Gesellschaft | 19.11.2013

Moderne Vogelscheuchen

Der technische Fortschritt nimmt seinen Lauf - Rückwärts einparken übernimmt der eingebaute Bordcomputer. Musik wird nicht mehr analog, sondern digital verarbeitet. Verwirrt hat der Autor festgestellt, dass der technische Fortschritt offenbar nicht bei den Tierschrecksystem angekommen ist - auf den Bauernfelder finden sich noch immer Vogelscheuchen. Deshalb hat er sich auf die Suche nach modernster Tierschrecktechnik gemacht.
Ein langweiliges Relikt aus früheren Zeiten? Eine Vogelscheuche aus Luzern bewies, dass sie sogar für einen Polizeieinsatz gut ist.
Bild: zvg, luckypixel/pixelio.de

Um es kurz zu machen: Es gibt sie doch, die modernen Tierschrecksysteme. Auch wenn auf so manchem Kornfeld nach wie vor eine Vogelscheuche vor sich hin gammelt – meist bunt angezogen und mindestens drei Vögeln Asyl gewährend, die sich keinen Deut darum kümmern, dass sie gerade ihr gewählter Rastplatz vom Faulenzen auf dem Kornfeld abhalten soll.

 

Tücken der Moderne

Aber es geht auch eine Spur innovativer. Dies zeigte beispielweise eine Vogelscheuche in der Nähe von Luzern. Sie löste in einer Nacht im Mai dieses Jahres einen Polizeieinsatz aus, weil sie alle paar Minuten einen Schreckschuss abfeuerte, um allfällige Vögel vom Saatgut fernzuhalten. In der Nacht wurden jedoch nicht die Vögel zu Dieben, sondern die Vogelscheuche selbst – zu einer Schlafdiebin. In der Nähe wohnende Personen beklagten sich über Schlaflosigkeit und hatten das Gefühl in eine Schiesserei geraten zu sein. Die Polizei konnte dem Problem, mit der Hilfe von Nachtsichtgeräten, noch in derselben Nacht Herr werden.

 

Für jeden das Passende

Wer sich keine eigene Selfmade-Schreckschussanlage im Keller basteln will, kann auf diverse andere, mehr oder weniger innovative, Tierschreck-Infrastruktur zurückgreifen. Diese verjagt Tiere entweder mit Licht, lauten Geräuschen, Ultraschall oder Wasser. Die Optionen lassen sich selbstverständlich auch kombinieren. In gewohnter Tele-Shopping Manier wird im Internet und Fernsehen für diese Produkte geworben: “Nie wieder Tiere in ihrem Garten – Verjagen Sie die ungewollten Gäste, ohne die Tiere zu verletzen”. Letzterer Teil des Satzes lässt sich zumeist auf

die Ultraschall-Methode beziehen. Die sendet ein für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbares Signal aus, welches für Tiere derart unangenehm ist, dass sie sofort Reissaus nehmen. Nicht wie beim altehrwürdigen “Dauer-Piep-Piep Katzenschreck” wird hier die Gerätschaft selbstverständlich automatisch mit einem Bewegungsmelder aktiviert.

 

Fragwürdig ist nur, ob die Ultraschall-Methode wirklich derart schmerzfrei ist, wie sie beworben wird. Im Kleingedruckten des Produktebeschriebs lässt sich nämlich oft der

Hinweis finden, dass der Ultraschall nicht “gegen” Menschen verwendet werden sollte, da diese oft mit Übelkeit und Schwindel auf die für sie unhörbaren Töne reagieren würden. Wie angenehm dies für ein Tier ist, lässt sich leicht erahnen.

 

Kein Aufwand zu groß

Noch eine Stufe innovativer zeigen sich die Asiaten. In Südkorea wurde aufgrund diverser Vogelschlägen – so werden Schäden bezeichnet, die durch einen Zusammenprall mit einem Vogel entstehen – der erste “Vogelschlag-Abwehr-Roboter” entwickelt. Dabei handelt es sich um ein autoähnliches Vehikel, das ferngesteuert und mit Lärm, Licht, Infrarot und Ultraschall Jagd auf

sämtliche, nicht kerosinbetriebene, Luftpassagiere macht. Das System wurde 2011 erfolgreich auf einem Militärflugplatz getestet und wird nun offiziell für Flughäfen aller Art zum Kauf angeboten.

 

Wer nicht in der Lage ist, ein solches Fluggerät für den eigenen Haushalt zu beschaffen, der kann es auch eine Spur einfacher haben: Ebenfalls aus dem asiatischen Raum kommt eine gelbe Paste, die in kleinen Schalen an den gewünschten Orten hinterlegt werden kann. Die Vögel scheinen die Paste auf dem Boden als Feuer zu interpretieren und ziehen es deshalb vor, einen anderen Landeplatz anzuvisieren. Ob sich der finanzielle Aufwand jedoch lohnt, respektive sich durch diese Technik Tiere effektiver und weniger brutal verscheuchen lassen, bleibt offen.