde.

 

Und so tat er, was getan werden musste. Das Brechen von Traditionen mag bei vielen verklemmten Kirchenbrüdern und Traditionalisten für Missgunst gesorgt haben. Unberührt von der Kritik aus der konservativen Ecke vereinfachte Franziskus seine Kleidung, veränderte das Protokoll, verzichtete auf seine Papstresidenz und wohnt bis heute im Gasthaus des Vatikans.

 

Seine Schweizer Gardisten schickt er des Nachts auf die Strassen, damit sich die obdachlosen Bürger Roms sicherer fühlen. Vor einigen Tagen machten Gerüchte die Runde, dass Papst Franziskus während der Nacht sogar selbst aus dem Vatikan schleichen soll, um sich um die Obdachlosen und Armen der Ewigen Stadt zu kümmern. Dieses Verhalten würde durchaus zu ihm passen. Immerhin küsst und wäscht er mehrmals im Monat die Füsse von italienischen Häftlingen.

 

Die Kehrseite der Medaille

Der Erfolg der katholischen Kirche ist damit aber noch lange nicht gesichert. Die Gefahr des Scheiterns besteht weiterhin. Trotz seiner lobenswerten Einstellung und seinem selbstlosen Auftreten hat Franziskus bereits viele neue Feinde gewonnen. Innerhalb des Vatikans sind dies erzkonservative Lobbys, die um ihren Reichtum und ihre Macht fürchten. Ausserhalb des Vatikans ist dies die italienische Mafia, die seit Jahren ihre Gelder in der kircheneigenen Bank IOR waschen. Auch sie wären durch eine radikale Umwandlung des Kirchensystems betroffen.

 

Nicht nur neue Feinde hat sich Papst Franziskus geschaffen. Auch er selbst könnte sich im Wege stehen. Der Pilgerweg Franziskus muss nämlich differenzierter betrachtet werden, als dies viele Medienhäuser bis anhin tun. Es darf nicht darüber hinwegsehen werden, dass Jorge Maria Bergoglio zu seiner Zeit als Erzbischof und Kardinal von Buenos Aires des Öfteren mit besonders kernigen und extremen Aussagen auf sich aufmerksam machte. “Wer nicht zu Gott betet, der betet zu Satan”, meinte er einst.

 

Desweiteren bezeichnete er gleichgeschlechtliche Ehen als ein Werk des Teufels. Auch in seinem Amt als Papst predigt Bergoglio gegen die Rechte von Homosexuellen und die Gleichstellung von Frauen. Davon liest man kaum in der Presse. Die Berichterstattung über Religion hat einen Geruch der Unfreiheit an sich. Denselben Geruch kann man immer noch in den heiligen Hallen des Vatikans vernehmen. Nur vermischt sich dieser nicht mehr mit dem Mief der Benediktpolitik.

Justin Bieber der Rock-Welt

Die amerikanische Folk-Band HoneyHoney lässt ihre letzten Töne erklingen, bedankt sich beim Publikum. Sie bekommen ihren verdienten Applaus und wenig später wird die Bühne umgebaut. Bereits 20 Minuten später gehen Lichter und Hintergrundmusik aus und das Publikum ruft nach seinem Idol Jake Bugg.

 

Ein Mann und seine Gitarre

Bugg betritt die Bühne und die Kreischanfälle der durchschnittlich 16-jährigen Mädchen geht los. Jake fängt an zu singen und zieht auch die Musikfans auf seine Seite. Auf der Bühne stehen nur Jake mit seiner Gitarre, ein Bassist und ein Drummer. Die musikalische Qualität ist auf höchstem Niveau und Bugg spielt Gitarre, als hätte er nie etwas anderes getan. Auch seine Gesangsleistung ist einzigartig. Das Programm ist auf die Musik von Jake abgestimmt, so kann er durch Songs des ersten Albums die Hektik der neuen, zum Teil sehr schnellen Nummern ausgleichen. Das ganze Konzert ist geprägt von einer Ruhe, die den 19-jährigen sehr reif wirken lässt. In der Mitte der Show steht nur noch Jake auf der Bühne und meistert eine Aufgabe, vor der sich viele Sänger entziehen mit Bravour. Während 20 Minuten beweist er mit einer Ein-Mann-Show, dass er ein wahrer Musiker ist.

 

Musik oder Teenies

Doch die Show ist zwielichtig, denn sie erinnert an eine Teenie-Show. Obschon Bugg erwachsen und erfahren wirkt, schimmert seine Jugend durch. Es fehlt der Kontakt zum Publikum und es scheint, als wäre ihm alles gleichgültig. Auch wenn er sagt, dass das Publikum “wunderbar” und “grossartig” ist, wirkt es lieblos und aufgesetzt. Doch es scheint dem Publikum, vor allem den weiblichen Fans, zu gefallen, denn sie spielen die Show mit. Ein Wort, eine Geste und das Kreischen geht weiter. Jake Bugg ist der Justin Bieber der Rock-Welt. Ob die Zuschauer und Zuschauerinnen Fan der Musik oder lediglich Fan des Teenies sind? Sehr auffallend ist, dass der grösste Teil der Besucher lediglich die Hits wie Two Fingers oder What doesen’t kill you mitsingen können und bei ruhigen Nummern hört man von allen Seiten Privatgespräche. Das Publikum sollte die Musik mehr  respektieren, sowie Jake Bugg mit mehr Persönlichkeit und Offenheit vor seine Fans treten müsste.