Sport | 04.11.2013

Keine Schönwettersportart

Text von Michael Scheurer | Bilder von Michael Scheurer
Trotz intensivem Regen nahmen diesen Sonntag rund 1'300 Orientierungsläuferinnen und -läufer in Oensingen (So) an der Schweizermeisterschaft im Team-OL (TOM) teil. Als Saisonabschluss fand der Anlass im sportlich lockeren Rahmen statt.
Die drei Siegerinnen (v.l. Bucher, Mangiarratti, Niggli) der Kategorie Damen Elite nach dem Zieleinlauf. Die zweitplatzierten Kyburz-Brüder sind nach dem Sprint ins Ziel mit ihrer Leistung zufrieden.
Bild: Michael Scheurer

Die Orientierungslauf-Saison geht jedes Jahr traditioneller Weise mit der Schweizermeisterschaft im Team-OL zu Ende. Bei diesem Wettkampf steht weniger das Siegen, als vielmehr die familiäre Atmosphäre im Vordergrund. In diesem Jahr etwa war Simone Niggli mit ihrer Schwester Cornelia Mangiarratti am Start. Matthias Kyburz, zweifacher Gesamtweltcupsieger und Weltmeister im Sprint-OL 2012, startete mit seinen beiden Brüdern Andreas und Thomas für die OLK Fricktal. Der Reiz der TOM liege nicht nur im etwas lockeren Rahmen, sondern auch in der taktischen Herausforderung, meint Matthias Kyburz zu Tink.ch.

 

Taktisches Feingefühl

Denn tatsächlich wurden die Dreierteams taktisch gefordert: Eine vorgegebene Reihenfolge von Postenstandorten musste abgelaufen werden. Dabei konnten sich die Teammitglieder frei aufteilen. Darin lauerten allerdings einige Gefahren: Die Läuferinnen und Läufer konnten sich im Wald verlieren, die Aufteilung nicht optimal klappen oder bei der Übergabe ein Posten vergessen gehen, wie dies dem disqualifizierten Team rund um Fabian Hertner passierte.

 

Der sportliche Rahmen war zwar locker, dennoch wurde um die Podestplätze gekämpft. “Wenn alles nach Plan verläuft, rechnen wir uns einen Podestplatz aus”, waren sich die drei Kyburz-Brüder vor dem Start einig.

 

Kein Schönwettersport

Das Thermometer zeigte nicht mehr als 10 Grad Celsius, es regnete in Strömen und die Läuferinnen und Läufer warteten kurzärmlig im schlammigen Wald auf ihren Start. “OL ist definitiv kein Schönwettersport und da muss man einfach durch”, sagte Simone Niggli, die ihre Profikarriere nach diesem Jahr beendet hatte. “Es gibt bestimmt Gemütlicheres, aber ich nehme es für den Sport in Kauf”, trotzt Kyburz dem schlechten Wetter.

 

Aussenseiter als Sieger

Nach fast zwölf Kilometern Lauf- und über 300 Metern Höhendistanz im nassen Wald stand das Team Niggli-Mangiarratti-Bucher mit einem Vorsprung von vier Minuten als Sieger auf dem Podest. “Aussenseiter auf der Rangliste”, wie sich das Hindelbanker-Team vor dem Start bescheiden bezeichnet hatte, waren sie somit nicht. “Die Teamaufteilung hat trotz langen, geraden Strecken gut geklappt”, waren sich die drei Läuferinnen einig. Bei den technisch schwierigeren Posten hätten sie zudem die Teammitglieder in den Postenraum einweisen können.

Hinter den Hindelbankerinnen klassierte sich die OLG Basel mit Ines Brodmann, Rahel Friedrich und Bettina Steiger auf dem zweiten Rang, gefolgt von der OL Zimmerberg mit Julia und Paula Gross sowie Sara Würmli.

 

Über Rang eins bei den Elite-Männern freute sich das Brüder-Team Hubmann (OL Regio Wil), knapp vier Minuten vor den Kyburz und acht Minuten vor dem Team um Matthias Niggli (OL Norska). Der 16-jährige Joey Hadorn war Teil des drittplatzierten Teams und stellte einmal mehr sein Ausnahmetalent unter Beweis. Er lief die 16 Kilometer Distanz und 475 Meter Höhendifferenz auf Elite-Niveau mit.