Kultur | 27.11.2013

Wiederaufnahme des Jungfilmfestival

Text von Samuel Huser | Bilder von Mazlum Toprak
Die einnehmende und zugleich schauderhafte Dokumentation "Traumfrau" von Oliver Schwarz ist zum Gewinner des Jungfilmfestivals Upcoming Filmmakers gekürt worden. Das Programm bot viele interessante Werke meist junger Filmschaffender. Die Preise bieten eine vielversprechende Referenz für das zukünftige Drehen.
Der Nachwuchspreis geht an Raphael Willi.
Bild: Mazlum Toprak

Am vergangenen Wochenende fand im Kino Bourbaki Luzern nach zweijähriger Pause das Schweizer Jungfilmfestival Upcoming Filmmakers statt. Angehenden Regisseuren bietet es eine Plattform, um sich zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. Ein Grossteil der Nachwuchsfilmer studiert an der Hochschule Luzern Design & Kunst oder an der Zürcher Hochschule der Künste. Die teilweise im Rahmen von Projektarbeiten entstandenen Produktionen schwankten zwischen aufwändig gestalteten Animationsfilmen und eher improvisierten, rohen Filmen.

 

Die Gewinner

Der Gewinner des Luzerner Filmpreises ist in seiner Szenerie karg und nüchtern, in der Umsetzung aber sehr einfühlsam: Dieses Verdikt erhielt der Gewinnerfilm “Traumfrau” von Oliver Schwarz, der zur Preisverleihung nicht erschien. Die eindringliche Dokumentation zeigt einen Mann, der nach einem Burnout und gescheiterten Beziehungen endlich seine grosse Liebe findet. Klingt perfekt, ist aber grundsätzlich anders. Eine schockierende und befremdende Inszenierung, die zum Nachdenken verleitet.

 

Experimente und Spontanität prägten die Kurzfilme. “Teneriffa” von Hannes Baumgartner beispielsweise, der trotz karger Story dank natürlicher Bildsprache mit dem dritten Platz ausgezeichnet wurde. Auch die schauspielerische Leistung von Matthias Britschgi und Aaron Hitz dürfte einiges zu der Platzierung beigetragen haben. Die beiden erhielten dementsprechend auch verdient die Auszeichnung für die beste schauspielerische Leistung. “Grandpère” von Kathrin Hürlimann stach als “präzis gedrechseltes Einod” heraus und gewann als solches den zweiten Preis.

 

Omnipräsent an der Veranstaltung war Deborah Gassmann: Sowohl hinter der Bar im Bourbaki als auch als schlaflose Tänzerin in der Dokumentation Durchwacht, welche die teilweise harten Arbeitsbedingungen in der Theaterszene aufzeigt. Die lebensnahen Aufnahmen machten den Film zum Publikumsliebling. Zusätzlich erhielt das Werk von Florian Geisseler den Preis für den besten Schnitt.

 

Weitere Preise erhielten Jane Mumford für ihre Animation “Another Round” und Tamer Ruggli für “Hazel”. Das Rennen um den Preis bei der Kategorie Nachwuchs machte Raphael Willi mit “Hotel Harmony”, der sich damit gegen den sechzehnjährigen Lucas Ackermann mit seinem Film “Can you?” durchsetzt.

 

Das Festival war am Samstag, wo an der After-movie-Party auch DJ Harald Seemann für Stimmung sorgte, im Vergleich zum Freitag einiges besser besucht. Etwas irritierend war die grosse Anzahl an prämierten Regisseuren, die durch Abwesenheit glänzten. Auch die Publikumsdiskussion waren oft etwas zäh. Trotzdem: Es ist sehr zu begrüssen, dass dieses für junges Schweizer Filmschaffen wichtige Festival wieder stattfindet. Der engagierten Festivalleitung und ihrem Team darf man ein Lob aussprechen, Upcoming Filmmakers wieder ins Leben gerufen zu haben.

 

 


Anmerkung der Redaktion:

Luzerner Filmpreis

1. Traumfrau – Oliver Schwarz

2. Grandpère – Kathrin Hürlimann

3. Teneriffa – Hannes Baumgartner

 

 

Nachwuchsfilmpreis: Hotel Harmony – Raphael Willi

 

Bester Schnitt: Durchwacht – Florian Geisseler

 

Beste Ausstattung:  Hazel – Tamer Ruggli

 

Beste Umsetzung: Another Round – Jane Mumford

 

Beste schauspielerische Leistung:  Teneriffa – Hannes Baumgartner

 

Publikumspreis: Durchwacht – Florian Geisseler