Politik | 15.11.2013

Jugendliche Unterstützung für Tiere

Ziel der Arbeitsgruppe über Tierschutz und Tiernutzung ist es, am Schluss der drei Tage eine Forderung gegen die Ausbeutung von Tieren einreichen zu können, die im besten Fall am Sonntag vom Plenum angenommen wird. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten erarbeiten sie ein Projekt für den besseren Schutz von Tieren. Wie viel können die Jugendlichen erreichen?
Ob Tierversuche in der heutigen Zeit noch notwendig sind und in welcher Form, wird an der Jugendsession in Bern diskutiert.
Bild: Stephanie Hofschlaeger / Pixelio

Endlich sind die Expertinnen und Experten zum Thema Tierschutz und Tiernutzung eingetroffen. Sie wurden bereits erwartet, die Jugendlichen brennen darauf, sie mit ihren Fragen zu löchern. Doch kaum haben sich die fünf Gäste gesetzt und vorgestellt, überkommt die Jugendlichen eine Welle der Schüchternheit und alle verstummen.

Ingrid Kohler, Expertin zum Thema Veterinärwesen und Tierversuche, bricht das Eis. Sie spricht den rund zwanzig Interessierten Mut zu, indem sie diese lobt, sich für das zwiespältige Thema einzusetzen.

 

Wer zahlt drauf?

Der Projektleiter der Gruppe erklärt den Anwesenden die bisherigen Erfolge seiner Schützlinge. Tierärztin Kathrin Herzog greift sofort eine der Ideen der Jugendlichen auf und fragt, was sie unter “Lenkungsabgaben” verstehen. Die Idee dahinter sei, dass man für Produkte, welche mithilfe von Tierversuchen entstanden sind, einen Aufpreis zahlen müsse. Herzog fragt, ob die Hersteller oder die Konsumenten mehr Kosten hätten. Erneuert kehrt Stille ein.

 

Doch dann beginnt eine Schülerin erst leise, bald aber eifrig zu erklären. Sie hätten eher daran gedacht, dass der Kunde mehr zahlen müsste. Die Schülerin nennt sofort ihre Bedenken – vor allem die Frage, ob ein kleiner Aufpreis überhaupt etwas bringen würde und ob ein grösserer nicht zu abschreckend wäre. Herzog beruhigt sie, denn jeder Rappen bringe etwas.

 

Welche Höhe schmerzt?

Eine andere Jugendliche wirft die Frage ein, wie hoch man den Aufpreis ansetzen müsste. Die Antwort von der Tierärztin kommt etwas unsicher. Sie erklärt, dass momentan rund zwei Millionen Franken Steuergelder in die Forschung zur Herstellung von Kosmetikartikeln fliessen.

 

Drei Prozent dieser Gelder wären nicht allzu schmerzhaft und schlimmstenfalls würde es statt fünf Gesichtscremen nur noch drei verschiedene geben – was unsere Schönheit nicht gross vermindern würde. 60’000 Franken weniger für unsere Pflege, dafür ein glücklicheres Leben für einige Tiere? Für Herzog ist klar, dass dies sinnvoll ist.

 

 

Eingrenzen von Tierversuchen

Damit greift eine andere Jugendliche das nächste Thema auf: Tierversuche sollten angemeldet werden und bereits das sollte etwas kosten. Dies könnte dazu führen, dass Forschungseinrichtungen sich solche Versuche zweimal überlegen würden. Herzog erklärt ihr, dass dies bereits so ist. Sie fragt sich etwas geknickt, wie sehr die Kosten noch steigen müssten, bis sich die Öffentlichkeit beschwert, aber die Forschung trotzdem nicht leidet.

 

Der Weg ohne Qualen

Ingrid Kohler erklärt, dass der Nutzen der Tierversuche unbedingt die Leiden der Tiere überwiegen müsse. Sonst sei darin kein Vorteil zu erkennen. Sie bemängelt, dass die Forschenden untereinander schlecht kommunizieren und die Versuche nicht ausreichend beschrieben würden. Dies führe dazu, dass viele Tierversuche unnötig wiederholt werden, obwohl bereits ein Resultat vorhanden sei – aber nicht veröffentlicht. Gleichzeitig sollten sich die Forscher besser vorbereiten auf die Versuche, sonst passierten zu viele Pannen, welche man durch gute Vorarbeit hätte vermeiden können.

Doch am besten wäre die Förderung von alternativen Forschungsmethoden, wofür sich leider nur die Wenigsten interessieren, da der Aufwand zu gross erscheint.

 

Neue Wege

Die Schülerinnen und Schüler finden ständig ein neues Thema, mit dem sie die Expertinnen und Experten konfrontieren und diese antworten interessiert. Spannende Gespräche zeigen den Jugendlichen neue Blickwinkel auf. Während sie sich anfangs bereits auf ein Projekt geeinigt hatten, kommen nun noch weitere Vorschläge zur Sprache. Diese helfen ihnen, ihre Ideen auszuarbeiten und bringen sie einen Schritt näher an ihr Ziel.