Politik | 16.11.2013

Einfach mal die Fresse halten

In Bern versammeln sich Jugendliche, die angeblich an Progeria Infantilis erkrankt sein sollen. Tink.ch-Reporter Kaspar Rechsteiner besuchte die Erkrankten, die bisher von keinem Arzt untersucht wurden. Die Nachforschungen führen zu einem besonderen Fall von Progeria Adultorum in Basel.
Egal ob Bundeshaus oder Jugendherberge: Es wimmelt von Progeriepatienten.
Bild: Matthias Käser, Montage: Daniel Barnbeck

Rund 200 junge Menschen, die sich derzeit im und um das Bundeshaus in Bern aufhalten, sollen an Progeria Infantilis, auch bekannt als „Frühvergreisung bei Kindern und Jugendlichen“, leiden. Die Primärliteratur zur bislang wenig bekannten Krankheit liest sich in der Basler Zeitung vom gestrigen Freitag.

 

Äusserlich zeigt aber keiner der Betroffenen zwischen 14 und 21 Jahren Zeichen einer Erkrankung, also weder Haarausfall noch Kleinwuchs. Dies legt nahe, dass sie an der seltenen, psychischen Form der Kinderprogerie erkrankt sind. Als Hauptsymptom dieser neuen Form zeigt sich ein stark erhöhtes Interesse an der Landespolitik und ihrer aktuellen Themen.

 

Kein einzelner Krankheitsherd

Die betroffenen Jugendlichen stammen aus allen Regionen der Schweiz. Die Krankheit muss also deutlich weiter verbreitet sein, als bisher angenommen. Progerie gehört zu den erblich bedingten Krankheiten. Geht man von den 200 Jugendlichen in Bern aus, muss die psychische Progerie weit herum in der Schweiz grassieren – bisher unerkannt. Die Betroffenen in Bern müssen Extremfälle sein: Der innere Druck wurde so stark, dass sie ein verlängertes, freies Wochenende einsetzen, um ihrem Drang nach mehr Politik  nachzugehen.

 

Beim Besuch in Bern zeigten sich die Betroffenen auf den ersten Blick sehr freundlich und engagiert. Das „Jugendseniorenheim Palais Féderal“ ist mit reichlicher Verpflegung und vielfältigem Rahmenprogramm gar ansprechend. Die akribische Planung, mit der die Kranken ihr Gipfeltreffen durchführen, ist erstaunlich. Bundesratsmitglieder, weitere Bundespolitiker und Experten aus den verschiedensten Fachgebieten arbeiten vor Ort mit den politisch Erkrankten zusammen, offenbar im Glauben deren Engagement sei aufrichtig. Dieses Missverständnis gipfelt in rund einem halben Dutzend Petitionen, die am Sonntag im sogenannten „Plenum“ im Nationalratssaal verabschiedet werden sollen.

 

Die Spur führt nach Basel

Die neuartige Diagnose dieser Kinderkrankheit konnte dank dem Politikredaktor Martin Furrer der Basler Zeitung gestellt werden. Ob er den Befund aber auf wissenschaftlicher Basis stellte oder anderen Motiven folgte, bleibt fraglich. Gerüchten zu Folge leidet er selbst unter psychischer Progeria Adultorum. Diese Sonderform der Krankheit trifft keine jungen Leute. Die älteren sind im Unterschied zu ihren freundlichen und engagierten jüngeren Leidensgenossen eher von einem Hang zu Destruktivität befallen. Erstaunlicherweise äussern sie diese Symptome vor allem gegenüber anderen Progeriepatienten in Zeitungen.

 

Martin Furrers Artikel in der Basler Zeitung, in dem er von den Erkrankten in Bern berichtet, widerspricht dem nicht. Die Grundsymptome für Progeria Adultorum passen: Als Politik-Experte stellt er eine medizinische Diagnose (Hang zur Betätigung in fremder Expertise). Den Betroffenen in Bundesbern begegnet er mit Hohn. Er geht sogar soweit, dass er die aktuellen politischen Vorgänge in Frage stellt (Destruktivität gegenüber Miterkrankten). Und er nahm in der Versammlung einen „Leichengeruch“ wahr (gestörter Geruchsinn in Erahnung der eigenen Gebrechlichkeit). Nach einem Ausbruch von destruktivem Schreibmassaker tritt beim Erkrankten kurzzeitig ein Wohlgefühl der Entspannung ein. Dieses Befinden hält leider nicht lange an, und treibt den Betroffenen in die nächste Destruktiv-Attacke. Eine sehr ernste Erkrankung also.

 

Keine Heilungsmöglichkeiten

Progerie als Erbkrankheit ist bisher klinisch nicht heilbar. Neue experimentelle Methoden empfehlen aber vor allem älteren Patienten, sich in die Gesellschaft von anderen Erkrankten zu begeben. Wahrscheinlich treffen sich die Berner Extremfälle deshalb zur „Jugendsession 2013“, wie sie es nennen. Instinktiv haben sie einen Schutzmechanismus gefunden.

 

Die Redaktion Tink.ch richtet ihr Beileid an Martin Furrer, den Investigativjournalisten erster Sahne, mit der warmen Empfehlung, sich nach Bern zu begeben. Vielleicht hilft es gegen den schnellen Fortschritt der Krankheit, vielleicht lindert es die ausgeprägten destruktiven Symptome. Wie dem auch sei, die betroffenen Jugendlichen im Bundeshaus stehen Herrn Furrer für vertiefte Gespräche und Klärung der Symptome auch nach 17.20 Uhr zur Verfügung.

 


Den Artikel „Ein Fall von Frühvergreisung“ von Martin Furrer erschien am Freitag, 15. November 2013 in der Basler Zeitung. Eine Kopie findet sich hier: http://bit.ly/1fJ4CkX