Kultur | 20.11.2013

“Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt”

Text von Adrian Mangold | Bilder von Adrian Mangold
Sie heissen Joël, Stefan und Tobias. Bekannt sind sie aber unter den Künstlernamen Fetch, Fierce und DJ Johny Holiday. Zusammen sind sie Brandhärd und die erfolgreichste Rapcrew von Basel. Wie sie über Musik als Beruf denken und welches ihr persönlicher Lieblingssong ist, erzählten sie Tink.ch vor ihrem Konzert in der Kaserne Basel.
"Da ich Heide bin, wurde ich nicht konfirmiert. Darum hab ich das gemacht, was nichts gekostet hat: gerappt", erklärt Fetch.
Bild: Adrian Mangold

Tink.ch: Zuerst möchten wir von euch drei wissen, wie ist es zu Brandhärd gekommen?

Fetch: 1995 haben wir angefangen zu sprayen, 1996 kam die Musik dazu. Und seit 1997 gibt es uns in dieser Konstellation.

 

DJ Johny Holiday: Ich weiss noch, dass ich meine erste DJ-Ausrüstung zur Konfirmation erhalten habe. Zusätzlich hat die Gemeinde Schönenbuch uns einen Proberaum zur Verfügung gestellt. Und irgendwann ist dann Fierce dazugekommen.

 

Fetch: Da ich Heide bin, wurde ich nicht konfirmiert. Darum hab ich das gemacht, was nichts gekostet hat: Gerappt.

 

Ihr habt den Durchbruch 2003 mit Noochbrand geschafft. Wieso war Noochbrand so erfolgreich?

DJ Johny Holiday: Begonnen hat es mit zwei Beats.

 

Fetch: Und einem Streit. Das war eine der wenigen Spannungen.

 

Fierce: Für den Refrain haben wir die ganze Nacht durchgeschrieben.

 

Fetch: Es ist einer der wenigen Refrains, den wir zusammen im Studio geschrieben haben.

 

Fierce: Das Problem war, dass der erste Refrain schlecht war. Ich weiss noch, wie der Text lautete: Spürsch du das nid, das Füür unterm Dach isch. Dr Härd het d Taktik, burne bis abliggsch.

 

Fetch: Der war echt schlecht.

 

Fierce: Es hat sicher eine Rolle gespielt, dass damals der Schweizer Rap im Aufwind war. Eine grosse Hilfe war der Vivamat auf Viva. Dort konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer für ihre Lieblingsclips abstimmen. Da wir auch einen Videoclip produziert hatten, wurden wir regelmässig – bis zu 60 Mal in einer Woche – im Fernsehen gespielt. Ich denke, wir erhielten so viele Stimmen, weil der Refrain Festet mit uns, als gäbts kei Zuekunft ein Ohrwurm für die Leute war.

Zudem kontaktierte uns eines Tages der neue Musikchef von 20 Minuten. Er bezeichnete Dr Wäg ischs Ziel als eines der besten Musikstücke, das er kannte. Aus dem Nichts hat er uns eine Werbekampagne geschenkt. Eine ganze Seite mit unseren Tourdaten in der 20 Minuten. Verrückt.

 

Mit dem letzten Album Blackbox seid ihr auf dem 11. Platz in die Hitparade eingestiegen. Wann kommt euer nächster grosser Wurf und was können wir davon erwarten?

Fetch: Wir haben bis jetzt ein halbes Dutzend Songs zusammen. Es wären sicher mehr, wenn wir nicht parallel dazu angefangen hätten, mit einer Live-Band zu arbeiten. Darum wissen wir noch nicht genau, wann das neue Album 2014 erscheinen wird.

 

DJ Johny Holiday: Wir haben 2014 das erste Mal seit zehn Jahren wieder ein professionelles Booking und davon verspreche ich mir zusätzlichen Aufwind.

 

Habt ihr jemals mit dem Gedanken gespielt, Vollzeitmusiker zu werden? Oder wolltet ihr die Musik schon immer als Hobby ausüben?

Fetch: Jein, ich finde es geil, dass es möglich ist, in der Schweiz mit Rap Erfolg zu haben. Allerdings sehe ich, dass es nur für Wenige möglich ist, von der Musik zu leben. Wenn wir diese Gelegenheit hätten, ich würde sofort kündigen und das durchziehen. Ganz ehrlich: Es ist immer noch ein heimlicher Traum, Vollzeitmusiker zu werden. Aber momentan bin ich auch glücklich mit einem Kompromiss. Wir machen unseren Sound, so wie wir ihn wollen.

 

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was ist euer persönlicher Lieblingssong? Und warum?

Fetch: Für mich ist der Fall klar: Träne in de Auge. Einerseits wegen dem überragenden Beat und andererseits wegen den unglaublichen Emotionen, die der Song in mir geweckt hat. Der Song macht traurig und glücklich zugleich. Anders ausgedrückt: Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt. Der Song ist so emotional, man will gerade sterben. In diesem Track bin ich meiner Vision des perfekten Songs so nahe gekommen wie sonst kaum.

 

DJ Johny Holiday: Ich gehe jetzt ganz weit zurück: Brandalarm. Das ist einer der ersten Tracks gewesen, den Fierce und ich zusammen an einem Abend angehört haben. Und da war mir klar: Das ist der erste Track, den wir veröffentlichen müssen.

 

Fierce: Für mich ist es schwierig. Ich würde spontan sagen: Zrugg in ihri Arm. Ich kann nicht genau sagen wieso, aber ich finde ihn angenehm zu hören und live ist er unglaublich. Er ist der letzte Song, den wir bei Konzerten spielen.